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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-05-04 · Heft 19 (4.5.1875) · p. Seite 298

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 19 (4.5.1875)
Date
1875-05-04
Page
Seite 298 (sequence 4)
Language
German
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298 zurückführt; allein vielleichl wird auch Herr Jstöczy zugeben. Laß es just kein Unglück wäre, wenn Ungarn einen Dlsraeli zum Ministerpräsidenten hätte. Indessen verzichten wir darauf, Herrn Jstöczy aufzuklaren. Am Ende zählt er auch unser Blatt zu den „kosmopolitischen Judenblättern", die ihn so unbarmherzig ausgelacht haben und dann wäre ja ohnehin alle unsere Mühe vergebens aufgewandt. Rur trösten wollen wir ihn im vorhinein für den Fall, als er aus dem Kampfe, in den er ausgezogen, ohne Schild und Waffen zurückkcmmen sollte; es ist Leuten, die für vernünftige Zwecke gekämpft haben, oft noch schlechter ergangen, aber sie fanden Beruhigung in dem Gedanken, daß ihre Thaten 'Nachahmer finden werden. Diese Beruhigung mag auch unserem Helden gewährt sein; nach hundert Jahren wird sicherlich wieder ein Jstöczy kommen und wie wir uns heute auf England und das Jahr 17 53 berufen, so beruft sich wohl dann auch irgend ein kosmopolitischer Zeitungsschreiber des künftigen Jahrhunderts auf Ungarn und das Jahr 1875, um den Leuten zu erzählen, daß in diesem Jahre in Ungarn dasielbe hirnverbrannte Zeug von einem Herrn Jstöczy aufgetischt und daß dieser „schon damals" allseitig ausgelacht wurde. So wird der Name des verehrten Rumer Abgeordneten durch die Geschichte verewigt und er kann schon heute kühn behaupten, daß er sich unsterblich — lächerlich gemacht habe. Daß die Antwort auf die Interpellation Jstöczy's so ausgefallen ist, wie sie von einer nüchternen Regierung eines civilisirten Landes zu erwarten war, ist zwar kein besonderes Verdienst, aber es darf gegenüber den Verlästerungen, die sich Ungarn und dessen Regierung so vielfach gefallen lassen müssen, immerhin mindestens als einfache Thatsache constalirt werden." Die Eroberung -er Welt -urch -ie Juden. La Eonquete du Monde par les Juil's. Essai d'Hisloire et d'Aclualile par le Major Os man Hey. Bale, Krüsi, 1875. Der Judenhaß ist kein ausgebrannter, sondern ein noch sehr lebendiger Vulkan, der seine Ausbrüche noch allzuoft hat und seine glühende Lava über die Fluren ergießt. Als er vor Kurzem in der ungarischen Presse und jüngst im ungarischen Abgeordnetenhause sehr energisch zum Ausdruck kam, verwunderte man sich und legte seinen Auslassungen keine allgemeine Bedeutung bei, sondern betrachtete sie nur als Mahnung, daß trotz Allem der Judenhaß noch nicht ausgestorben. Zu gleicher Zeit erschien die oben angeführte Schrift in der Schweiz, und darf als ähnliches Symptom nicht übersehen werden. Freilich sehen wir von dem täglichen Gebühren der ultramontanen Presse ab, der es gar nicht darauf ankommt, die Juden als Urheber und Träger des ganzen Kampfes wider die römische Universalherrschaft zu bezeichnen und deshalb in gröbster Weise zu verlästern. Es gehört zur Profession und Consession derselben. Aber die oben angeführten Stimmen stellen sich, als ob sie mitten aus dem liberalen Lager ertönten, und halten sorgfältig jeden Schein des Religionshasses und des religiösen Fanatismus von sich fern. Deshalb sind sie auch nicht so ungefährlich, wie sie bei flüchtiger Betrachtung scheinen könnten. Der unter der Oberfläche noch allgemein verbreitete Judenhaß verlangt immer nur nach einem Vorwände, nach einem scheinbaren Anhaltspunkt, um sich mit einem gewissen Rechte geltend machen zu können. Während nun eine Menge Momente, die in der vergangenen Zeit gegen die Juden, um deren Gleichstellung zu verhindern, aufgeführt zu werden pflegten, in Wegfall gekommen ist, da eben diese Gleichstellung dennoch verwirklicht worden, sucht man nach neuen Motiven. Diese modernen Judenfeinde gleichen nun in einem Punkte, nicht denen des letzten Jahrhunderts, sondern ihren mittelalterlichen Collegen, namentlich in der groben Uebertreibung ihrer Erfindungen. Wie jene Brunnenvergiftung, Kindermord u. dgl. zur Verhetzung des Volkes aufbrachten, so bauschen diese die Macht, den Reichlhum und die Verbindung der Juden in's Fabelhafte auf, um ihnen einen Einfluß zuzuschreiben, den sie als eine Herrschaft über die Welt ausgeben. Hingegen kommen sie zum Schluß, so erweisen sie sich, sehr ungleich ihren mittelalterlichen Spießgesellen, völlig rathlos, was man eigentlich mit den Juden anfangen solle? Im Mittelalter wußte man, was man zu thun hätte: man schlug sie einfach todt und die übriggebliebenen jagte man einfach aus dem Lande. Nachgerade sah man aber ein, daß dies doch zu nichts helfe und die Gesittung hat sich dem Feuer und Schwert als Heilmittel der Völker abgewendet. Der weltliche Arm giebt sich nicht mehr dazu her, zu Gunsten irgend eines Hasses oder Vorurtheils die Scheiterhaufen anzuzünden. So sind diese modernen Hamans in großer Verlegenheit, und wissen sich nicht anders zu Helsen, als den härnen Mantel des Propheten um die spitzen Schultern und schlaffen Arme zu schlagen, und zu weissagen, daß dies Alles doch noch kommen und die ganze Welt über die zerstreuten Juden zusammenbrechen werde, nur um diese unter ihren Trümmern zu begraben. Ja, blind wie Simson sind diese Judenfeinde, aber die Kraft, die Säulen der Welt zu knicken, um sie auf die Häupter der Juden stürzen zu lassen, besitzen sie nicht. Unsre Leser setzen voraus, daß wir die in der Ueberschrift genannte Broschüre nicht um dieser allgemeinen judenfeindlichen Tendenz willen der Ehre einer Besprechung theilhaftig machen, sondern es geschieht weil hier — in dem Wahnwitz Methode ist. Wer den Titel liest, denkt schon an etwas Abentheuerliches. Die Durchführung grenzt aber geradezu an's Amüsante. Man fragt zuerst, wer dieser „Major Osman-Bey" ist? Wir können leider hierauf nicht antworten. Ob dies nur ein Pseudonym oder ein Renegat sei, der in türkischen Diensten diesen Namen und Titel

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