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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-04-27 · Heft 18 (27.4.1875) · p. Seite 288

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 18 (27.4.1875)
Date
1875-04-27
Page
Seite 288 (sequence 10)
Language
German
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288 für russische und polnische Waisen bewilligt hat. — Eine officielle Bekanntmachung des Generalgouvernements von Algerien giebt unter Anderen für die sechs Jahre von 1867 bis 1872 folgende statistische Notizen über die dortige jüdische Bevölkerung. Hiernach zählen die naturalisirten französischen Israeliten Algeriens 34,574 und die fremden Israeliten 5238, zusammen 39,812. Es fanden in der angegeben Zeit 694 Heiralhen bei ihnen statt, und zwar zwischen einheimischen Juden und Jüdinnen 673, zwischen solchen Juden und europäischen Jüdinnen 8, zwischen Christen und Jüdinnen 13. Die Zahl der Geburten betrug 9040, nämlich 4755 Knaben und 4285 Märchen. Gestorben sind 5985, nämlich Männer 1391, Frauen 1013, Knaben 2049, Mädchen 1529. Der Ueberschuß der Geburten über die Sterbefälle beläuft sich also in diesen sechs Jahren auf 3055, oder durchschnittlich für das Jahr 509. Italien. Turin, 10. April. Vergangenen Montag, den 5. d., hat sich in Turin ein großes civilisatorisches Ereigniß zugetragen, indem an diesem Tage die Thore des dortigen Ghetto für immer geschloffen wurden und die wenigen Israeliten, die in demselben noch wohnten, nach der eigentlichen Stadt übersiedelten. Es ist eigenthümlich, daß in Turin, der ehemaligen Residenz Victor Emanuel's und dem Wohnorte Eavour's, das Ghetto sich bis auf den heutigen Tag erhalten konnte, während in den anderen Städten Italiens, mit Ausnahme Roms, die Ghetti schon längst verschwunden sind oder nur noch dem Namen nach cxistiren. Das Turiner Ghetto dürste ein Alter von vollen fünfzehn Jahrhunderten erreicht haben, da schon zur Zeit des Kaisers Julianus Apostata Juden in Turin wohnten und daselbst blühende Geschäfte betrieben. Rumänien. Paris, im März. (Privatmitth.) Wenn man die Stimmung über oder vielmehr gegen Rumänien, wie sie sich noch vor einem Jahre in der europäischen Presse fast täglich verlautbar machte mit dem Stillschweigen vergleicht, das gegenwärtig betreffs dieses Landes vorwallet, die bitteren Urtheile und Anklagen, die von der Donau selbst herübertönten, mit der abwartenden Ruhe, die jetzt daselbst herrscht, den Kampf der Parteien unter einander und gegen die jeweilige Regierung mit der friedlichen Uebereinstimmung, die zwischen Kammern, Ministerium und Fürst gegenwärtig zu herrschen scheint — so verlangt man um so mehr nach einer unparteiischen Schilderung der wirklich vorhandenen Zustände. Eine solche scheint nun in dem jüngst erschienenen Hefte der llevue des deux mondes vom 15. März gegeben zu sein. Unter dem Titel „Der neue Rumänische Staat" liefert Herr Ch. Vogel eine ausführliche Darstellung des rumänischen Staates hinsichtlich seines Territoriums und der Bevölkerung, der politischen und administrativen Organisation, des kirchlichen, Unterrichts- und Militärwesens, des Ackerbaues und der Industrie, der Eisenbahnen, des Handels und der Finanzen. Mit glücklicher Beobachtungsgabe und unparteiischem Urtheil prüft er die vorhandenen Hilfsquellen, Mißstände und Verbefferungsversuche. Der Schluß geht allerdings rahin, daß in den meisten Punkten noch sehr Vieles, in einigen fast noch Alles zu thun sei, daß in manchen ein guter Anfang geschehen, überall aber noch bedeutende Schwierigkeiten zu überwinden sind. Es versteht sich, daß wir uns in der Arbeit des Herrn Vogel auch nach unsren dortigen Glaubensgenossen umgesehen, und wir wollen hier einfach Herstellen, was er über sie sagt. Zuerst über die Bevölkerung. Sie beträgt im Ganzen nicht über 5 Millionen Seelen. Aber Liese Schätzung beruht nur aus einer sehr mangelhaften Zählung von 1856 und einer wahrscheinlichen Berechnung des Ueberschusses der Geburten über die Sterbesälle, sowie einer sehr starken Einwanderung, besonders von den Juden aus den russischen und österreichischen Polen. Dieser Zufluß sei so groß gewesen, daß man für ganz Rumänien die gegenwärtige Ziffer der israelitischen Bevölkerung auf loo.ooo Seelen anschläzt, während sie bei einer früheren Zählung nur 131,000 betrug. Der Verfasser fügt selbst hinzu: „Jndeß muß man auch bemerken, daß das überall Vorhandensein fl'uliiiinite i der Juden, indem cs sie zahlreicher erscheinen läßt, als sie in Wirklichkeit sind, dahin geführt haben kann, ihre Zahl in feindlichem Sinne zu übertreiben." Bekanntlich haben die Inden selbst sich bemüht, die Höhe ihrer Bevölkerung herauszubringen, und indem sie aus allen Ortschafken ihre Anzahl zufammenrechneten, gelangten sie nur zu 2 1.".,000 Seelen. Uebrigens wohnen im Lande nur 50,000 römische Katholiken, 3«),"00 Protestanten, 8000 Armenier und 8000 Lipowaner, einer aus Rußland wegen strenger Behandlung geflüchteten Sekte. Die ungeheure Mehrzahl des Volkes ist also griechisch-katholisch, und bekanntlich macht eine geringe Zahl Dissidenten die große Masse nicht sehr tolerant. Der Vers, bemerkt auch, daß die Rumänen im Ganzen noch immer eine Verachtung gegen Industrie und Handel hegen, und diese willig den Fremden überlassen. Die Hauptslelle der Abhandlung über die Juden ist Seite 392, und lautet in wortgetreuer Ucbersetzung: „Man hat nur in Bukarest Veranlassung des kleinen Antheils zu erwähnen, welchen die eingeborenen Kaufleute am Handel des Landes nehmen. In der Moldau haben sich die polnischen Juden in die Stätte und aus das Land in solcher Menge verbreitet, daß sie aus dieser Gegend ein zweites Galizien gemacht haben. Nicht allein aller Handel und Verkauf, sondern auch alle die kleinen lokalen Industriezweige sind in ihre Hände übergegangen, und dieses Ansichreißen, durch die Indolenz der rumänischen Bevölkerung erleichtert, ist dieser verhaßt geworden, weil sie findet, daß sie dadurch verarmt und zu Grunde geht. Diese Stimmung hat

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