Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 21 (18.5.1875)
- Date
- 1875-05-18
- Page
- Seite 330 (sequence 4)
- Language
- German
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330 im Besitz aller Reichthümer, aller Industrie und alles Handels, und fragt man ihn nach Beweisen, so weiß er in der That nichts weiter vorzubringen, als — die österreichische Südbahn und die Minen von Brasilien, wozu er es leicht hat, ein „:c. rc." hinzuzufügen. Das ist in der That eine rumänische Beweisführung, mit der sich kein vernünftiger Mensch, der die Wahrheit nicht blos platonisch, sonvern reell liebt, zufrieden geben wird; noch dazu, da wir die Besitzer der Minen in Brasilien nicht einmal kennen, was vielen Anderen wohl auch so gehen wird. — Es versteht sich nun von selbst, daß der Turko-Romane die Gleichstellung der Juden für die verderblichste Thar der abscheulichen Gesetzgeber der neueren Zeit erklärt. Denn — hier ist es nun, wo sich am meisten Unkenntniß und Lügen vereinigen — dadurch gelang es den Juden, sich aller Herrschaft zu bemächtigen. „Die Diplomatie ist angefüllt mit Juden" — gerade in der gesammten Diplomatie Europa's ist kaum der eine oder der andere Jude zu finden. In allen europäischen gesetzgebenden Versammlungen sind „die einflußreichsten Mitglieder" Juden — jeder, der die geringste Sachkenntnis hat, oder nur täglich seine Zeitung liest, weiß, wie sehr übertrieben dies ist, und Osman Beh ist in den vier Namen, die er zu nennen weiß, sehr unglücklich, denn neben D'Jsraeli nennt er — den Lord der Admiralität Göschen und neben Lasker — „den schlauen Arnim", er meint Gras Arnim'.!'. Glücklicher Weise scheint er auf dem Gebiete der Wissenschaft und Kunst gar nicht zu Hause zu sein, sonst hätte er sicherlich alle europäischen Prosefforencollegien zu Juden gemacht. Eines nur sieht der „schlaue" Beh nicht, wie ihm auf diese Weise unter der Hand die Juden zu geistigen Riesen und alle Völker zu Zwergen werden, da diese in ihrer Gesammtheit nicht so viel Intelligenz besitzen, um der Handvoll Juden das Gleichgewicht zu halten. Dies ist der Fluch für diejenigen, welche in ungerechter, ja, in gehässiger Absicht sich schrankenloser Uebertreibung hingeben, und dieser Fluch wird zum Fluche der Lächerlichkeit. Wohin steuert nun endlich der Versasier? Was ist sein eigentliches Endziel? Das Haus Rothschild und die Alliance israelite universelle, in dem einen sieht er die Verkörperung der jüdischen Geldmacht, in der anderen die Verkörperung der jüd. Geheimbündelei. Aber wie sehr hat er hiermit sein Ziel verfehlt! Was bedeutet dem Judenthum und den Juden das Haus Rothschild? Die Glieder dieser Familie haben bis jetzt eine treue Anhänglichkeit an ihrer väterlichen Religion erwiesen. Und dies ist gerade bei den Finanzmännern sehr löblich, weil nicht häufig. Sie haben auch Krankenhäuser in Paris, Frankfurt, Wien und Jerusalem gegründet. Gewiß auch sehr löblich, wenn auch nach den Verhältniffen dieses Hauses von keiner Bedeutung. Dies ist aber auch Alles. Das Haus Rothschild ist niemals für die Rechte, ja nur für die Bertheidigung der Juden eingetreten und hat mit Spanien, Oesterreich und dem Kirchenstaate seine Geschäfte gemacht, als jenes noch die Juden verbannt hielt, und die beiden anderen sie als Parias behandelten. Niemals war das Haus Rothschild der Mittelpunkt für irgend ein jüdisches Bestreben, und die Entwickelung der jüdischen Bilvung und Wissenschaft hat diesem Hause weder in orthodoxer noch in reformistischer Richtung auch nur das Geringste zu verdanken. Dieses Haus also als an der Spitze der Judenheit stehend anzusehen, oder ihm nur eine besondere Bedeutung für diese zuzusprechen, kann nur dem Unwiffenven einfallen, und hat unser Major fein ganzes mühsam durchgeführtes System für eitlen Dunst verwendet. Nicht anders geht es ihm mit der Alliance. Abgesehen davon, daß dieser hochachtbare Verein nur einen Culturzweck hat, und in politischer Beziehung aufs Strengste sich lediglich daran hält, verfolgte Juden möglichst zu schützen, was ihm jedoch in Rumänien, Persien und Marokko in sehr schwachem Maße gelingt, zählt dieser Verein nicht mehr als 18,000 Mitglieder, von denen etwa 6000 gestrichen werden müßten, weil sie ihre Beiträge nicht zahlen. Auch hier also arbeitet sich der Verfasser nur ein Fantom zusammen, das vor dem ersten Lichtstrahl der Wahrheit verschwindet. Hiermit verlassen wir den Major Osman Bey. Mag er sich ferner von dem Alp einer Eroberung der Welt durch die Juden bedrückt fühlen, und aus seinem schweren Traume ganze Broschüren seufzen und stöhnen — haben wir ihn durch obige Zeilen nicht daraus zu wecken vermocht, so können wir ihm nicht weiter helfen. Wir haben an ihm die ganze Weisheit der Judenfeinde vom volkswirthschaftlichen Genre gezeigt. Wenn Victor Jst6czy jüngst im ungarischen Abgeordnetenhause seine Ideen als „neue" verkündet, so kann er hier sehen, daß er sich geirrt, daß er in dem Major Osman Bey einen Vorgänger gehabt, der, statt seine „neuen" Ideen auf ein Land wie Ungarn zu localisiren, sie auf die ganze Welt und durch die ganze Geschichte ausgedehnt hat. An sich sind diese Ideen nicht neu, sondern bereits im zweiten Jahrzehnt unsres Jahrhunderts und zwar von zwei deusschen Universitätsprofessoren vorgettagen worden; neu ist nur die methodische Durchführung von Abraham an, und hierin gerade haben sich diese neuen Ideen noch einmal gründlich lächerlich gemacht. 2bettiui^| 6itoccßtxcßteii. Deutschland. Leipzig, 5. Mai. (Privatmitth.) Wir können nicht ohne ein Wort tiefer Theilnahme das Hinscheiden des Herrn l)r. phil. Hermann Lotze, das in diesen Tagen erfolgte, vorübergehen lassen, vr. Lotze war von 1865 bis 1872, also acht Jahre, der Corrector dieser Zeitung, und, weil das damalige sächsische