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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-05-25 · Heft 22 (25.5.1875) · p. Seite 346

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 22 (25.5.1875)
Date
1875-05-25
Page
Seite 346 (sequence 4)
Language
German
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346 stimmen: nach Moses war Alles, was Stoff der Gesetzgebung und Politik ist, Gegenstand des Wiffens, nicht der Meinung. Die gesetzgebende Gewalt gehörte nur der höchsten Vernunft an, welche die Israeliten in Gott verehrten; folglich mußte jedes Gesetz, um heilig zu sein, einen Charakter der Nothwendigkeit tragen; die ganze Rechtswisienschaft bestand in einer einfachen Auseinandersetzung von Principien, deren Kenntniß nicht das Vorrecht von Personen war. Einer officiellen Persönlichkeit das Be:o oder die Sancnon beilegen, wäre Moses als der Gipfel des Lächerlichen und der Tyrannei erschienen. Gerechtigkeit und Gesetzmäßigkeit sind zwei Dinge, die von unsrer Zustimmung so unabhängig sind, wie die mathematische Wahrheit: um verbindlich zu sein, genügt es, daß sie bekannt seien. Aber wenn Moses das Volk nicht als Souverän anerkannte, um Gesetze zu machen, so bildete hingegen das versammelte Volk die ausübende Macht. Diesem in seinen Familien und Stämmen versammelten Volke war die Sorge anvertraut, über die Beobachtung des Gesetzes zu wachen; deshalb sollte es sich am siebenten Tage versammeln: nur das Volk sollte das Recht haben, das Volk zu zwingen, weil es allein es vertheidigen kann." — Pr. ergeht sich nun in dem Vergleich zwischen diesem Sabbath und der heutigen Sonntagsfeier, die nur noch ein Zerrbild jenes wäre, höchstens auf dem Lande noch einige Aehnlichkeit besitze. Er proclamirt alsdann den Grundsatz der Einheit der Religion und der Politik, die auch wir seit langer Zeit als die Basis des Mosaismus immer bezeichnet haben, unter Politik alle gesellschaftlichen Zustände verstehend. Er beleuchtet die Spaltung beider, die im Cbristenthume verging und welche den getrennten Bestand von Staat und Kirche und die gegenseitige Bekämpfung hervorrief. Er kommt hierauf später nochmals zurück. (Fortsetzung folgt.) Deutschland. Augöburg, 10. Mai. (Privatmittheilung.) Wir haben heute über das Hinscheiden eines sowohl durch seine Gelehrsamkeit, wie durch seinen Charakter und seine Wirksamkeit ehrwürdigen Greises, des Rabbiners H. Schwarz zu Hürben zu berichten: Herr H. Schwarz war geboren im Jahre 1800 zu Floß in der Oberpfalz, Nachdem er seine Studien in Würzburg vollendet hatte, trat er seine erste und einzige Stelle als Rabbiner in Hürben an, woselbst er nun seit 48 Jahren segensreich wirkte. Dieser würdige Seelsorger hat besonders vorzügliche Resultate in seiner Eigenschaft als tüchtiger Schulmann erzielt; früh und spät war er thatig in der Schule und in seinem Hause, so daß mit Recht von ihm gesagt werden kann: „Er stellte viele Schüler aus." Vergangenen Montag nun, den 4. Mai, wurde er in die ewige Heimath abberufen, nachdem ihm vor 6 Jahren seine Gattin, vor wenigen Monaten erst sein einziger, allverehrter Sohn, der sel. Dr. Jsr. Schwarz, Rabbiner zu Cöln, vorangegangen waren. Dieser herbe Schlag, der den alten Vater so schmerzlich getroffen, mag wohl das Herannahen seiner Todesstunde beschleunigt haben. Dienstag Nachmittags 5 Uhr wurde die theure Leiche zu Grabe geleitet, nicht nur von den sämmtlichen Mitgliedern seiner Gemeinde, sondern auch von Deputationen der politischen Gemeinden Hürben und Krumbach und von den Königl. Beamten des Bezirksamtes und Landgerichtes. Ein stattlicher Zug ging hinter dem, vor Kurzem auf Veranlaffung des Verlebten, neu erbauten, prächtigen Leichenwagens, in schönster Ordnung einher. Auf dem Gottesacker angelangt, hielt Herr l)r. Cohn aus Jchenhausen in schwungvollen Worten die Leichenrede. Nach ihm sprach Herr Rabbiner Bamberger aus Fischach, in pietäwoller Weise den Text einem, vom Verstorbenen vor einiger Zeit herausgegebenen Werke cr-rr rr*vrjt betitelt, entnehmend. Hierauf verlas Herr Gumperts, ein Mitglied des Sterbevereines Hürben, auf speciellen Wunsch des nun Verblichenen, rührende, trostvolle und ermahnende Abschiedsworte, die dieser selbst vor einigen Wochen, als er das Todesnahen fühlte, an seine Gemeinde gerichtet hatte. Ich kann wohl sagen, daß kein Auge trocken blieb bei Verlesung dieser Worte, welche so recht Zeugniß davon ablegen, daß ein Vater gestorben fei. reffen Verlust die Gemeinde Hürben schmerzlich empfinde. L. K. München, im Mai. (Privrtmitth.) Der hier seit langer Zeit bestehende „Handwerker- und Ackerbauverein für Israeliten in Bayern" war seit Jahren in kränkelndem Zustande, bis am Anfang des vorigen Jahres ein Umwandlung der Statuten vorgenommen wurde und am l. Mai ein „Studien- und Arbeits- Beförderungsverein" daraus hervorging, der seinen wesentlichen Zweck in der Unterstützung von Studirenden an der hiesigen Universum, dem Polytechnikum und rer Akademie der Künste findet. Nachdem der Verein vom 1. Mai bis zum ZI. Decbr. gewirkt hat, veröffentlich: der Verwaltungsrath einen Bericht, aus welchem wir folgende Stelle hervorheben: Der Verein hat in den wenigen Monaten seines Bestehens bereits Gelegenheit gehabt, 25 Studirende der verschiedensten Kategorien lund zwar 12 Studirende an der kgl. Universität, 8 Polytechniker, 3 Eleven der Akademie der Künste, 1 Lehrer,

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