Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 19 (4.5.1875)
- Date
- 1875-05-04
- Page
- Seite 299 (sequence 5)
- Language
- German
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299 erhallen, wir wissen es nicht. Er bezeichnet sich aus dem Titel als Verfasser französischer und englischer Schriften über die Türkei, die Kurden u. s. w. Obschon er seine Ansichten und Gesinnungen nicht kund giebt, vielmehr einen liberalen Anstrich sucht, so verrälh er doch im Verlaufe seiner Schrift sehr reaclionäre Meinungen und sich selbst als einen Feind alles deffen, was seit 1789 geschehen, was er beiläufig als verdammenswürdige Revolution verurtheilt. Was daher eigentlich unter ihm steckt, wissen wir nicht zu sagen. Er beginnt damit, aufzustellen, daß für die Eroberung überhaupt und die Erreichung einer Universalherrschaft drei Principien verwendet würden: das der physischen Gewalt, Las theokratische. Las die Mafien einem religiösen Glauben unterwirft und das des Jnterefies, welches die Völker vermittelst des Finanzdruckes dienstbar machte; die ersten beiden Principien seien durch die Geschichte Roms, Griechenlands, Rußlands und des Deutschlands unserer Tage, sowie durch das Papstlhum hinlänglich bekannt — merkwürdig, daß der französische Bey Napoleon I. und den Islam ausläßt. Die Eroberung der Welt durch das Princip des Jnterefies sei dem jüdischen Volke Vorbehalten geblieben, welches dieses Mittel erfunden, und von seinem Anfänge an bis jetzt consequent verfolgt habe. Abraham mit seinem Stamme sei aus Arabien ausgewandert, um sich befiere Vermögenszustände zu suchen, und hätte diesem die Grundsätze eingepflanzt: „nicht die gewinnen werden reich, sondern die sparen; diejenigen, welche sparen, beherrschen schließlich die verschwenderischen Menschen, während die meisten nur das Verlangen haben, sich anzueignen, was ihnen nicht gehört, verlieren sie aus den Augen, was sie besitzen." Abraham habe nach diesen Grundsätzen für seinen Stamm einen bestimmten Plan für dessen ganze Zukunft entworfen, und ihn bereits in Kanaan und Egypten auszuführen angefanzen. Man wird uns zugeben, daß hier bereits bei unsrem Verfasser der Wahnwitz angefangen, aber mit Methode. In der That ist es ein überraschender und erfreulicher Anblick, zu sehen, wie vor vier Jahrtausenden in der arabischen Wüste geplant wurde, auf welche Weise dereinst in Paris und Rew-4)ork Bankgeschäfte anzulegen seien, um dadurch z. B. den russischen Juden in Povolien die Weltherrschaft zu verschaffen. Auch Isaac „that sein Bestes, um Las Werk der finanziellen Eroberung vorwärts zu bringen." Schon damals hätten die Juden sich eine besondere Kampfweise gebildet, nämlich, niemals mit den Waffen zu streiten und sich immer als die Verfolgten Larzustellen, um so aus ihre Gegner den Vorwurf der Jmmoralität zu werfen, sich selbst aber den Glanz der Sittlichkeit zu verschaffen. Der Mann hat Recht: alle die blutigen Verfolgungen während fast anderthalb Jahrtausende, welche die Juden von den Bekennern des Ehriltenthums und reS Islam zu erdulden hatten, sind eine Erfindung der Juden, um ihre Feinde als Barbaren darzustellen; oder wenn sie wirklich stattgesunden, von den Juden hervorgerufen und ertragen, nur um sich als Verfolgte hinzustellen — was lhut man nicht Alles, um des Princips willen'. Um des letzlern willen warfen sich die Inden aus Egypten, und plünderten dasselbe, bis die Egypter sich enkschlofien, sie aus dem Lande zu jagen. Merkwürdiger Weise nahmen die Egypter hierbei den Juden nicht einmal die Reichthümer ab, welche die Juden ihnen entzogen hatten, so daß, unsrem Versafier zufolge, nach der Vertreibung der Juden in Egypten der Bankerott auSbrach! Es scheint dem Herrn Major Osman dabei die Vorstellung des ersten Staatobankerotts in der Geschichte vorgeschwebt zu haben. — Jetzt aber trat eine große Wandelung ein. Moses verwarf das Princip des Jnterefies, verwarf den Plan Abrahams, und pflanzte vielmehr seinem Volke die Welteroberung durch die physische Gewalt und das theokratische Princip ein. Auch hier ist es nur auffällig, daß Moses zum Zwecke dieser Welteroberung seinem Volke so enge Grenzen zwischen der Wüste, dem Libanon und dem Mittelmeer vorschrieb, und seine Religion so national machte, daß sie für immer an die Ration gebunden blieb. Wie man da eine Eroberung der Welt in Aussicht nehmen könne, ist nicht gut abzusehen. Ter Versafier hat sich diese störende Frage nicht gestellt; oder er wollte sie nicht berühren in rem geheimen Gedanken: Moses habe diesen Zweck nur als Keim eingepslanzt, den später das Chriftenlhum und der Islam prächtig entfalteten, nämlich zugleich durch die Religion und die physische Gewalt, die Welt sich zu unterwerfen, wenigstens sind die Religionskriege, welche doch die beiten Mittel greifbar verbinden, erst mit jenen beiden Religionen entstanden. Kurz, dieses Werk des Moses hielt bis zum Falle des Könizsreichs Juda aus. Jetzt aber warf das jüdische Volk diese ihm aufzedrungene Maske ab, und kehrte zu rem Plane Abrahams zurück. Es geschah daher ganz wieder Len Willen reS Majors Osmann, daß Jerusalem noch einmal gebaut, Palästina von den Juden noch einmal bevölkert und über sechs Jahrhunderte von ihnen als Vaterland und Eigenthum besessen wurde. <Daß der Verfasser die Makkabäer -Inn Jahre vor der Zerstörung Jerusalems annimmt, wollen wir ihm als einen nur kleinen unter den vielen historischen Schnitzern nicht anrechnen.) Ebenso erachtet er es für einen groben Fehler der Römer, daß sie Jerusalem zerstört, so daß die Juden vollends aus dem Lande wanderten, denn dadurch hätten sie die Juden in ihrem Plane zur Weltherrschaft nur überaus gefördert. Er sagt: „Bon diesem Augenblicke an verschloß dieses Volk für immer seine Ohren dem Worte Vaterland und den mosaischen Traditionen, und machte sich an das Werk, die Eroberung der Welt durch das Princip des Jnterefies zu vollenden." Es wäre lhöricht, riesen Ausspruch höheren Blödsinns, rer in jedem Worte eine Unwahrheit enhält, widerlegen zu wollen. Nichtsdestoweniger fangen von hier erst recht die Geschichts- Verfälschungen des Verfafiers an, mögen sie aus Nnwifienheit oder aus böser Absicht entsprungen sein. Man weiß, wohin es mit der Geschichte kommt, wenn Jemand, der noch dazu schwach darin bewandert ist, durchaus einen vorausgefaßten abentheuerlichen Gedanken in ihr durchführen will. Zuerst ist es eine