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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-05-11 · Heft 20 (11.5.1875) · p. Seite 319

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 20 (11.5.1875)
Date
1875-05-11
Page
Seite 319 (sequence 9)
Language
German
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319 Australien. Neuseeland. Am 21. Juli fand zu Omava die Wahl eines Maires statt. Einer der Candidaten war unser Glaubensgenosse, Herr Samuel Schrimski; er hatte als Concurrenten H. Sumpter, einen Mann von großem Rufe, Parlamenlsmilgliev, Magistrats- Mitglied, Capitan der Freiwilligen rc. :c. Ungeachtet der hohen Stellung dieses letzteren ist Herr Schrimski mit großer Majorität gewählt worden. Unser Glaubensgenosse hat 246 Stimmen, fein Gegencandidat 161 Stimmen erhalten. Herr Schrimski erinnerte in seiner Rede an seine Wähler, daß er in eine sehr precäre Stellung in Neuseeland eiugetteten sei. Der neue Maire ist einer von den Gründern des städtischen Hospitals und Mitglied seit Lessen Bestehen des Aufsichtsrathes. Ein Beweis der Popularität, deren er genießt, ist die Huldigung, welche ihm seine Mitbürger nach feiner Wahl dargebracht haben. Sie haben ihn mit Gewalt auf ihre Schultern gehoben und im Triumph nach seinem Hause gettagen. Afrika. Bon«, 28. April. sPrivatmitth.) Wir haben in voriger Nummer aus Beirut berichtet, wie die englische Missionsgesellschaft sich der Erfolge bei den Samaritanern rühmt, die durchaus nur zweifelhaft sind und von ihr selbst als „heimlich" bezeichnet werden. Es scheint jetzt bei Vieser Gesellschaft System zu werden, sich in entlegenen Gegenden, die der Controle schwer zugänglich sind, glänzende Resultate zuzuschreiben, die dazu dienen sollen, das offenkundige Fiasco zu verdecken, welches sie in den bekannten Ländern allzeit machte. So wußte eine Kundmachung der Missionsgesellschaft in London viel von der Propaganda der protestantischen Missionäre unter ven Juden in Abyssinien zu sprechen. Die Anglo-Jewish Association machte davon der Alliance in Paris Mittheilung und diese legte sie dem Herrn Joseph Halävi, dem bekannten Reisenden, der die Fallaschas längere Zeit besucht hat, vor. Das jüngste Monatsbülletin der Alliance spricht sich hierüber folgendermaßen aus: Herr Joseph Hal6vi glaubt, daß die von dem englischen Journal veröffentlichten Nachrichten sehr übertrieben sind. Die Protestanten haben nicht das Recht in Abyssinien Gemeinden zu bilden, es kann nicht die Rede von einer ernstlichen Propaganda des Protestantismus in diesem Lande sein, der einheimische Klerus ist zu mächtig, um die Errichtung einer neuen Kirche zu erlauben. Wenn die Falaschas die Bibel aus der Hand der Christen annehmen, lesen sie das neue Testament nicht. Herr HalLvi fügt hinzu, daß man durch Gründung zweier israelitischen Schulen an den Grenzen Abyssiniens, der einen in Maffua, der anderen in Galabat, der Abschwächung und dem Abfall, den die Feinde der jüdischen Religion Hervorrufen, entgegentreten könnte. Das Comitö fürchtet, daß die Ausführung des Proceffes des Herrn Halovi den größten Schwierigkeiten begegnet. Die physische und politische Lage des Landes würde diesen Versuch sehr mühsam und zweifelhaft machen. Außerdem besitzen die beiden von Herrn Halövi angegebenen Oertlichkeiten nicht mehr die Wichtigkeit, welche sie hatten, als Herr Halövi sie besuchte, und es wohnen daselbst kaum noch Israeliten. Amerika. St. Louiö, im April. (Privatmitth.) Ich übersende Ihnen anbei die gedruckten Berichte der Gemeinde „Schaare Emeth" über das versiossene Jahr. Es wird für die Leser gewiß nicht uninteressant sein, in das Stillleben einer mittleren jüdischen Gemeinde im Schooße einer großen amerikanischen Stadt und einer nicht unbettächtlichen jüdischen Bevölkerung einen Blick zu werfen. Der erste Absatz des Berichtes betrifft die Mitglieder. Im verflossenen Jahre sind 11 Mitglieder verzogen und 5» mußten wegen Nichtbezahlung des Gemeindebeitrags gestrichen worden. Dagegen bemühten sich die Beamten der Gemeinde neue Mitglieder zu werben, und es gelang ihnen mit 27, so daß die Gemeinde gegenwärtig gerade 200 Mitglieder zählt. Bon der Religionsschule, Sabbathschule genannt, die am Samstag und Sonntag stattfindet, wird der Fortschritt der Leistungen gerühmt, so daß man hofft, in nächster Zeit eine Klasse zu eröffnen, wo das Uebersetzen der Gebete und des Pentateuchs gelehrt werde. Die Zahl der Schüler beträgt 128 und zwei neue Lehrer sind angestellt worden. Man beklagt aber die Lauigkeit der Ellern, welche ihre Kinder nur wenig zu einem regelmäßigen Besuche der Schule anhalten, und den jährlichen Prüfungen geringe Aufmerksamkeit schenken. „Unser Rabbi" ist der nächste Absatz überschrieben*), und es wird Sie freuen, die Anerkennung und Würdigung zu lesen, welche über die Thatigkeit, eie tteue Pflichterfüllung und den reinen Charakter vieses Mannes zum Ausdruck kommt. Unter Anderm hält er seit fünf Jahren im Herbst und Winter Vorträge über religiöse Gegenstände jeden Freilag Abend. Es wird hinzugefügt, daß der Rabbi sich große Mühe giebt, die Gemeindemilglieder zu einem häufigern Besuche des Gottesdienstes zu bewegen, ohne bis jetzt eine erfreuliche Wirkung erzielt zu haben. Der Chor wird eifrig gepflegt; der Friedhof in bestem Zustande erhalten, die Finanzen befinden sich in günstigem Verhaltniß. Der Reservefonds wächst angemessen an. um im November 1876 die letzte Schuld auf das stattlicke Tempelgebäude zu bezahlen. — Der Finanzbericht zeigt die Einnahme von 19,806 Dollars, die von den Ausgaben bis aus 2 Dollars absorbirt wurden. Die Beiträge der Gemeindemit- *) Weder der Herr Corresp. noch der gedruckte Bericht giebt uns den Namen des Rabbiners an; wie es scheint, verrichtet er auch den Cantordienst, da für diesen keine Besoldung ausgemacht ist. Redactron. 20

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