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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-05-11 · Heft 20 (11.5.1875) · p. Seite 315

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 20 (11.5.1875)
Date
1875-05-11
Page
Seite 315 (sequence 5)
Language
German
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315 oft hineinzwängt, für die einzig richtige und gültige erklärt. Unsre Zeit ist über die ganze Methode hinweggegangen und fordert, daß man den Sinn der Schrift genau nach dem einfachen Wortlaute fasse, und ihr auf keine Weise einen anderen unterschiebe. Jede andere Art der Auslegung ist nur Drusch, der als oratorisches Mittel freisteht, sich aber niemals als eine gültige Auslegung gerirt. Dennoch dürfen wir auf jene frühere Methode durchaus nicht mit irgend einer Art Verachtung blicken; denn im Grunde übt sie jeder denkende Mensch nach seiner Individualität aus, wenn er mit Liebe an der h. Schrift hängt und seine Befriedigung in der Uebereinstimmung mit ihr findet. — Die Kgl. Akademie hat die hinterlassene Uebersetzung des Herrn Marcus Joseph Müller so herausgegeben, wie sie vorgefunden, mit kritischen Bemerkungen zum arabischen Texte. Diese Uebersetzung ist aber ausgezeichnet und hier in würdiger Ausstattung vorgelegt. Marginalien-Ziffern geben die Seiten des arabischen Textes an. Bonn, 29. April. Die israelitische Prachtbibel mir den Illustrationen von Gustav Dore und der Uebersetzung des Dr. Ludwig Philippson, sammt den Apokryphen übersetzt von vr. David Cassel, liegt jetzt mit der vierzigsten Lieferung vollendet vor. Man kann wohl unbestritten sagen, daß für die Bibel überhaupt und die israelitische insbesondere eine kunst. vollere und glänzendere Ausgabe als diese noch nicht erschienen ist. Denn was man auch an einzelnen Darstellungen der biblischen Gegenstände von Dor« zu tadeln finden möge, als ganze Gallerie bilden sie ein ebenso genial wie künstlerisch ausgezeichnetes Werk, das in der Ausführung der Details, namentlich auch der landschaftlichen und architectonischen Ansichten meisterhaft zu nennen ist. Die typographische Ausstattung ist wahrhaft vollendet. Dazu hat die Hall berge r'sch e Verlagshandlung für einen prachtvollen Einband gesorgt, der in Golddruck die Gesetztafeln und die hauptsächlichsten heiligen Gerüche des Tempels zeigt. Für eine solche Leistung ist der Preis nur mäßig gestellt und hoffentlich werden die begüterten Glaubensgenossen noch Liebe für ihr altes Erbgut genug haben, um den Verleger für den großen Kostenaufwand durch genügende Anschaffung zu entschädigen. — Papst Gregor des Neunten Antlagearlikel gegen den Talmud und dessen Bertheidigung durch Rabbi Jechiel den Joseph und Rabbi Juda ben David vor Ludwig dem Heiligen in Paris. Nach theilweise unedirtem, handschriftlichem Material der Nationalbibliothek in Paris bearbeitet von Dr. pliil. Alexander Kisch. Leipzig, Leiner 1374. Der Gegenstand dieser Monographie ist schon oft behandelt worden. Aber durch das neue Material, welches sich dem Verfasser Largeboten und die umsichtige und sorgfältige Berwerthung desselben lieferte der Verfasser eine gründliche, erschöpfende und über den Gegenstand abschließende Bearbeitung, welche das Interesse jedes Lesers fesseln wird. Sie vermag dies umsomehr, als wir hier den Anfang jener gehässigen Verfolgungen haben, welche der Talmud seitdem bis auf den heutigen Tag erfahren hat. Ja. die 35 Anklageartikel, die damals (1240) gegen den Talmud aufgestellt wurden, umfassen bereits Alles, was die Nachfolger mit tausend Mal wiederholtem Echo vorgebracht haben. Die Quelle des Unheils war ein Jude, ein Apostat, Nikolaus Donin aus Rochelle, und auch hierin hatte der Vorgang seine Nachfolge, daß es immer von Neuem Apostaten waren, welche Vorurtheil und Haß gegen das große jüdische Nationalwerk schürten und es zum immer bereiten Mittel der Judenverfolgung machten. Ueber das Nähere verweisen wir auf die Schrift selbst, welche dem Verfasser zu großer Ehre gereicht. — Hieran knüpfen wir: Religionsdisputationen im Mittelalter. Populär-wissenschaftlicher Vortrag gehalten im Bet ha-Midrasch zu Wien von vr. Julius David. Wien. Winter 187 4. Dieser gut abgefaßte Vortrag sucht die mittelalterlichen Religionsdisputationen in ihrer allgemeinen Bedeutung, in ihren Ursachen und Wirkungen zum Verständniß zu bringen. — Auch diesmal hat der „Jllustrirre israelitische Volkskalender" für das Jahr der Welt 5630, herausgegeben von W. Pascheles in Prag eine sehr frühe Zeit des Erscheinens eingehalten und sich mir vielem ansprechendem Inhalt versehen. — ns: nnn« Liebe über das Grab. Ritus bei Begräbnissen für die israelitische Religionsgemeinde zu Dresden, mit Jahrzeitgebeten und Sinnsprüchen aus Bibel und Talmud. Bon vr. W. Landau, Oberrabbiner. Leipzig, Drugulin, 1875. Die üblichen hebr. Gebete mit ttefflicher deutscher Uebersetzung, eine Reihe von Andachten am Grabe der verschiedenen Verwandten in einfacher, rührender und tröstender Sprache und eine Sammlung von Sentenzen aus Bibel und Talmud, meist in gelungener metrischer Ueberrragung, bilden den Inhalt des schön ausgestatteten Heftchens, das wir jedem Glaubensgenossen empfehlen, der einen Trauergang auf den Friedhof zu machen hat oder die Gräber seiner Theuren besuchen will. 2o&ltuUCj 6llÖCC&UC&tcU/. Deutschland. wesentlicher Bedeutung ist. 'Nach jener Verfügung ist die in ' ' * manchen Concessionsurkunven über die Errichtung von Privatschnlen aufgenommene Beschränkung, daß nur solche Kinder in diese Schulen ausgenommen werden dürfen, welche der Confession des Inhabers resp. der Inhaberin angehören oder nach Auö Westphalen, 22. April. (Privatmitth.) Die Regierung zu Arnsberg hat vor Kurzem eine Verfügung erlassen, die für da- Pri vat-Schulwesen des Regierungsbezirks von

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