Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 21 (18.5.1875)
- Date
- 1875-05-18
- Page
- Seite 332 (sequence 6)
- Language
- German
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332 wird man uns zugestehen — Woche für Woche ausspricht, „plaudert nicht aus", sondern giebt vor der ganzen Welt, wenn diese sie liest, ihre Ansichten, die auf einem sesten Standpunkte, dem der innerlichsten Aufsasiung des Judenthums beruht, kund. Wenn diese bisweilen nicht mit den Meinungen andrer Juden übereinstimmt, so geht daraus eben nur diese Berschiedenheit hervor, durchaus falsch — um ein stärkeres Wort nicht zu gebrauchen — ist es aber, daraus zu insinuiren, daß die Juden „im Familienkreise" andere Ansichten haben, als sie der Welt gegenüber aussprechen. Vielleicht caß die Parteiführer der „Kreuz- Zeitung" solches Manoeuvre aus ihrem Schooße kennen. Wir sind unabhängig und selbstständig. Andere Juden sind ries ebenfalls, und ordnen sich uns gerade so wenig unter, wie wir ihnen. Es ist immer dasielbe Spiel, die Juden als ein engverbundene Eoterie hinzustellen, um sie — mit einem Male zu verschlingen, was jedoch niemals gelingt. Göttingc«, -4. Mai. Heute ist hier Profesior Heinrich Ewald igeb. 16. Rov. 1S(>3) verstorben. Seine Verdienste um die hebräische Grammatik und die Exegese der h. Schrift, namentlich durch seine Uebersetzung und Eommentirung der prophetischen und poetischen Bücher, sowie um die Geschichte des Volkes Israel! Bevölkerung vor weiteren Eonsequenzen abschrecken wird, läßt sich letzteren Punkte mannichfachen Widerspruch finden. Aber wenn es einer Anstalt, welche mehr auf die Ausbildung der jüdischen Wisienschast als solcher hinneigt, allerdings zuträglicher ist, der Einrichtung einer Universiiätsfaculiät nahezukommen, so steht es anders um ein Institut, bei welchem das praktische Moment verwiegen soll. Aber wie dem auch sei, eine Talmudgröße muß das Breslauer Seminar haben, um Bestand zu behalten, wenn auch der Betreffende noch nicht viel für die Literatur geleistet hätte; wie denn auch Herr llr. Levy an der Berliner Hochschule ein ausgezeichneter Talmudist ist, ohne bis jetzt literarisch hervorgetreten zu sein. Wir brauchen wohl nicht erst zu versichern daß diese Zeilen nicht aus Lust am Widerspruche, sondern aus dem reinen Jnteresic für die gedachte Anstalt geschrieben sind. Aus der bayerschen Pfalz, im Mai. Für das gewerbreiche und confefsionell sehr gemischte Grünstadt in der Pfalz hat sich das Cusiusministerium in München doch endlich herbeilaffen müffen, die Anstellung eines israelitischen Lehrers an der dortigen Eommunalschule zu genehmigen, aber freilich mit der Bemerkung: „Ausnahmsweise und ohne jede Consequenz für andere Fälle." Wie wenig jedoch diese Elausel die pfälzische legen uns die Berpstichtung auf, auch an dieser Stelle feines! Hinscheidens theilnehmcnd zu gedenken. Wenn er auch in seinen letzten Lebensjahren durch hartnäckiges Festhalten eigenthümlicher Ansichten und mancherlei Unklarheit seinem Ansehn bei cen Zeitgenoffen geschadet hat, so sichern ihm doch seine früheren größeren Arbeiten ein dauerndes uns ehrenvolles Gedächlniß. Bon der Tder, im Mai. iPrivatmitth.) Eine jüdische Zeitschrift brachte vor Kurzem über die Wiecerbesetzung res Directorats im Rabbinerseminar zu Breslau einen Artikel, der sich den Anschein gab, als ob er die Ansicht aller Schüler res unvergeßlichen Frankel's zum Ausdruck' bringe. Dies ist nicht der Fall, und wir können im Namen einiger anderer Schüler, die nicht minder einen Anspruch auf diesen Titel haben, versichern, daß sie über Liese Bacan; eine ganz andere Meinung hegen. Wir glauben, daß rem Seminar vor Allem ein tüchtiger Talmudlehrer unentbehrlich ist, ein strikter Lehrer des Talmuds und des Rabbinismus, um wirkliche Rabbiner ansznbilren und den Gemeinden Vertrauen ans die in der Anstalt ausgebildeten Rabbiner einzuflößen. Bei allen ihren bedeutenden Verdiensten nnv ancerweiten Vorzügen, vermögen ries die jetzigen Lehrer des aus der Kritik entnehmen, der man diese ministerielle Verfügung öffentlich unterwirft. Konnte Herr v. Lutz durch Landtagsmitglieder zu dieser Concession genöthigt werden, werden sich bei neuen Veranlassungen auch noch andere erwirken lasten. Die halben Maßregeln und unklaren Zustande geben fortwährend zu neuen Agitationen Anlaß. Das hier besprochene Rescript des bayer. Cultusministers ist vom 1l. April datirt und lautet wie folgt: „Aus Anlaß einer neuerlich an die Kammer der Abgeordneten gerichteten und von dort an-das unterferrigre kgl. Staatsministerium gelangten Vorstellung des Gemeinderaths von Grünsiavt im bezeichneten Betreff wird in Anbetracht der dort bestehenden Verhältnisse und namentlich in Berücksichtigung des Umstandes, daß die Errichtung der Eommunalschule in Grünstadt schon vor der allerhöchsten Verordnung vom 20. August 1873 aus Grund des Ministerial- Erlasses vom 27. Mär; 1869 erfolgte und wesentlich nur durch Auflösung der dort bestandenen Judenschule und die Uebernahme res israelitischen Lehrers zur neuen Eommunalschule zu Stande kam, ausnahmsweise und ohne jede Consequenz für andere Falle gestattet, daß die durch den Tod dieses israelitischen Lehrers cr- Seminars nickt zu leisten. Uns scheint cs hierbei durchaus nickt Uerigre Lehrersielle der 1. Elaste der genannten Eommunalschule nothwenrig, daß dieser Mann, wie es bei rem sel. Frankel der! wieder mit einem Israeliten, der die vorschriftsmäßigen Vorbe- Fall war, zugleich Rassische Gelehrsamkeit besitze, wenn er ringungen für die Anstellung im Volksschullehrerfach erfüllt hat, nur classisch und wiffenschaftlich gebildet ist. Auch sind wir besetzt werde." der Meinung, daß, wie einmal das Seminar organisirt ist, nickt' Wir können hieraus nur den Schluß ziehen, daß die jüd. ein Turnus im Directorat zuträglich wäre, sondern ihm ein wirk- Gemeinden, bevor sie ihre „Judenschule", wie es dem bayerischen sicher und bleibender Director nothwenrig ist, um bei aller Ver° EulruSministcrium zu sagen beliebt, ausgeben und in eine Comschiecenhcit der Lehrer doch einen gewissen cinheillichen Charakter mnnalschule willigen, sich vorsehen, um die gerechte Bedingung und Geist dem Seminar zu erhalten. Wir wissen, daß wir im seftzustellen, daß auch jüd. Lehrer angestellt werden. Red act.)