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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-05-25 · Heft 22 (25.5.1875) · p. Seite 347

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 22 (25.5.1875)
Date
1875-05-25
Page
Seite 347 (sequence 5)
Language
German
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347 1 Gymnasiasten) in Beträgen von 50, 35, 25, 20 und 10 fl. zu unterstützen. Die Zahl der israelitischen Studirenden, welche die Universität, das Polytechnikum, die Akademie der Künste u. s. w. besuchen, ist in stetiger und erfreulicher Zunahme begriffen. Ein bedeutender Bruchtheil der studirenden Jugend hat mit der Roth des Lebens zu kämpfen und mancher talentvolle und strebsame Jüngling müßte ohne die wirksame Unterstützung des Vereines verkümmern oder gänzlich dem Studium entsagen. Je zahlreichere Mitglieder nun dem Vereine beitreten, je reichere Spenden und Schenkungen demselben zufließen, desto kräftiger wird derselbe einzugreifen im Stande sein. Unbemittelte, strebsame Jünglinge der Wiffenschast den idealen Bestrebungen zuzuführen und denselben während ihrer langen und oft dornenvollen Studienzeit die drückendsten Sorgen atzunehmen, ist die vorzüglichste Aufgabe unseres Vereines, eine Aufgabe, an deren Lösung sich alle bildungsfreundlichen und warmherzigen Mitglieder unserer Gemeinde sicherlich gern und eifrig betheiligen werden. Die Einnahmen betrugen in den acht Monaten ohne die noch einzuziehenden festen Beiträge 2282 fl., von welchen 175 fl. in Caffr blieben. Das Vermögen des Vereins übersteigt bereits 12,000 fl. Thorn, im Mai. lPrivatmitlh.) Es ist schon wiederholt in diesem Blatte die treffliche Verwaltung der hiesigen jüdischen Gemeinde rühmend hervorgehoben worden, und wir finden dieses Lob auch in dem eben veröffentlichten Jahresbericht des Vorstandes für das Jahr 1874 bestätigt. Alle Gemeindeanstallen befinden sich in blühendem Zustande und der Gemeinsinn der Mitglieder bethätigt sich immersort in diesem Bewußtsein, Nützliches zu schaffen. Wir heben aus diesem ausführlichen Berichte von 32 Druckseiten diejenigen Stellen hervor, welche von allgemeinem Interesse sind. Es heißt da: „Außer den in den folgenden Abschnitten enthaltenen Mittheilungen und zum Theil zur Erklärung mancher darin vorgetragenen Resultate wollen wir hier eine Bemerkung über den Stand und die Bewegung in den jüdischen Gemeinden und der unsrigen insbesondere aussprechen. Es zeigt sich unter unseren Glaubensgenoffen seit längerer Zeit das Bestreben von kleineren in größere Orte überzusiedeln. Die Gründe dieser Bewegung zu erörtern, gehört nicht hierher, aber die Thatsache fühlen wir uns veranlaßt, auch aus den in unserer Gemeinde gemachten Erfahrungen zu bestätigen. Wenn trotz dieser seil mehreren Jahren eingetretenen Beweglichkeit und der auch von hier aus erfolgten Umzüge von früheren Angehörigen unserer Gemeinde nach größeren Städten doch weder die Zahl, noch die Leistungsfähigkeit unserer Gemeinde abgenommen hat, so findet dies genügende Erklärung darin, daß die durch Abzug verminderte Zahl bisher stelS ausreichenden Ersatz durch Zuzug aus anderen kleinen Gemeinden und vom Lande gesunden hat." — lieber die Unterstützung der durchreisenden Armen heißt es: „Der Verein gegen Hausbettelei hat sich bestrebt die Fremden, namentlich aus Polen und Rußland herkommenden, professionirlen Wanderbettler, welche die Anstellung von Bettelreisen gewissermaßen zu ihrem Lebensberus gemacht haben, dadurch von unserer Gemeinde fern zu halten, daß ihnen nur sehr kleine Unterstützungen gewahrt wurden. Wenn trotzdem, wie aus Abschn. IX.. I). hervorgeht, die Zahl der unterstützten Personen, welche 1873 sich aus 87 belief, im Jahre 1874 auf 1 l io gewachsen, und der Gesammtberrag der gewährten Unterstützungen von 007 Thlr. 15 Sgr., die 1873 dafür verwendet wurden, 187 4 aus 810 Thlr. 10 Sgr. gestiegen ist, so erklärt sich die Zunahme theils dadurch, daß der Verein im letzten Jahre auch hiesige Arme unterstützt hat, theils aus der Vermehrung des Zuzuges von fremden Armen, welche in Folge der neueröffneten Eisenbahnen aus fremden Gegenden, namentlich aus rem Innern von Rußland eingetrelen ist. .Wir können es mit Genugthuung aussprechen, daß der Verein sich als sehr zweckmäßig und heilsam bewährt hat; sehen uns aber auch diesmal veranlaßt, die Bitte an unsere Gemeinde- Mitglieder nicht zu unterdrücken, vielmehr recht dringend auszusprechcn, daß dieselben keinem Benker ein Almosen verabreichen mögen, sondern die Ansprechenden an die betreffenden Vereine verweisen. Sowohl der Verein gegen Hausbettelei als das Centralcomitt; sind im Besitz der nöthigen Mittel und bestreben sich auch ernstlich und gewissenhaft, alle an sie heranlrelenden Fälle zu prüfen und überall, wo es nölhig, Hülse zu leisten. Hieran knüpfen wir die weitere Bitte an die Mitglieder unserer Gemeinde, alle Privatcollecten abzuweisen." Diese Zunahme der Bettler aus Rußland und ihr wachsendes Einströmen auf neuerösfnetcn Bahnen verdient die öffentliche Aufmerksamkeit in hohem Grate. Wenn unsre deutschen Glaubensgenoffen nicht in allen Gemeinden ras nun bereits in einer größern Zahl derselben angenommene System einsühren, nach welchem die Bettler mit einer knapp zugemeffenen Quote aus der Vereinscaffe versehen, in den Häusern aber durchaus keine Unterstützung erhalten: so werden sie die traurigen Folgen schwer empfinden. Denn dieses System bewirkt nicht allein, daß eine möglichst geringe Summe aus den Mitteln der Juden auf diesen alten Krebsschaden absorbirt, sondern auch, daß die Bettelei in Deutschland so wenig nutzbringend wird, daß die Bettler froh sind, wenn sie durchpassirl sind, und am wenigsten dauernd immer wiederholte Rundreisen in Deutschland machen. Schließlich werden dann diejenigen Gemeinden des längern Aufenthalts und wiederholten Besuches seitens dieser Landplage gewürdigt werden, welche dieses System vernachlässigen. — Aus dem gottesdienstlichen r/eben der Gemeinte wollen wir folgende Stelle aus dem Jahresbericht geben: „In der Gebelsorrnung hat der Vorstand im Verein mit den Repräsentanten einige Aenderungen beschlossen, die von „Sabbath Ehanukah" an in Kraft getreten sind, und zwar:

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