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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-05-04 · Heft 19 (4.5.1875) · p. Seite 297

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 19 (4.5.1875)
Date
1875-05-04
Page
Seite 297 (sequence 3)
Language
German
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297 als Basis diente, sondern einfach als sociale und volkswirthschaftliche Frage. Demnach entfällt das Argument des geehrten Herrn Ministerpräsidenten, daß die Regierung in dieser Frage auf Basis der Emancipation steht, von selbst. Daß ferner die sociale und volkswirthschaftliche Omnipotenz der mächtig gewordenen jüdischen Kaste, gegen welche die nichtjüdische Gesellschaft sich vertheirigen muß, bei uns bereits ungeahnte Dimensionen angenommen, das wird am glänzendsten durch den Umstand bewiesen, daß, obgleich wir Alle dies wisien, fühlen und unter uns gestehen, wir dennoch dieser Ueberzeugung gegen die angreifende Kaste offen Ausdruck zu geben oder gegen diese Kaste öffentlich aufzutreten, für eine weit größere Tollkühnheit halten, als je das offene Auftreten gegen die finstere Reaction und gegen den Absolutismus. Nachdem ich dies vorausgeschickt, erkläre ich, daß ich, als ich meine Interpellation in der Judenfrage an die Regierung richtete, mich keinen Augenblick in der Illusion wiegte, daß die Antwort der g. Regierung vollkommen befriedigend sein werde in dem Sinne, daß dieselbe in allen Theilen auf meine Frage eine günstige Lösung enthalten wird. Die Ideen, welche ich vertrete, für welche ich genug der Jnvectiven, aber destoweniger Argumente oder Widerlegungen gehört habe, sind viel zu neu, erfordern zu viel Zeit, als daß sie im Publikum jetzt schon ganz gereift sein könnten. In den letzten acht Jahren gelang es viel zu gut, Ungarn zu einem der Hauptterritorien für die Wirksamkeit der jüdischen Politik vorzubereiten; die Finanzlage des Landes wurde durch die feit 1807 befolgte Finanzpolitik viel zu abhängig von der Gnade der jüd. Kaste, welche die baut« llnanoo bildet, und so sind die giftigen Pfeile, welche die kosmopolitische jüdische Presse gegen Ungarn richten kann, derzeit viel zu gefährlich, als daß eine Regierung, welcher die Interessen des Landes am Herzen liegen, jetzt auf meine Interpellation eine Antwort ertheilen, als daß die Legislative in dieser Frage frei von jedem Zwange verfügen könnte. Ich wiederhole, ich wußte das im vorhinein ganz gut; wenn ich trotzdem meine Interpellation einbrachte, so geschah es aus Pflichtgefühl, da ich die Gefahr für das Baterland und für die Nation sah. Ich habe dem g. Hause einen Hauptschlüssel zu den so sorgsam verdeckten traurigen Erscheinungen auf staatlichem und socialem Gebiete gegeben, durch dessen Hülfe es über viele, bisher als Räthsel betrachtete Fragen Aufklärung finden wird. Die Zeit wird kommen, und zwar schneller als Biele glauben, in welcher meine Principien nicht in die Reihe der bloßen Phantasien gewiesen werden; gebe es die Lorsehung, daß dies nicht dann geschehe, wenn die Verhältnisse das „Zu spät!" den nichtjüdischen Elementen zurufen. Im entgegengesetzten Falle möge ich in dieser Beziehung Ungarns Cassandra sein! Aus dem angeführten Motiven nehme ich die Antwort des Ministerpräsidenten zur Kenntniß. Das Haus nimmt hierauf die Antwort des Ministerpräsidenten einstimmig zur Kenntniß. Das Haus gab also einstimmig der Interpellation keine weitere Folge. Um das allgemeine Urtheil auch über diesen Theil des ganzen Vorgangs zu bezeichnen, stellen wir abermals die Besprechung des „Pester Lloyd" her. „Wenn eine politische Kur unserem armen Jst.'>czy nützen könnte, so würde er nach der heutigen Erklärung des Ministerpräsidenten wenigstens schon als Reconvalescent das Haus verlassen haben, denn Baron Wenckheim suchte ihm so vernünftig, wie man es nur wünschen konnte, die Grillen aus dem Kopfe zu reden; aber umsonst; das Gespenst des „Panjudaismus" ist stärker als aller politischer Verstand und es hält den in der Thal eines besseren Schicksals würdigen Abgeordneten umbarmherzig in seinen Krallen. Wie das enden wird, das wissen die Götter. Wenn der Herr Jst>'>c;y sich früher trösten tonnte, den Feldzug zur friedlichen Ausrottung der Juden wenigstens nickt ganz auf eigene Faust unternehmen zu müssen, so sieht er sich heute vereinzelt dem tausendköpfigen Ungethüm gegenüberstehen, weit und breit findet sich kein Sancho Pausa, der mit ihm ziehen möchte, ja fast scheint es, als fände sich nicht einmal der erforderliche Graue, der zum Don-Quixote- Zug unerläßlich ist, und so steht unser Jst-Kzy einstweilen allein, um abzuwarten, bis seine „neuen Ideen" ihren Eroberungsgang vollendet haben. Das könnte aber beträchtlich lange währen, denn diese neuen Ideen bilden eigentlich eine uralte Narrelhei, die nur von Zeit zu Zeit, in längeren oder kürzeren Intervallen, durch ein besonders auserlesenes Medium lebendige Worte erhält, um dann in einem unsterblichen Gelächter zu versinken. Ja, diese neuen Ideen sind uralt und sie haben merkwürdigerweise sogar schon im englischen Parlamente gespukt — freilich vor länger als hundert Jahren. Im Jahre 17">:i nämlich wurde im englischen Parlamente die Bill wegen „Neutralisirung der Juden" eingebracht, und da kam an das Unterhaus eine Petition worin die englischen Jst>'>c;ys das Nämliche sagten, was heute unser Jst«'>czy sagt. Die Bill, hieß es, würde die christliche Religion und die Constitution des Staates gefährden und die Interessen des Handels außerordentlich schädigen. Wenn die Bill durchginge, wurde ferner behauptet, würden die Engländer Sklaven der Juden; der Monarch würde den Juden unterthan sein und den freien Landbesitzer nicht mehr achten. Die Juden würden die Grafschaften unter ihre Stämme vertheilen und dem Volke sein Land, seinen Besitz und seine Macht abringen. So sprach man in England schon im Jahre 17.'»:i, und Herr Jst>'»czy kann darans ersehen, daß wohl im Laufe der Jahre die Vernunft, nicht aber die Narrheit Fortschritte machen kann. Seither sind die Juden in England emancipirt, und die Engländer sind nicht Sklaven der Juden und die Königin Victoria ist nicht den Juden unterthan und der englische Handel hat einen beispiellosen Aufschwung genommen und die englische Gesellschaft entfaltete sich zu herrlicher Blükhe. Freilich ist heute in England ein Mann Ministerpräsident und Führer der Eonservaliven, dessen Stammbaum auf irgend einen der zwölf Stämme Israels ,‘J*

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