Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 20 (11.5.1875)
- Date
- 1875-05-11
- Page
- Seite 318 (sequence 8)
- Language
- German
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318 seminars seitens des preußischen Ministeriums vom Militärdienste dispensirt seien, sowie daß dieses Gesuch abschläglich beschieden sei, ist vollständig unwahr. l>r. I. Hildesheimer. Herr Vr. Hildesheimer wird es unS vorläufig gestatten, unserm bewährten Correspondenten „von der Donau" dessen Aeußerungen hierüber wir erwarten, ebenso vielen Glauben zu schenken, wie ihm, noch dazu da der erstere seine Mittheilung aus dem Cultusministerium selbst erhalten haben wollte. Die Redaction. Oesterreich-Ungarn. Wien, 27. April. Die israelitische Allianz zu Wien hielt gestern ihre zweite ordentliche Generalversammlung. Der Vorsitzende, Herr Joseph Ritter von Wertheimer, trug den Bericht vor, dessen Hauptinhalt wir bereits in Nr. 16 mitgetheilt haben. Wir fügen nur hinzu, daß die Zahl der wirklichen Mitglieder am Schluffe des Jahres 1874 516 gegen 351 Ende 1873 betrug. Die Jahresbeiträge beliefen sich auf 2648 fl., nahmen also gegen das Vorjahr uni 559 fl. zu. Das Vereinsvermögen bezifferte sich auf 66.988 fl. Nach Erstattung des Berichtes wurde die Versammlung geschlossen. Trient, I. Mai. Von hier wird berichtet, daß daselbst „großartige Vorbereitungen" getroffen werden, um in wenigen Monaten die vierte Säcularfeier der in Trient durch die Juden im Jahre 147 5 vollzogenen Marterung des „unschuldigen Kindes Simon von Trient", das damals erst neunundzwanzig Monate alt war, „würdig" zu begehen. Den Anstoß zu dieser merkwürdigen Säcularfeier hat der bischöfliche Coadjutor Herr Haller gegeben. (Man erinnere sich, daß vor einigen Jahren in Brüssel eine ähnliche Säcularfeier stattfinden sollte, durch die entschiedene Haltung der dortigen Bevölkerung aber verhindert ward. Es war im Jahre 1475, wo durch die Verbindung eines von Judenhaß strotzenden Franziskanermönchs Bernardinus und eines getauften Juden Wolf kan eine teuflische Lüge aufgetischt wurde, um die Juden des Mordes eines kleinen ertrunkenen Christenknaben „Simon von Trient" zu beschuldigen. Die sämmtlichen Juden von Trient wurden gefoltert und verbrannt. Vergebens erklärten sich der Doge von Venedig und der Papst Sixtus lV. dagegen — die Pfaffen erklärten Simon für heilig, ließen seine Leiche Wunder thun und verehren, und den Juden in Deutschland und Italien erwuchs das größte Elend daraus. Und solch' eine Schandthat will man durch pomphafte Jubelfeier in's Gedächtniß zuruckrusen! Sind sie nicht unverbesserlich! Redaction d. Allg. Ztg. d. Judenlh.) Szoluvk, 25. April. (Privatm.) Das von Deutschland aus gegebene Beispiel der Errichtung von Volksküchen fand auch in unserer durch Mißernte gänzlich verarmten Gegend diesen Winter Nachahmung. Da aber die hier für 300 Personen eingerichtete Volksküche sich als unzulässig erwies, so entschloß sich Frau Ignatz Adler, eine wegen ihres Wohlthätigkeitssinnes geachtete Jüdin, diesem Uebelstande abzuhelfen; dieselbe speist seit nahezu zwei Monaten täglich sechzig hiesige Arme unentgeltlich. Diese edle That verdient allfeitige Anerkennung. In Darin (Trencsiner Comit.) brach den zweiten Tag des Peffachfestes eine Feuersbrunst aus, welche auch den dortigen israel. Cultustempel in Asche legte. Der Tempeldiener Steiner rettete mit Lebensgefahr die Thorarollen und die heil. Geräthe. Pest, 29. April. (Privatmittheil.) Die kirchenpolitische Comnu,,.va 2^2—..... ifu.uj.S hat Angelegenheit der fteien Religionsübung abgesta. - . . n .esfallsigen Gesetzentwurf vorgelegt. Der Bericht ist zu weitläufig, um hier wiedergegeben zu werden. Er machte auf die Widersprüche aufmerksam, welche in Ungarn in den gesetzlichen Verhältnissen selbst und im praktischen Leben mit den bisherigen Gesetzen stattfinden. So besitzen die Juden völlige politische Gleichberechtigung und sind als Religion nur geduldet, sowie der Staat auch kein Aufsichtsrecht über sie besitzt. Tausende von Christen gehören keiner der rezipirten Kirchen an, und, politisch gleichberechtigt, müssen sie doch zu jenen Kirchen zahlen und stehen in allen Angelegenheiten der Matrikel unter jenen. Die Commission verlangt ein Ehegesetz, für welches sie schon vor einem Jahre einen Entwurf vorgelegt hat; ein Gesetz über freie Religionsübung, dessen Entwurf beiliegt, und ein solches über die Bermögensverhältnisse der Kirchen, für das sie einen Entwurf auszuarbeiten noch keine Zeit gehabt. Im Allgemeinen will die Commission die Grundsätze des modernen Rechtsstaates in Vollzug gebracht, aber auch die traditionellen historischen Verhältnisse berücksichtigt sehen, um die Kirchen keiner Existenzftage auszusetzen. Hierzu kommt das Oberaufsichtsrecht des Staates, das festgestellt und durchgeführt werden müsse. Der Gesetzentwurf selbst liegt uns in seinem Wortlaute noch nicht vor. Daß es auf dem Grunde dieses Berichtes schwer sein wird, die anerkannte „Gleichberechtigung der Religionen" zur Verwirklichung zu bringen, ist einsichtlich. Dann ist es aber auch noch weit hier zu Lande von einem Berichte und Entwürfe bis zu einem wirklichen Gesetze und dessen Ausführung. Frankreich. Paris, l. Mai. (Arch. isr.) Durch Decrete deö Präsidenten der Republik sind in kurzer Zeit drei neue Rabbinale hergeftellt worden, zu Pau, Rennes und Rouen. Da, wie bekannt, in Frankreich die Rabbinate vom Staate unterhalten werden, so hat dieser Vorgang doch auch eine allgemeine Bedeutung. — Für den Senat, der nächstens zu wählen ist, wird in Drüme Herr Crsmieux, in Avignon Herr I. Valabrsgue, Präsident der Handelskammer, als Candidat ausgestellt.