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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-05-04 · Heft 19 (4.5.1875) · p. Seite 307

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 19 (4.5.1875)
Date
1875-05-04
Page
Seite 307 (sequence 13)
Language
German
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307 2m Leben war er ein humoristischer Philosoph oder philosophischer Humorist, an Einfällen unerschöpflich. Saß man in der English Tavern oder sonstwo bei Porter und Ale und Jakob Kaufmann kam herein, hastig nach allen Seiten grüßend, und zog er den alten, hyacinthfarbigen Ueberrock aus, da wußte man auch: nun wird bald gelacht werden, nun wird man viel gescheidte und viel pudelnärrische Dinge zu hören bekommen. Er war ein Causeur seltenster Art und man wurde förmlich eingeladen, ihn sprechen zu hören. Bald horchte Alles an den benachbarten Tischen zu ihm herüber. Die Heimath, die hinter ihm lag und die er kaum je wiererzusehen gedachte, erschien ihm nicht selten im rührend-groteskesten Lichte; er wußte von magyarischer Einfalt und slavischer Schlauheit die wundersamsten Anekdoten, die dann wieder als Themata für philosophische und culturhistorische Betrachtungen dienten. Nie hat Jemand Oesterreich bester gekannt als Jakob Kaufmann; seine Urtheile über den Kaiserstaat haben leider noch heute Giltigkeit. Das Land seiner Vorliebe war England, er wurde nicht müde, englische Institutionen zu loben. Mit jedem Glase wurde er wärmer und mehr Engländer; da wollte er schließlich nur englisch sprechen. Unzählige Stellen englischer Dichter wurden ihm gegenwärtig, das Lied vom fine old English ge,uh-mi,n vor sich Hersingend, trat er den Heimweg an. Täglich, sobald es Abend wurde, verließ ich mein Zimmer, wo ich von der Kälte auf dem abscheulichen rothen Backsteinstrich nicht wenig zu leiden hatte und eilte aus der Vorstadt trotz Wind, Regen und Dunkelheit in das Cafe du Boulevard, wo allabendlich an einem bestimmten Nagel der hyazinthfarbige Ueberrock hing. Unweit davon saß der freundliche Philosoph, nie allein, immer von einem Kreis von Bekannten umgeben. Sie waren alle seine Gäste, die er mit seinen Einfällen bewirthete." Volköwirthschastlicher Zustand bei den Juden in Palästina. Vielleicht erinnern sich einige Leser d. Bl., wie wir vor einigen Jahren Riehl zu widerlegen hatten, der die richtigen Begriffe über den sittlichen Werth der Arbeit unserer h. Schrift ab- und den neutestamentlichen Schriften zuzusprechen versucht hatte. Die Widerlegung war nicht schwer. Denn jede vorurtheilslose Prüfung und genauere Sachkenntnis mußte gerade das Gegentheil finden. Mittelbar finden wir dies in einem Aufsatze in der Beilage zur Augsb. „Allg. Ztg." vom 18. Januar >-. „die sociale Frage und die Kirche" bestätigt. Es wird nämlich daselbst gefragt, warum Jesus dem Volke die Arbeitsamkeit so wenig empfiehlt? (Einige seiner Aussprüche richten sich sogar gegen die Arbeitsamkeit.) Die Frage wird damit beantwortet, daß damals das jüdische Volk so arbeitsam war, daß Aufforderungen zur Thätigkeit sehr überflüssig gewesen wären. Was der Verfasser jener Abhandlung hierüber sagt, ist so zutreffend, daß wir es hier wiedergeben wollen. Er sagt: „Die Juden entbehrten durchaus einer herrschenden, reichen und dabei nur genießenden Elaste. Gerade die Pharisäer, welche den größten Einfluß auf das Volk hatten, trieben sehr häufig Gewerbe; für den Schriftgelehrten war dies sogar vorgeschrieben. In jener Hinsicht machten die Juden eine Ausnahme von den meisten Culturvölkern der antiken Welt. Dabei begegnen wir bei ihnen einen natürlichen Erwerbstrieb oder vielmehr einer angeborenen Arbeitsamkeit. Das Land war viel zu bevölkert, um trotz seiner Fruchtbarkeit einer sehr regelrechten Bestellung der Aecker und Weinberge entbehren zu können. Die Sklaven hatten hier fast durchweg die Stellung von fast freien Hörigen; die Milde der Gesetze ist schon oft anerkannt worden. 'Nur bei einem erwerbseifrigen Volke hat das Sabbalhgebol Sinn und Bedeutung. Ursprünglich bezog es sich auch wohl nur auf Unterlassung der Feldarbeit (2 Mose 34, 21); erst später dehnte man es auf „jedes Geschäft" aus. Aber nicht nur vor dem Exil klagen einzelne Propheten, daß der Sabbath uicht gehalten werde: auch später noch hatte man Mühe, den Marktverkehr an diesem Tage zu hindern. Die rigorose Strenge als Volkssitte ist erst späteren Dalums. Jene Thatsachen setzen aber Arbeitsamkeit und Erwerbstrieb voraus, der sich ja noch heute bei den Nachkommen in seltenem Grade findet. Man beachte auch wohl die Art, wie in den alljüdischen Schriften das Zukunftsideal gezeichnet wird. Niemals findet sich da Genuß aller Güter mit Ausschließung des Erwerbs. Wohl soll das Land fruchtbar sein, allein doch nur so, daß weder Calamitäten, wie Dürre und Heuschrecken, den Erntesegen verkümmern, noch auch einfallende Feinde ihn rauben. Nicht daß Acker und Weinberg ohne alle Mühe die Früchte liefern, wird erhofft, sondern daß man alle Waffen in friedliche Ackerwerkzeuge, in Hacke und Winzermesser umschmieeen werde (Jes. 2, 1). Wenn heute die Landwirthschaftslehrer gern darauf Hinweisen: die Arbeit „im Schweiße des Angesichts" sei kein Adamsfluch, sondern ein Segen, so vergißt man einmal daß hier Bebauung unfruchtbaren Wüstenbcdens, rer Dorngestrüpp, erzeugt, gemeint ist, was im Fluche bei Kain nur wenig dahin gesteigert wird, daß der Acker nicht seine Kraft spenden werde ,1 Mose 3, 18; 4, 12,; für's andere, daß riese ganze Gegenüberstellung von Wüste und Oase mit Fruchtbäumen einen nachweislich fremden Charakter trägt und in den jüdischen Schriften nicht weiter verwerthet wird. Dieser Arbeitstrieb, auf den die Nothwendigkeit ohnedieß hinführle, ward auch niemals durch plötzliche Bereicherung des Voltes oder einzelner Volksclasten wesentlich und dauernd gehemmt — weder durch glückliche Eroberungen, welche Sklavcnmasten in's Land brachten, noch durch ausgebreiteten Handel, noch gar durch Industrie. Vollends war von übermäßigem Wohlstände nicht die Rede seit die Römer in's Land kamen. Und da Jesus sich überwiegend an die niederen Volksclasten wandte, so würde jede besondere Mahnung zur Arbeit,

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