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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-04-27 · Heft 18 (27.4.1875) · p. Seite 287

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 18 (27.4.1875)
Date
1875-04-27
Page
Seite 287 (sequence 9)
Language
German
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287 Interpellation ist keine Entladung eines Geschosses, sondern nichts als ein Verpuffen von altem Pulver. Ter Schluß der Sitzung ist vor der Thüre; die Wahlen stehen bevor, man will die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Die Interpellation wird daher ganz unbeantwortet bleiben, sie war also an sich völlig unnütz. Tb der verehrte Abgeordnete bei der Wahl einen Bortheil daraus ziehen werde, sei dahin gestellt. Unter Umständen ist cs möglich — denn, wo gäbe es nicht Menschen, bei denen eine Explosion des Judenhasses immer Wohlgefallen findet? — unter Anderen aber auch das Gegentheil. Folgen wird die Sache nicht haben; aber wir werken doch immer von Neuem aufmerksam gemacht, daß es mit der Feindschaft gegen eie Juden noch lange nicht zu Ende ist. Eine solche Mahnung muß aber auch auf uns selbst ihre Wirkung üben. Im obigen Sinne sprechen sich auch die hauptstädtischen Blätter aus, aus denen wir Folgendes herausheben: „Hon" schreibt: .... Wie lange wird es bei uns noch eine erlaubte Waffe sein, den schlimmsten Leidenschaften des Belkes zu schmeicheln? Wie lange noch gestattet, die schon beinahe vergessenen Phrasen einer halbvergangenen Zeit zu benützen, um mit ihnen zu wirken? Tenn etwas Anderes ist diese Interpellation kaum. Gegen die Iudenschaft ward im letzten Herbst vom Standpunkte der Nationalität ein Kamps begonnen. Wir mißbilligten auch diesen. Aber dafür hatten wir noch Berständniß. Die Nationalität, wenn sie auch eine Leidenschaft ist, bleibt doch eine ecle Leidenschaft, und wenn ihr zuliebe eine Taktlosigkeit geschieht, so bietet die Absicht eine Entschädigung. Aber von welchem Gesichtspunkt aus ist es statthaft, wegen des materiellen Gedeihens einer Klaffe, eines Theiles des Volkes eine Action zu beginnen? In einem einzigen Falle ist dies zulässig: wenn dieses Gedeihen auf unerlaubte Weise gefördert wird. Dann ist aber der Trt für die Action nicht der Saal rer Legislative, sondern das Criminalgericht; das Werkzeug zur Bertheidigung nicht ras Ministerium, sondern der Richter, ver Klagesührende nicht der Abgeordnete, sondern der öffentliche Ankläger. .Alle diese Enuncialionen schmeicheln rer schlimmsten Leidenschaft des Volkes, der Leidenschaft, welche die Erfolge res industriellen, sparsamen Geistes haßt, gegen dieselben auch zu Repressalien bereit ist. Ungarn erfreut sich ja ohnehin eines so guten Renommees vor rem Auslände! Sein Credit blüht, seine Papiere sind gesucht! Es fehlt nichts weiter, als daß die Stimme, welche schon im Landhause leidenschaftlich klingt, aber noch leidenschaftlicher klingen wird, wenn sie im Volke ertönen sollte, uns auch in dieser Beziehung ein wenig in den Ruf Rumäniens bringe. Dann wird zu unserem Glücke ebensowenig etwas fehlen, als wenn wir zum Regierungsprincip den Satz erhöben: „Selig sind die Einfältigen!" „Nemzeti Hirlap" sagt über die Rede: Wir machen keine große Affaire aus der Rede des Herrn Jstoczy. Der größte Theil des Publicums wird mit uns und dem Abgeordnetenhause über dieselbe lächelnd zur Tagesordnung übergehen, und auch im überwiegenden Theile der Iudenschaft wird sie keine anderen Gedanken erwecken. Allein in Anbetracht der nicht geringen Zahl von Ungebildeten und Uncivilisirten, in Anbetracht des jüdischen sowohl als des christlichen Barbarismus und Fanatismus, müssen wir das Auftreten des Herrn JstOczy sowohl im Interesse des friedlichen Einvernehmens der Bürger unseres Vaterlandes, als auch des politischen Rufes Ungarns verdammen und bedauern. Von der Donau, 13. April. iPrivatmitth.! So ungern wir es thun, erfordert es doch die öffentliche Moral und der Schutz des Iudenthums, vor jeder Anklage gegenüber den Fehltritten Einzelner hier folgender Thatsache zu erwähnen und unsere Mißbilligung auszusprechen. Herr l'i. Hildesheimer aus Berlin hat sich an das österr. und ungar. Cultusministerium mit der Bitte gewendet, seinem Rabbinerseminar dieselbe Vergünstigung zu gewähren, wie dem Breslauer, hinsichtlich der Besreiung vom Militärdienst; er gab sich der Hoffnung auf die Bewilligung um so eher hin. als, wie er in seinem Gesuche bemerkte, auch das preußische Ministerium die sein Seminar besuchenden jungen Leute vom Militärdienste dispensirt habe. Man war vorsichtig genug, durch das Ministerium des Aeußeren bei Falk ansragen zu lassen und erhielt zur Antwort, daß das Hilresheimerffche Seminar eine Privatanstalt sei und von Milidärdienstbesreiung somit auch nicht die Rede sein könne. Selbstverständlich wurde Herr Dr. Hildesheimer von Seiten des österr. und ungar. Cultusministeriums abschläglich beschieden. Was soll man zu solchem Borgehen sagen? Ist denn die Wahrhaftigkeit nicht eine der ersten Forderungen der Religiosität. Frankreich. Paris, 15. April. Es ist sicherlich anerkennenswerth, wenn immer wieder die jüdische Tpferwilligkeit sich in selbst unerwarteter Weise kundthut. Es ist in d. Bl. wiederholt auf die Verlegenheit hingewiesen worden, in welcher sich die kleine portugiesische Gemeinde allhier befindet, da sie sich dem Cultus in der neuen Synagoge lllio ,U- I-, Vu-umc nicht anschließen will, ihr bisheriges Mierhslocal m der New Lamartine aber ihr gekündigt ist, und man zweifelte, daß sie die Mittel zur Beschaffung einer eigenen Synagoge erschwingen könne. In der jüngsten Zeit nun hat Madame Charles Heine (Winwe!, geb. Fulstado, zu diesem Zwecke 10,u00 Frcs. gespendet, der Graf von Camonto, Allegri, Beaucaire ainö und Cremieux, ein jeder 5ooo Frcs., u. nt. A., so daß die Aussicht vorhanden ist, doch noch zum Ziele zu gelangen. — Herr S. H. Goldschmivt, Bicepräsidenl der Alliance israelite, hat Vieser zwei neue Geschenke gemacht: 5300 Frcs., um das Deficit der Ackerbauschule von Jaffa zu decken, dann 10,000 Frcs. als zweiten Jahresbeitrag, den er aus fünf Jahre 18

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