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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-05-18 · Heft 21 (18.5.1875) · p. Seite 333

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 21 (18.5.1875)
Date
1875-05-18
Page
Seite 333 (sequence 7)
Language
German
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Schwedt, 7. Mai. (Privalmilth.) In Nr. 19 berichtet ein Artikel aus Friedeberg kurz über die Schmährede, welche ein Herrv. Wedemeyer im landwirthschaftlichen Vereine des Kreises Friedeberg gehalten. Der tugendhafte Junker motivirre feine Judenhetze damit, „er meine nicht die Israeliten, sondern Halsabschneider, Wucherer, überhaupt alle Geldmenschen, welche Reichthumer erwürben, ohne sich ein Gewissen daraus zu machen, wodurch, nur diese, gleichviel, ob sie beschnitten oder unbeschninen!" Als er so die unbeschnittenen Halsabschneider mir unier die von ihm geschmähten Juten zählte, muß er dies unbewußt aus dem eigenen Gewissen heraus gelhan haben. Tenn die „Dstd. Ztg." und nach ihr die „Oderzeilg." erzählen etwas Genaueres über diesen Herrn v. Wedemeyer, wie er. als er das Gut Wohnitz zu kaufen beabsichtigte, die Hypotheken zu r>o Prceent anzukaufen sich bemühte, was ihm auch gelang; wie er nicht nur bäuerliche Wirthschaften, sondern auch Ausgedinger-Amhette ankausre, ein Geschäft, welches mit solcher Uneigennützigkeir betrieben wurde, Laß später von einem Ausgedinger die öffentliche Wohlthärigkeit beansprucht wurde. Auch hat Herr v. W. an rer Börse speculirt und verloren! lline ilU> lacryiuao! Dels, 3. Mai. (Privalmilth.» Es ist roch eigenihümlich! Während, wie die jüngste Nummer Ihres geschätzten Blattes berichtet, in Dresden, dem deutschen Florenz, jüdische Kinder — eben als solche — aus einer christlichen Lehranstalt gewiesen werden sollen, ist hier, kurz vor dem begonnenen Schuljahre, unser Prediger, Herr I)r. Cohn, als Lehrer der englischen Sprache für die erste Claffe der hiesigen höhern Töchterschule angestellt worden. Diese Anstalt, an welcher nunmehr zwei Geistliche, vier Gymnasial- und drei Elemcntarlehrer, sowie mehrere Lehrerinnen Unterricht ertheilen, wird u. a. von vielen adligen Schülerinnen besucht. Hier also zieht man einen jüdischen Theologen als Lehrer heran, und um dieselbe Zeit sollten in der vorerwähnten deutschen Großstadt jüdische Kinder um ihres religiösen Bekenntnisses willen genöihigt sein, obgedachte Schule zu verlassen? Hannover, 2. Mai. lPrivatm.) Wie aus der Schwurgerichtsstatistik für die Provinz Hannover zu ersehen ist, belief sich im vorigen Jahre die Zahl der Angeklagten auf 235, darunter 216 Evangelische, 17 Katholiken und 2 Dissidenten, aber kein Jude. Inmitten unserer sonst so ruhigen Gemeinde hat in der letzten Zeit in Folge des vom Vorstände und dem Repräsentantencollegium gefaßten Beschlusses, ein neues, auf mehr als 60,000 Mark veranschlagtes Gebäude für die hiesige Religionsschule zu errichten, eine große Aufregung ftaltgefunden und, abgesehen von der heftigen Polemik, welche in Beziehung auf diese Angelegenheit in hiesigen Lccalbläitern eine geraume Zeit hindurch geführt worden ist, haben etwa l30 Gemeindemitglieder an den Vorstand eine Petition gerichtet, in welcher sie diesen ersuchten, entweder den gefaßten Beschluß wieder rückgängig zu machen oder, falls dies nicht genehm wäre, eine Gemeindeversammlung zu berufen, um die Ansichten der Gemeinde über den projectirten Bau, durch welchen, wie behauptet wurde, die einzelnen Mitglieder zu sehr belastet werden würden. zu cvnstaliren. Tie gewünschte Versammlung hat hieraus auch startgesunten, allein die Gegner des Baues, welche sich weder vollständig eingefunden noch, nachdem eine namentliche Abstimmung beantragt worden war, den Much hatten, sich offen als solche zu erklären, blieben in der Minorität, so daß nunmehr der Bau dennoch ausgeführt werden wird und auch bereits in Angriff genommen worden ist. Hoffentlich wird dieser Zwischenfall für den so wünschenswerrhen Frieden in der Gemeinde ohne Nachtheil für die Zukunft bleiben. Unlängst hat sich hier in einer gerate nicht sehr zahlreich besuchten Versammlung ein Verein zum Bau eines israelitischen Krankenhauses nebst einer Alterversorgungsanstalt constiluirt und wurden die Sraluien provisorisch seftgestelll unv ein aus Mitgliedern bestehender Borstand gewählt, dem es zunächst obliegt, die erforderlichen Mittel zum Bau herbeizuschassen und das Interesse für das neue Unternehmen anzuregen und wach zu Hallen. Bevor indeß zur Ausführung des löblichen Planes wird geschritten werden können, dürfte noch gar manches Jahr verstreichen, da die Errichtung und Unterhaltung der beabsichtigten Anstalt bekanntlich große Summen erfordert und augenblicklich der Verein erst über ein Eapital von etwas mehr als I6,ooo Mark verfügt , zu welchem Herr Banquier Albert Cvyen allein die ansehnliche Summe von UOüo Mark beigcsteuert und zugleich erklärt hat, daß aus seiner Familie zu gedachtem Zwecke 30,000 Mark hergegeben werden solle. In der an der hiesigen Bildnugsanstalt für jüdische Lehrer vor Pessach abzehaltenen Abgangsprüsunz haben fünf Abilurienlen, welche den Eursus der Anstalt absolvirr hatten, die Prüfung bestanden. Bis jetzt ist eine zweite Prüfung von den jüdischen Lehrern der Provinz Hannover noch nicht gefordert worden; es steht aber zu vermurhen, daß kiese Einrichtung auch hier bald ins Leben treten wird, da den betreffenden Lehrern Schwierigkeiten gemacht werden, sobald sie Anstellung in den alten Provinzen suchen. Ter vor Kurzem hier verstorbene Rentier Gerson Meyer hatte testamentarisch verfügt, daß an dem Tage seiner Beerdigung 1-200 Mark unter die jüdischen unv eine gleiche Summe unter die christlichen Armen hierselbst vertheill und außerdem rem hiesigen jüdischen Wohlrhärigkeirsvereine ein Legat von oo«> Mark ausgezahlt werden sollte. Ebenso ist von der Willwe ces gleichfalls jüngst Hierselbst verstorbenen Rentiers Rosenbanm der Hiesigen israelitischen Gemeinde ein Legal von 3000 Mark zugeslelll worden. In Harburg har der dortige Bürgerrorfteher I. Lcvy der Stadt ein Capital von 6OOO Mark bedingslcs zu dem Zwecke überwiesen, von den Zinsen armen unheilbaren Kranken eine bessere Berpslegung zu gewähren und namentlich die »dosten derselben in dem Siechenhause zu bestreiten.

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