Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 19 (4.5.1875)
- Date
- 1875-05-04
- Page
- Seite 301 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3227014-3227034--33500-3303298- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
301 Kreise außerhalb derselben bezeugten, war eine nicht gewöhnliche. Nach einer dem Jubilar dargebrachten Serenade überreichten die Schüler und Schülerinnen Beweise ihrer Dankbarkeit. Dann erschien eine Deputation der Stadtverordneten, deren Vorsteher an der Spitze, hierauf der Vorstand und die Repräsentanten der Gemeinde und das Festcomitö, welche ihre Glückwünsche darbrachten, eine prachtvoll gearbeitete Adresse und werthvolle Geschenke überbrachten. Um I Uhr fand in der Synagoge ein Festgottesdienst statt, bei welchem Rabbiner Iw. Rosen zweig aus Pafewalk die Fefipredigt in gediegener Weife hielt. Nachmittags fand ein Festessen unter großer Betheiligung statt, bei welchem geist- und zahlreiche Trinksprüche ausgebracht wurden. Zur Feier hatten sich auch der Bruder des Jubilars Prof. llr. M. Lazarus, der Schwager Prof. Dr. Steinthal, Prof. Dr. Waldenburg, Nabb. Dr. Landsberg u. A. eingefunven. Die innige Begeisterung, die bei allen Festgenoffen zum Ausdruck kam, bezeugte, wie sehr die Wirksamkeit des Jubilars gewürdigt und hochgeschätzt wird. Wir stimmen in den Wunsch ein, der so oft lautbar wurde: möge der gefeierte Mann auch sein goldenes Amtsjubilaum in Kraft und Frische erleben'. Fürth, 19. April. (Privatmittheil.) In der Streitfrage der hiesigen Orthodoxen mit der Hauptgemeinde ist eine Wendung zum Bessern eingetrcten. Ich berichtete bereits mehrfach, daß erstere am 24. März 1873 eine Vorstellung beim Königlichen Staatsministerium des Innern für Kirchen- und Schulangelegenheiteu bezüglich der Bildung einer orthodoxen israel. Gemeinde hier einreichten, der die Bitte um Aufnahme eines auf ihre Kosten anzustelleuden und mit denselben Befugnissen wie alle andern Rabbinen in Bayern auszustattenden Rabbiners angereiht war. Durch Regierungsentfchließung .4. ü. Ansbach 15. Mai 1874 wurden die Gesuchsteller abgewiesen, wogegen diese jedoch an das Eultusministerium Recurs ergriffen. Dieser Tage wurden nun die betreffenden Acten requirirt und die Klagschrifr zurückgenommen, nachdem eine beider Theile befriedigende gütliche Einigung erzielt wurde. Es wurde nämlich der orthodoxen Partei das Zugeständniß gemacht, daß eine aus ihr genehmen Personen bestehende Commission zu bilden sei, welche die Beaufsichtigung des Scharrnwesens und der Schechita, in wichtigen Fällen auch gutachtliche Vorschläge zu machen hat, deren Ausführung jedoch in beiden Beziehungen dem Vorstande der israel. Cultusgemeinre Vorbehalten bleibt. Somit wäre diese Angelegenheit geordnet und dadurch unsrer alten Gemeinde nicht nur die Festigkeit ihres Bestandes und Sicherheit ihres Finanzwesens gegeben, sondern auch der religiöse Zwiespalt in ihr vermieden. Und ich registrire diese erfreuliche Thatsache umso lieber, als die allgemeine Meinung über den Kernpunkt der Frage der Gemeindezusammengehörigkeit längst einig ist und nur die separatistischen Gelüste einer kleinen Anzahl Jerusalems in zahllose Schaaren getheilt, in allen Ländern sich niederließ, besonders durch die einheitliche Verbindung aller am Orte befindlichen Juden erhalten wurde, so sollten gerade diejenigen, die als Zionswächter sich geriren, als die wahren Träger des Judenlhums sich bezeichnen, die Gemeinde, jene kostbare Erbschaft unsrer Väter und vielbewährte Trägerin rer Lehre Israels, nicht in ihren Grundfesten erschüttern und in ihrer Einheit umstoßen wollen. Es wäre dies unzweifelhaft das Signal, in die jüdischen Gemeinden Zwiespalt und Anarchie, die Keime der Auflösung und des Nihilismus hineinzutragcn und ich will mich heute nicht darüber verbreiten, welche tiefe, unheilbare Wunden dem Eultur- und religiösen Leben der Juden dadurch geschlagen, und in welche Richtung das Judenthum selbst gedrängt würde. So viel steht sicher, daß sie demselben wecer zur Ehre noch zum Vcrtheile gereichen dürste. Würzburg, 15. April. (Privatmittheil.) Den Lesern ist es nicht unbekannt, daß vor einiger Zeit der ultramontane Skribent Dr. Rittler hier auf Grund des „Talmudjudc" von Rohling, der wiederum nur auf Grund Eisenmengers seine Schmähungen gegen den Talmud und die Juden losgelassen, fern hiesiges Blättchen mit Angriffen aus den Talmud und dessen Anhänger ungefüllt hat. Ein Anonymus trat ihm im „Würzb. Anzeiger" entgegen, jedoch so ungeschickt, baß Rittler den Kampfplatz zu behaupten schien. Da dies der allgemeine Eindruck im Publikum war, so sah sich der hiesige Schuldirector Dr. Stern, ein streng orthodoxer Mann, veranlaßt, einen öffentlichen Vortrag über den Talmud zu Hallen, in welchem er nicht sowohl in einen Streit mit Rittler eintreten, als vielmehr ein klares, wissenschaftliches Bewußtsein über den Talmud bewirken und verbreiten wollte. Dies gelang ihm bei dem zahlreichen, confessionell gemischten Auditorium vollständig, so daß er auch dem allgemeinen Wunsche nachgab und den Vortrag im Druck erscheinen ließ, welcher namentlich bei dem christlichen Publikum großen Absatz fand. Man sollte denken, daß gerade die Orthodoxen den Dr. Stern für sein Vorgehen Dank wissen sollten, wie denn auch der Gemeindevorstand ries in einem besonderen Schreiben that. Aber es kam doch anders. 'Neid und Mißgunst herrschen unter den modernen Hyperorlhodoxen weit mehr als wirklicher Glaubenseifer, und spornten zu Verdächtigungen und Verkleinerungen auch gegen Dr. Stern auf. Der berufene Ablagerungsplatz für alle orthodoxe Verketzerungen und schamlose Verleumdungen brachte denn auch bald einen Schmähartikel, in welchem Dr. Stern angegriffen und verurtheilt ward, weil er — während des anderthalbstünrigen Vortrages seine Lippen mit einigen Tropfen Wasser benetzt Halle, ohne sich vorher den Kopf zu bedecken! Wetter wußte man nichts gegen den Mann vorzubringen — aber ist dies nicht genug, um den würdigsten und verdienstvollsten Mann aus der Reihe der „Israeliten" zu streichen? Frankfurt am Main, 23. April. (Privatmillh.) Die Ultras auf beiden Seiten gegen sich hat. Wenn man ferner bedenkt, daß das jüdische Volk, das vor und nach dem Falle! jüngsten Artikel aus Rom und Turin in d. Bl. — in Rom