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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-05-25 · Heft 22 (25.5.1875) · p. Seite 351

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 22 (25.5.1875)
Date
1875-05-25
Page
Seite 351 (sequence 9)
Language
German
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351 jüdischen Gemeinde getragen werden, setzt das Confistorium noch immer in mannichsache Verlegenheit. Das Confistorium schuldet der Stavt noch 1,031,000 Francs. Dafielbe hat sich erboten, sofort 230,000 Francs zu bezahlen und von IS" 6 an jährlich 40,000 Francs. - Wir haben bereits den plötzlichen Tod des berühmten Buchhändlers Michel L»'vy in vor. Nummer erwähnt. (Es fcblich sich daselbst der Jrrthum ein, daß der Verstorbene „in der Pfalz" statt „in Pfalzburg" geboren sei.) Das Hinscheiden dieses Mannes hat die größte Theilnahme in Paris gefunden, und z. B. das Journal de Debüts vom 7. Mai enthält Zuschriften vom Grasen von Paris, von Cavillier Fleury (von der Acad6mie frauraise), in welchen das schmerzliche Mitgefühl und zugleich das hohe Lob des Verewigten ausgesprochen wird. Der letztere sagt unter Anderem: „Er war murhig, tapfer und unermüdlich während seines ganzen Lebens; Alles in ihm war ehrenfest, der Geschäftsmann, der Mann der Welt unv der Familie." Seinem Leichenbegängnisie wohnte ein großer Theil der Pariser Celebritären an; die Großrabbiner Zadcc Kahn und Isidor hielten die Leichenrede. Man rühmt an dem Verstorbenen, daß er mitten in seiner außerordentlichen Geschäftslhätigkeit unv seinem Reichlhum die Anhänglichkeit an seiner väterlichen Religion und deren wesentlichsten Vorschriften treu bewahrte. Spanien. London, im Mai. In einer der jüngsten Versammlungen des Board of Deputies trug Herr M. S. Oppenheim darauf an, die Abschriften aller der Documente zu sammeln, welche sich auf die Wiederzulassung der Israeliten in Spanien nach der Revolution von 1868 beziehen, sowie der Adressen, welche an die seitdem gefolgten spanischen Regierungen gerichtet wurden. Um seinen Antrag zu begründen, constatirte Herr Oppenheim, eaß die gegenwärtige spanische Regierung die Neigung zeige, reactionäre Maßregeln betreffs der Freiheit der Culte einzuführen. Tie Cortes werden sich in Kurzem versammeln; sie werden die Acte der vorhergegangenen Cortes prüfen, annulliren oder verändern, und es ist möglich, daß sie die den Israeliten zugestandenen Rechte. wieder beschränken oder aufheben. Der Antrag wurde angenommen. Wir glauben, daß dieser Antrag correcter und nachdrücklicher gewesen wäre, wenn er sich nicht auf die Dccumente seit 1868 beschränkt, sondern auch auf die vorrngegangene Zeit, also auf die ganze Entwickelung dieser Angelegenheit zurückgegriffen hätte. Wir erinnern, daß der Revacteur dieser Zeitung in den Jahren 1854 und 1855 die Bemühungen um den Wiedereintritt der Juden in Spanien begonnen hat, wozu er sich der Mithülfe des Consistoriums von Bayonne erfreute, daß er damals ein spanisches Memorandum an die damaligen Cortes und die spanische Regierung sandte, welches in Spanien die größte Theilnahme und einen dauernden Wiederhall weckte, die Cortes zu einem ersten Schritte zur Wieverzulaffung der Juden veranlagte und bei den spanischen Liberalen in gutem Andenken verblieb. Das Memorandum stützte sich auch auf die historischen Momente, für welche es auch spanische Original-Schriftsteller anführen konnte. Die Beweisstücke finden sich von Nr. 35 des Jahrgangs 1854 dieser Zeitung an. Es kann nicht gleichgültig sein, ob wir Nachweisen, daß die Bewegung und Maßnahmen zu Gunsten der Inden nicht erst mit der, rem gegenwärtigen spanischen Könige verhaßten Revolution von 1^68, sondern schon vierzehn Jahre ftüher begonnen haben. Es könnte dies noch in dem obenerwähnten Antrag verbessert werden. — . Man telegraphin der „Köln. Zrg.": „Aus officieller spanischer Ouelle verlautet, daß der päpstliche Nuntius in Madrid mir großem Ungestüm die Wiederherstellung der religiösen Einheit in Spanien verlange, die spanische Regierung jedoch fest entschlossen sei, die Freiheit der Culte aufrecht zu erhallen." Australien. Sydney, im Mai. In hiesiger Stadt bestehen bereits drei Synagogen mit fünf Cultusbeamten. Während der vorigen Herbslfeierrage wurden in der Hauplsynagege allein an 2000 L. St. (40.000 Reichsmark, an freiwilligen Gaben gespendet. Asien. Paris, 15. Mai. Die Arch. isr. enthält Folgendes: „Man hat uns ersucht. Folgendes zu veröffentlichen: Jüngst ist Herr Moise Abdallah Geba> aus der Stadl Diarbekir l Kurdistan) in Paris angekommen. Mir großen Opfern hat er diese ungeheure Reise unternommen und zwar um eie Angelegenheit seiner Glaubensgenoffen in diesem Lande gegen die dortige Unterdrückung von Seilen des muselmännischen Fanatismus zu betreiben, unv die einstußreichen Noiabiliräten dieser Hauptstadt für deren Schicksal zu interessiren. Die hauptsächlichsten Klagen, welche die Juden von Diarbekir erheben, sind die folgenden: Die Synagoge, die sie mühsam von ihren Ersparnissen erbauten, ist von ihren Bedrückern zerstört worden. Man reißt die jüdischen Leichen aus ihren Gräbern, haut ihnen die Köpfe ab unv wirft diese in den Fluß. Bei dein Vorüberzug eines jüdischen Leichenbegängnisses wirft man mit Koth auf die Bahre. Man gestaltet ihnen nur gegen hohe Taxen Wasser aus dem Canale zu schöpfen, zu ressen Bau sie bedeutend beigetragen. Auf der Straße werden sie mißhandelt, man reißr ihnen die Haare aus dem Barte u. s. w. Herr Gaba> begab sich zuerst nach Konstantinopel und verblieb daselbst zwei Jahre, ohne mehr zu erhalten, als einen Befehl des Großveziers, der keine Wirkung halte. Nur ein Ferman des Sultans selbst könnte einige gute Folgen haben. Da er einen solchen nicht erlangen konnte, so begab er sich nach Alexandrien, und von da nach Paris, um die Hülse der Alliance anzusprechen. Die Anstrengungen des Herrn Gabai werden ohne Zweifel eine 22

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