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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-06-01 · Heft 23 (1.6.1875) · p. Seite 367

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 23 (1.6.1875)
Date
1875-06-01
Page
Seite 367 (sequence 9)
Language
German
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367 da- Ministerium des Aeußern bei dem Herrn Cultusminister Dr. Falk anfragen, und erhielt zu seiner Ueberraschung die Antwort, daß die Hildesheimer'sche Rabbinerschule eine reine Privatanstalt fei und von Militärdienstbefreiung somit auch nicht die Rede sein könne. Das ist Thatsache; ebenso ist es Thatsache, daß Herr Dr. Z. Hildesheimer mit seinem Gesuche von Seiten des österreichisch-ungarischen Ministeriums abschläglich beschieden ist. Aus Galizien, im Mai. Der „N. fr. Pr." schreibt man, daß in dem meist von Juden bewohnten Sniatyn (Kolomeaer Kreis) kürzlich heftige Straßentumulte stattfanden. Die orthodoxe Partei hatte dem siegenden Candidaten der Fortschrittspartei ihren Unmuth dadurch ausgedrückt, daß sie mehrere Fensterscheiben einschlug. Als nun der Candivat der Orthodoxen anlangte, erwiderten die Fortschrittler diese Liebenswürdigkeiten, und es kam zu einem Handgemenge, bei welchem ein Führer der Fortschrittspartei getödtet und mehrere Personen verwundet wurden. Gensdarmen mußten die Ordnung in der rebellischen Judengemeinde Herstellen. Ueber diesen Exceß in Sniatyn schreibt man uns aus Lemberg vom 15. Mai: In dem zumeist von Israeliten bewohnten Städtchen Sniatyn (Kolomeaer Kreis) war schon seit Jahren unter den Mitgliedern der israelitischen Cultusgemeinde eine Spaltung eingetreten, die bei jeder Gelegenheit ihre nachtheiligen Wirkungen äußerte und auch in der verflossenen Woche anläßlich der bevorstehenden Rabbinerwahl auf eine bedrohliche Art zum Ausbruche gelangte. Ueber die diesbezüglichen Candidaturen konnte nämlich zwischen der fortgeschrittenen und der orthodoxen Partei kein Einvernehmen erzielt werden, denn während die erstere den Rabbiner von Jaworow zu ihrem Candidaten aufstellte, traten die Anhänger der zweiten Partei für den Rabbiner von Tluste ein; jede Partei suchte nun die andere an Agitations- Mitteln zu überbieten, und ungeachtet der Wahltermin noch lange nicht herangenaht war, wurde in der abgelaufenen Woche der Jaworower Rabbiner nach Sniatyn berufen und daselbst bei seiner Ankunft von der Fortschrittspartei zum Rabbiner von Sniatyn praclamirt. Die orthodoxe Partei bemühte sich hierauf, ihrem Unmuth über eine derartige Gewaltmaßregel durch verschiedenartige Straßendemonstrationen, bei denen das Fenstereinschlagen auch nicht vernachlässigt wurde, Luft zu machen, und berief schließlich ihren Candidaten ebenfalls nach Sniatyn. Kaum war nun derselbe dort eingetroffen, als die fortgeschrittenen Gemeindemitglieder ihrem Gegner und dessen Anhängern denselben liebevollen Empfang bereiteten, welcher früher dem Jaworower Rabbiner zu Theil geworden ist. In Folge dessen kam es nun zwischen beiden Parteien zu einem Handgemenge, bei welchem der Führer der Fortschritspartei getödtet und mehrere andere Personen schwer verwundet wurden. Diese Straßentumulte hätten aber einen noch bedenklicheren Ausgang genommen, wenn nicht inzwischen in Folge Requisition des Bezirkshauptmannes eine Abtheilung Gensdarmen zur Wiederherstellung der Ruhe aus den Kampfplatz abgeschickt worden wäre. Rumänien. Bukarest, 18. Mai. (Privrtmitth.) Die Zeitungen werden Ihnen bereits die Kunde von ren Tumulten gebracht haben, welche hier bei Gelegenheit der Neuwahlen zum Abgeordnetenhause stattgefunden, und welche nur durch eine starke Entfaltung der polizeilichen und militärischen Kräfte unterdrückt wurden. Man sieht also, daß die Regierung dies wohl vermag, wenn sie nur will. Die Ursache der unruhigen Auftrirtte lag in dem Umstande, daß die radikale Partei sich durch die Wahlen in eine kleine Minorität versetzt sieht; sie versuchte daher ihre sonstigen Mittel in Anwendung zu bringen, den Pöbel nämlich zu Excessen aufzuregen. Sie nennt dies „Freiheit der Wahlen"! Fiel doch selbst der Judenfresser Bratiano durch! Die Regierung hat jetzt eine große Majorität in der Depmirlenkammer, und wenn sie jetzt ihr Versprechen, die Verhältnisse der Juden loyal zu ordnen, nicht hält, so wird sie sich nicht mit der Schwäche idres Einflusses auf die gesetzgeberischen Factoren rechtfertigen können. Ein viel günstigeres Moment für die Juden liegt aber in den Handelsverträgen, welche jetzt namentlich mit Oesterreich - Ungarn abgefchlcsien werden. Rumänien sieht sich hier vor dasselbe Dilemma gestellt, wie ehemals die ebenso unduldsame Schwei; bei den Handelsverträgen mit Holland, Nordamerika und selbst Persien — denn die französische Julimonarchie gab der Schwei; eine Zeit lang nach. Den österreichisch-ungarischen Unterihanen wird die Handels- und Niederlaffungsfreiheit zugestanden. Aber Oesterreich-Ungarn kennt keinen Unterschied seiner Unterthanen midi Eonfessionen. Es kann keinen Vertrag schließen, in welchem ein solcher Unterschied aufrecht erhalten wird. Rumänien kann einen solchen Vertrag mit Oesterreich Ungarn nickt erlangen, ohne den Wegfall der Unterscheidung zwischen christlichen und jüdischen Unterthanen zuzugestehen. Es werden also zukünftig für die aus Oesterreich-Ungarn kommenden Juden in Rumänien alle bürgerlichen Beschränkungen wegsallen; sie werden in Erwerbung von Grundstücken und in Ausübung der Gewerbe keinen Ausnahmegesetzen unterliegen. Die Folge aber wird sein, daß diese Beschränkungen auch für die einheimischen Juden nicht aufrecht erhalten werden können. So geschah es in der Schweiz, so wird es in Rumänien geschehen; denn die Verhältnisse sind mächtiger als die Menschen. Palästina. Jerusalem, Milte April. Von hier aus schreibt n:an der A. Z.: Wir haben einen sehr herben Winter gehabt. Was ich noch nie erlebt habe, ist diesen Winter gescheheu. Die Fenster 23

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