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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-05-04 · Heft 19 (4.5.1875) · p. Seite 308

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 19 (4.5.1875)
Date
1875-05-04
Page
Seite 308 (sequence 14)
Language
German
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308 die ebenso selbstverständlich als nochwendig war und dem Volkstrieb entsprach, schier unverständlich gewesen sein." — Wir fügen nur folgende Bemerkung hinzu: Der bei der Vertreibung des ersten Menschenpaares aus dem Paradiese auf die Erde gelegte Bann darf nicht, ebenso wie die ganze Geschichte des Paradieses buchstäblich genommen, sondern in dem positiven zu Grunde liegenden Gedanken gefaßt werden. Es lag das Problem vor: warum bietet die Natur den Thieren ihre Nahrung ohne Mühe und Arbeit für sie dar, wahrend der Mensch „im Schweiße seines Angesichtes" Alles was er verzehrt der Erde abringen muß? Denn nicht blos die Früchte des Feldes verlangen schwere Arbeiten, sondern auch die Viehzucht und selbst die Bäume, welche eßbare Früchte gewähren, erfordern besondere Pstege. So hat der Mensch ein arbeitsvolles Leben zu führen, in welchem noch dazu nicht selten Mißwachs und Seuche ihn des besten Ertrages berauben, während das Thier seine Nahrung nur zu suchen braucht. Dies war die Frage, die sich zur Beantwortung ausdrängte. Die Antwort lautet: weil der Mensch aus den Grenzen des Naturzustandes, wie ihn der „Garten Eden" repräsentirt, hinausgeschritten ist. (S. das Nähere in unsrem Bibelwerk zur Stelle.) Ein Roman! Man schreibt dem „N. P. Journal" aus Efaj: Bor etwa zehn Jahren wanderte ein Israelit aus Siebenbürgen nach Amerika aus, da er daheim beständig mit Noch und Elend zu kämpfen hatte. Er ließ seine Frau und mehrere Kinder zurück, welchen er versprach, wenn es ihm nur möglich, zu ihrem Unterhalte Geld aus Amerika zu senden. In diese angenehme Lage kam er auch jenseits des Oceans, und bald ging es ihm so gut, daß er ein reicher Mann war. Als er sich 0o,üü0 fl. erworben hatte, beschloß er, nach Hause zu reisen, und seine Familie, welche wohl Kenntniß davon hatte, daß er in Amerika sein Brod finde, die aber nicht wußte, daß er sich Tausende von Gulden erworben, mit dem vielen Gelde zu überraschen. In Europa angekommen, erkrankte er aber in Hamburg gefährlich, so daß er ein Testament machte. Er vermachte sein Vermögen natürlich seiner Familie, doch besserte sich bald sein Zustand und nach mehrwöchentlicher Pflege konnte er das Bett wieder verlassen. Nun entdeckte er aber, daß ihm der Koffer, in dem er sein Geld, sowie das Testament verwahrt hatte, gestohlen worden sei. Ein Krankenwärter war damit durchgebrannt. Einige gute Leute in Hamburg, welche sein Unglück rührte, schossen nun für ihn 100 fl. zusammen, so daß er wieder nach Amerika reisen konnte, um sich dort durch neue Arbeit ein neues Vermögen zu erwerben. Der Krankenwärter hatte indeß auch seinen Weg nach Amerika genommen, starb aber plötzlich nach seiner Ankunft daselbst. Die amerikanischen Behörden sandten nun den gestohlenen Koffer mit den 60,000 fl. an die Verwandten des Bestohlenen nach Siebenbürgen, und da sie dessen Testament im Koffer vorfanden, so zeigten sie dessen Tod der Familie des Erblassers an. Die Fra« des Auswanderers hatte nichts Eiligeres zu thun, als eine zweite Ehe einzugehen. Bald darauf aber hatte sich unser Mann wieder ausgeholfen, und mit 5000 Gulden in der Tasche traf er dieser Tage bei den Seinen in Siebenbürgen ein, gerade als die Hoch- I zeit seiner ältesten Tochter gefeiert wurde. Niemand wußte von seiner Ankunft, und als er in den Saal trat, in welchem die i Hochzeitsfeier stattfand, wurde eben verkündet, was die junge Frau an Aussteuer bekommen hatte. „Der Stiefvater hat seiner! Tochter 100 Gulden zum Brautgeschenk gemacht!" verkündet der; Mann am Tische. — „Nun, so darf wohl der rechte Vater j 1000 Gulden schenken", sagte der Wiedergekehrte und legte eine | 1000 Guldennote auf den Tisch. — Die Sensation, welche der Fall in der ganzen Gegend macht, ist begreiflich. Wie es heißt, > wird demnächst in Esaj eine Rabbinerconferenz stattfinden, in | welcher darüber berathen werden soll, wem nun die Frau gehört: dem ersten Gatten oder dem zweiten? Unze Ein Vorbeter, Schächter und Äkeligionslehrer wird sofort oder später für die hiesige Geineinde gesucht und erbittet Offerten Grevesmühlen der Borstand in Mecklenburg. D. L. Friedheim. Eine israelitische Köchin wünscht. sofort eine Stelle. Näheres durch die Annoncen Expedition von Rudolf Mosse in Augsburg. Cin jüdisches Mädchen, gut empfohlen, welches Küche und Haushalt versteht, findet dauernde Stelle. Franco-Offerten besorgt die Expedition dieses Blattes unter Ar. 200. i g e n. Bei einem Gehalt von 1050 Mark, verbunden mit freier Wohnung und Heizung, wird für' die hiesige israelitische Gemeinde zum 1. November d. I. ein Religionslehrer, Vorbeter und Schächter gesucht, und wollen Reflectanten mit Abschrift ihrer Zeugnisse sich baldigst melden. Oldenburg im Großherzogthum, den 19. April 1875. M. L. Reyersbach, - Vorsteher. Ein Samstags u. Feiertage geschlossenes (m ladbacher En gros- CI esc hä ft sucht unter sehr günstigen Bedingungen einen Lehrling ton achtbaren Eltern, der die nöthigen Vorkenntnisse besitzt. Setbstg. Frc-Off. nimmt die Eacped. d. Bl. unter Chiffre J. H. lOO entgegen.

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