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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-06-01 · Heft 23 (1.6.1875) · p. Seite 366

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 23 (1.6.1875)
Date
1875-06-01
Page
Seite 366 (sequence 8)
Language
German
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366 „Ungefähr eine Stunde von hier unterhalten drei benachbarte Dörfer eine gemeinschaftliche Schule. Der Schulvorstand der vereinigten Schule hat nun einstimmig die Leitung des Unrerrichts mit Ausnahme des Religionsunterrichtes unserm öffentlichen Lehrer, Herrn Rosenbaum, übertragen und ist diese Wahl unter dem 3. d. Mls. von der Königlichen Regierung genehmigt worden. Dennoch hat Herr Rosenbanm jeden Nachmittag, mit Ausnahme des Sonntags und Sabbaths, den Unterricht der vereinigten Gemeindeschule zu leiten." Es ist unseres Wiffens der erste Fall in Preußen, daß man einem jüdischen Lehrer die Leitung einer christlichen Schule überträgt. Straßburg, 21. Mai. < Privatmittheil.) Merkwürdiger Weise war bis jetzt das Kirchengebct sür Kaiser und Reich in die gottesdienstlichen Häuser des Elsaß noch nicht eingeführt. Jetzt soll die Abhaltung desselben zunächst in den protestantischen Kirchen und in den Synagogen angeordnet werden, dann sollen die katholischen Kirchen folgen. In den Synagogen wird sicherlich kein Widerspruch erhoben; in einigen reformirten Kirchen fand dies schon statt, und ein (zu französisch gesinnter) Prediger ward deshalb bereits vom Amte suspendirt. O esterreich - Ungarn. Wien, 22. Mai. (Privatm.) Ihr Leitartikel in Nr. 21 sagt mit vollem Rechte aus, daß die katholische Kirche gegenwärtig die Verfolgung der Juden zu einem Oe«Io gemacht. Die Bestätigung bleibt auch hier nicht aus. Das Organ des Cardinals Rauscher, das „Vaterland" )?'.) bringt jetzt Hetzartikel gegen die Juden, um welche es weiland Sebastian Brunner beneiden könnte. Es ist merkwürdig, mit welcher Unverschämtheit diese Leute auch hierin die Wahrheit umdrehen. Seit Jahrzehnten, seitdem überhaupt die Kirche wieder so streitbar und so streitsüchtig ausgetreten, schmähen ihre Skribenten, die feinen wie die groben, die schlauen wie die dummdreisten, die Judexi tagtäglich auf's Acußerste. Die Juden hielten still und glaubten, die Gegner würden sich endlich einmal schämen oder ermüden — und nun behaupten dieselben Skribenten, die Juden schmähten die Kirche, und der ganze Widerstand, den die römische Curie in ihrem Streben nach der Weltherrschaft findet, rühre von den Juden her; selbst wenn kirchliche Processionen gestört werden, selbst wenn eine neue Seele entsteht, z. B. der Altkatholieismus, Conventikel hält und Gottesdienst, überall sind die Juden die Anstifter und die Helfer. Selbst das Wort „Culturkampf" haben sie erfunden, und Alles was seit einem Jahrhundert gegen die christliche Glaubenslehre geschrieben und gesprochen worden, ging von den Juden aus. Die Juden sind die Urheber und die Träger des Liberalismus und der Freimaurerei. Dies ist das eine Lied, woran sich schnell das andere von der unersättlichen Habgier der Juden schließt und daß sie durch die ganze Welt eine einzige Hehlerbande bilden; all' ihr Sinnen und Trachten gehe auf Wucher und Trödel aus. Es ist nicht der Mühe werth, diese Menschen auf ihre Widersprüche aufmerksam zu machen, wie sie die Juden zu Urhebern und Trägern der ganzen geistigen Bewegung in der civilisirten Welt machen, und sie doch wieder in die niedrigsten materiellen Interessen versunken, ausschreien. Die Ultramontanen sind gewohnt, in Widersprüchen zu „machen"; ihnen nachzuweisen, daß sie den Juden die Pistole auf die Brust setzen und ihnen nun zum Verbrechen machen, daß sie sich wehren. Woher sind die Lügen gekommen, daß die Juden Hostien entweihen, Brunnen vergiften, Kinder ermorden? Wer diese erfunden, verbreitet und aufrecht erhalten hat, der erfindet jetzt wieder die feindselige Action der Juden gegen die Kirche und die Hchlerbande. Sie sind so sehr gewohnt, auf den Köhlerglauben der Menschen zu rechnen, daß es ihnen um die Abentheuerlichkeit ihrer neuen Lügen gar nicht bange ist. Jndeß kann uns gerade dies zur Beruhigung dienen; denn in der greulichen Uebertreibung, in dem Uebermaß der Anschuldigung und Schmähung liegt das Heilmittel. Man sieht sich in der Welt um und gewahrt, daß sie doch anders aussieht, als durch die schwarzen Brillen, welche die Schwarzen den Menschen auf die Nasen setzen wollen. Demungeachtet können wie diese Sachlage nur bedauern; denn diese mit so vollen Händen und unaufhörlich ausgestreute Saat des Haffes wird immerhin zu einigem Theile aufgehen und in Halme schießen, ausgestreut an der Donau wie an der Isar, am Rhein wie an der Seine, am Mississippi wie am Missouri. Ja, an der Seine, wo der Syllabus als einziges rechtsgültiges Gesetz laut proclamirt und von maßgebenden Personen offenbar, begünstigt wird, wo bereits Minister, Generäle, Richter und Deputirte sich ohne Scheu zu Verkündern dieses kirchlich fanatischen Codex gemacht haben. Es ist dies um so bedauerlicher, als dieser Kampf jedenfalls für noch lange Zeilen in Aussicht steht. Bon der Donau, 16. Mai. (Privatmitth.) Durch die in Nr. 20 d. Bl. abgedruckte Erklärung des Herrn vr. I. Hildesheimer sehen wir uns zu unserm Leidwesen veranlaßt, auf die in Nr. 18 gemachte Mittheilung noch ein Mal zurückzukommen und folgendes zu constatiren: Zu Anfang dieses Jahres wandte sich an das österreichischungarische Ministerium für Landesvertheidigung der Herr vr. I. Hildesheimer, ehemal. Rabbiner in Eisenstadt und gegenwärtig Director einer, wie Petent sich ausdrückt, orthodoxen Rabbinerschule in Berlin, mit der Bitte, den österreichisch - ungarischen Schülern feiner Rabbinerschule dieselbe Vergünstigung zu gewähren, wie dem Breslauer Rabbinerseminar, hinsichtlich der Befreiung vom Militärdienste. Die Minister für Landesvertheidigung überwiesen das Gesuch den Cultusministerien. 'Nun steht aber der ehemal. Rabbiner von Eisenstadt mit seinem ostentativen Auftreten gegen die Errichtung eines Seminars für Oesterreich- Ungarn in viel zu gutem Andenken, als daß das Cultusministerium seinen Worten so unbedingten Glauben schenken und so ohne Weiteres auf sein Gesuch hätte eingehen können; es ließ durch

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