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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-05-25 · Heft 22 (25.5.1875) · p. Seite 348

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 22 (25.5.1875)
Date
1875-05-25
Page
Seite 348 (sequence 6)
Language
German
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348 I Das Gebet für den Landesvater wird fortan nicht mehr in hebräischer, sondern in deutscher Sprache vom Rabbiner vorgetragen. II. Hieran wird sich ein besonderes Gebet für Kranke und Wöchnerinnen anreihen. III. Die beiden Jeknm Pnrkan werden fortan nicht gesagt und beginnt der Cantor das Muss» ph-Gebet mit Mischeberach. IV. Das Akdomaus und Je; iw Pisgom werden am Schewuos- Feste fortan nicht mehr recitirt. V. Zum Tal- und Ge sch em-Vortrage soll der Cantor fortan den Kittel nicht mehr anlegen, sondern wie gewöhnlich im Talar vorbeten. VI. Das El Mole Rachmim wird fortan jeden Sonnabend vorgetragen, falls Mitglieder oder deren Angehörige in der nächsten Woche Jahrzeit haben und der Name der Verstorbenen in dem Jahrzeitbuche eingetragen ist." Leipzig, I I. Mai. Bei der heutigen Ersatzwahl eines Reichstagsabgeordneten für den 12. sächsischen Wahlkreis «Stadt Leipzig« fielen auf den Reichsoberhanvelsgerichtsrath, jetzt Professor an der Berliner Universität, Dr. Goldschmidt (Nationalliberal) hierselbst 8203, auf den Appellationsgerichtspräsidenten a. D. von Criegern (Conservativ) 731 und auf den Drechslermeister Bebel (Socialdemokrat- 4018 Stimmen. Ersterer ist somit als gewählt zu betrachten. Die sg. Conservativen, d. h. die reactionären Particularisten, haben alles Mögliche gegen Goldschmidt ausgeboten und glaubten recht besonderes Capital aus dem religiösen Bekenniniß des Candidaten und dem früher in Leipzig so urwüchsigen Judenhaß schlagen zu können. Die Stimmenzahl, die sie erreichten, ist das beste Zeugniß, wie klein der Boden jetzt noch ist, den sie mit ihren verrotteten Tendenzen einnehmen. Köuigöberg, 1. Mai. Heute feiert in Königsberg l»r. Johann Jacoby die Vollendung des 70. Lebensjahres; um ihn zu seinem Geburtstage zu beglückwünschen, reist hierher von Berlin Or. Guido Weiß und wird eine Adrejse überreichen. Die zu Jacoby stehenden Wähler des zweiten Landtags-Wahl-Bezirks und Mitglieder der der früheren „Volkspartei" wollen heute Abend die Geburtstagsfeier festlich begehen. — Wie die „Neue Stett. Zig." hört, werden sich auch Deputationen von Wren, Stuttgart, Cöln und Frankfurt am Main nach Königsberg begeben, wo Jacoby, geistig noch immer frisch, nach wie vor seine ärztliche Praxis ausübt. Jetzt mit den meisten seiner früheren Parteigenossen zerfallen, bleibt gtelchwohl Johann Jacoby's Persönlichkeit Allen lieb und werth, die je mit ihm in nähere Berührung traten, und nie wird man dem berühmten Berfasier der „Vier Fragen" vergeffen, welche Verdienste er durch diese seine erste und beste politische Leistung um das preußische Verfasiungsrecht sich erworben hat. Berlin, 13. Mai. Die national-liberale Fraction des Abgeordnetenhauses hat ihrem Fractionsgenoffen, dem Abgeordneten llr. Laster, folgende Glückwunsch-Adreffe übersandt, die wir hier wiedergeben, um die Achtung und Liebe zu kennzeichnen, die Laster sich bei seinen parlamentarischen College« erworben hat. Hochverehrter Herr College! Sie wissen es zwar, mit welcher Sorge und Betrübniß Ihre schwere Erkrankung alle Baterlandsfreunde, vor Allem Ihre nähreren politischen Freunde erfüllte, mit welcher Freude sie die Nachrichten über Ihre fortschreitende Genesung empfingen. Jetzt, wo Ihr Gesundheitszustand es gestattet, ist es uns ein wahres Herzensbedürfniß, dem lieben Fractionsgenoffen dies auch auszusprechen und ihm einen warmen Freundesgruß zu senden. Wir hoffen, daß Ihre Gesundheit und volle Geisteskraft bald ganz wieder hergestellt sein werden, bitten aber auch, daß Sie Sich eine gründliche Erholung gönnen möchten. So schmerzlich wir gerade in dieser Session Ihre Leitung und Mitwirkung entbehrt haben, so dringend ist es doch der Wunsch aller Ihrer Freunde, daß Sie Sich in Zukunft mehr schonen wollen, damit dem Baterlande und der Entwickelung des parlamentarischen Lebens Ihre hohen Geistesgaben, Ihre edle patriotische Mitarbeit an der Begründung deutscher Einheit und Freiheit aus lange Jahre hin erhalten werden. Unsere besten Wünsche begleiten Sie in die Ferne. Möge es uns vergönnt sein, Ihnen in voller Kraft und Frische im nächsten Herbst in Berlin ein herzliches Willkommen zuzurufen. Aus Frankfurt am Main schreibt man vom 12. Mai: „Unsre Blätter bringen heute einen mit zahlreichen Unterschriften bedeckten Aufruf zur Absendung einer Adreffe an den Abgeordneten Lasker. In der Adresse wird zunächst die Beftiedigung über die Wiedergenesung Lasker's ausgesprochen, und dann, über« gehend auf die Politik, die Nothwenvigkeit des Ausharrens in dem kirchenpolitischen Kampfe, sowie die Pflicht des Staates be. tont, sich durch diesen Kampf nicht auf der Bahn des Fortschritts und cer freiheitlichen Entwickelung der StaatseinrichMngen beirren oder aufhalten zu laffen. Das Schriftstück, dessen erstes Blatt ein namhafter hiesiger Künstler ausführt, wie denn überhaupt die ganze Ausstattung eine würdige sein soll, schließt mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß es dem Adressaten bald gestattet sein möge, seine parlamentarische Thätigkeit wieder aufzunehmen. Form und Inhalt der Adresse, deren Unterzeichner Besitz und Intelligenz repräfentiren, sind so gehalten, daß sich Mitglieder aller Parteien an der Unterschrift betheiligen können, die Ultramontanen selbstverständlich ausgenommen." —. Wir berichteten bereits, daß durch Erlaß des CultusnunlsteriumS in den Statuten der Universitär Breslau zwei, die Juden berührenden Veränderungen vorgenommen worden sind. Der Wortlaut des Rescripts ist folgender: Berlin, den 31. December 1874. Nachdem durch meinen Erlaß vom 24. März d. I. (U. I. 1335.) das in dem Reglement der dortigen juristischen Facultät vom 13. September 1840 für die Habilitation als Privatdocent aufgestellte Erforderniß christl. Confession des Bewerbers beseitigt

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