Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 20 (11.5.1875)
- Date
- 1875-05-11
- Page
- Seite 313 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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313 doch nicht zuschreiben — und bauschen die Gesinnung der Juden gegen die katholische Kirche zu einer ihr durchaus feindseligen auf, wie sie es doch nicht im geringsten ist. Dennoch werden wir Juden uns niemals verleiten laffen, in eine wirkliche Feindschaft gegen die katholische Kirche einzutreten; wir werden ihre Dogmen und Einrichtungen, so sehr sie uns auch widersprechen, unerörtert und unangetastet laffen; wir werden fortfahren, mit unseren katholischen Mitbürgern möglichst in Frieden zu leben und deren Wohlwollen und Achtung zu verdienen suchen. — Hingegen jeden Angriff gegen uns mit aller Kraft zurückweisen, und denjenigen Maßnahmen deS Staates, welche zur Zurückweisung der hierarchischen Uebergriffe dienen, ohne die innere Freiheit der Kirche zu beschränken, unsere Unterstützung gewähren. Dies legt uns die Pflicht ber Selbftvertheidigung aus, nachdem wir täglich so bittere Kränkungen, so gefahrdrohende Angriffe er- Den oben versprochenen Beweis, wie die Ultramontanen auch in Amerika gegen die Juden Vorgehen, laßen wir in dem folgenden, wörtlich übersetzten Artikel des zu Baltimore erscheinenden „Jewish Chronicle“ folgen; er ist, wie gesagt, aus sehr vielen, die uns bereits zugekommen, gewählt, weil er der jüngste, nämlich vom 9. April ist. „Die „Katholische Volkszeitung. Wochenblatt im Interesse der Kirche", ist das intereffanteste Blatt, das zu lesen, wir je Las Vergnügen hatten, und die Juden von Baltimore können sich zu dem erhebenden Bewußtsein beglückwünschen, in einer Stadt zu leben, in welcher diese Zeitschrift veröffentlicht wird. Nicht wegen ihrer großen Liebe zu Israel, o nein, solche ungewöhnliche Auszeichnung kann nicht von einem Blatte erwartet werden, das „die besondere Empfehlung Sr. Heiligkeit des Papstes Pius IX." an seiner Spitze trägt, sondern wegen der spaßhaften und sonderbaren Bemerkungen, die es in Betreff der Juden in der ganzen Welt macht. Wir wollen dasselbe nicht wegen seiner Bertheidigung des Katholicismus tadeln; ras ist sein handgreiflicher Zweck, noch können wir einen Fehler in seinem Mangel an Freundschaft für den Protestantismus finden, denn es hat guten Grund zur Feindschaft gegen eine Macht, die das Gebäude St. Peters niederzuwerfen droht — aber warum so seltsame Gefühle gegen die Juden hegen, die eine höchst harin- und machtlose Minorität unter den tausend Millionen*! Christen ausmachen, das verstehen wir nicht und können wir nicht mit Stillschweigen übergehen. Die Juden müffen das Blatt gelegentlich lesen, um sich in ihrer eignen Geschichte zu unterrichten und viele ihnen unbekannte Dinge zu lernen. Sie würden finden, daß Eisenmenger berüch- *) Unter den t30o Millionen Menschen, welche man gegenwärtig auf der Erdoberfläche annimmt, kommen auf das Christentbum nur etwas über 300 Millionen. Redact. der Allg. Ztg. d. I. tigten Angedenkens ein wahres Lamm in Vergleich zur „Katholischen Volkszeitung" ist, das noch dazu „empfohlen von den höchst Ehrwürdigen Erzbischöfen von Baltimore und Philadelphia ist". Wir müffen zugeben, wir sind vermittelst dieses Wochenblattes um die Kenntniß vieler Dinge bereichert worden, an die wir sonst nie gedacht haben würden. Wir lesen z. B. in Nr. 43: Die berühmte spanische Inquisition wurde durch die Existenz der Juden veranlaßt; auf den Trümmern der spanischen Nation, träumten die Juden ein jüdisches Reich zu errichten; die Juden unternahmen auf eigne Hand blutige Christenjagden; die Juden reizten und spornten die heidnischen Kaiser und Völker zu Verfolgungen der Christen, die Juden schändeten das hochheilige Sacramenr, sie provocirten das christliche Volk zu blutiger Rache, durch ihren Wucher, Brunnenvergiftungen u. s. w. Die Juden der Gegenwart saugen vampyrgleich an dem Mark und Blut des christlichen Volks — alles Ungeheuerliche entsteht bei den Juden, die es nicht für Sünde halten, die Christen zu berauben und zu betrügen. Bei allen Mordversuchen haben die Juden ihre Hand, der Erzbischof von Paris wurde auf Befehl eines Juden hingerichtet, und die Juden sind es, welche ihre heimlichen Logen zur Unterminirung des römisch-katholischen Christenthums Wir nehmen an, unsere freundlichen Leser sind wie wir selbst mit allen diesen, wie es in dem bezüglichen Artikel heißt, „durch die Geschichte erwiesenen" Thatsachen unbekannt gewesen. Deshalb werden sie uns gewiß für die Wiederveröffentlichung derselben verbunden sein und werden mit Freuden die weitere Benachrichtigung willkommen heißen, daß „die Juden", „Bismarck", „Schweinetreiber", „Satan", „Bratwurstjuven", „Hölle und Verdammniß", die Lieblingsgegenstände der Volkszeitung auf fast jeder Seite sind. Wir beabsichtigen nicht auf Kosten unserer Zeitgenoffen witzig zu sein, können aber nicht umhin zu erklären, daß wenn immer wir dieses höchst „empfohlene" Blatt in die Hand nehmen, wir unwillkürlich an Marryats „Snarley-yow" denken müssen, und — das macht uns lachen." Literarischer Wochenbericht. Bonn, 22. April. Die König!. Bayersche Akademie der Wissenschaften hat uns mit der Zusendung einer von ihr herausgegebenen Schrift beehrt: „Philosophie und Theologie von Averroes. Aus dem Arabischen übersetzt von Marcus Joseph Müller. Aus dem Nachlaffe desselben herausgegeben von der König!. Bayer. Akademie Der Wissenschaften. München, 1875." Die Königliche Akademie hat sich durch die Herausgabe dieser Schrift ein neues Verdienst erworben. Es werden uns durch diese Arbeit die Originalwerke des großen arabischen Philosophen, Mediciners und Naturforschers wieder um etwas näher gebracht, 2o*