Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 18 (27.4.1875)
- Date
- 1875-04-27
- Page
- Seite 285 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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285 in meiner Schule zu behalten und ich ersuche Sie, dieselben nach Empfang dieses Schreibens nicht ferner in meine Schule zu schicken. Mit Hochachtung W. Kühn, Seminardirector. Dresden, den 14. April 1875. Den 14. April 187 5. Hochgeehrter Herr! Im Besitze Ihres geehrten heutigen kann ich Ihnen mein Erstaunen über Form und Inhalt desselben nicht verhehlen. Ich kann einen Hinweis Ihrerseits aus das, was angeblich meine Pflicht gewesen wäre, nicht annehmen und weise Ihre darauf bezügliche Bemerkung mit aller Entschiedenheit zurück. Ob der § 6 des Gesetzes vom 25. April 1875 Ihnen die Berechtigung giebt, meine Kinder, die schon seit einem Jahre die unter Ihrer Leitung stehende Seminarschulc besuchen, im Laufe des Schuljahres nur wegen ihres religiösen Bekenntnisses vom Schulbesuch daselbst auSzuschliesien, darüber will ich mit Ihnen nicht in Tiseussicn treten. Dieserhalb werde ich mich vielmehr sofort an das hohe König!. Ministerium des ösfentllchen Unterrichts wenden, besten Entscheidung ich erwarten will, *) bevor ich eine Aenverung mit der Schule vornehme. Bis dahin werden Sie wohl keinen Ansland nehmen, meine Kinder in der Anstalt zu belasten. Mit gebührender Achtung ergebenst D. Bend an, Di-, pliil-, bis vor Kurzem Pros, der deut. Sprache u. Literat, a. d. Univers. der Stadt New-2)ork. München, 18. April. iPrivatmittheil.j Unter Hinweis auf unfern Bericht vom 12. März, abgedruckt in Nr. 12 dieser Zeitung, glauben wir den nachstehenden Passus aus dem allerhöchsten Landtagsabschied ,1. ,l. München 15. April, der beim feierlichen Schluß des Landtages am 16. April verkündet wurde, hier miltheilen zu sollen: „Der von beiden Kammern des Landtages an Uns gebrachten Bitte entsprechend, beauftragen wir Unser Staatsministerium des Innern für Kirchen und Schulangelegenheiten, bezüglich der unter dem Namen Neujahrgelder und dergleichen bestehenden Abgaben der Israeliten genaue Erhebungen pflegen zu lassen, und behalten Wir Uns über deren Ergebniß weitere Entschließungen vor." Oesterreich - Ungarn. Wie», 15. April. (Privatmilch.) Ich habe mehr Grund als der Prophet Amos zu sagen: „Ich bin weder ein Prophet, noch eines Propheten Sohn", nichtsdestoweniger war ich in der *) Wir bitten dringend um gefällige Mittheilung dieser Entscheidung. Die Redaction. Lage, voraus zu sagen, daß unsere Ultramontanen den verstorbenen Seminardirector Frankel nicht schonen werden. Wie ich höre üch selber habe das Blatt nicht, da ich das Gesetz befolge, Teuternom. 7, 26) ist dieser Fall wirklich eingetreten. Wir können über derartige Angriffe beruhigt sein. Es mag mir jedoch gestaltet sein, bei dieser Gelegenheit Felgendes zu bemerken. Als Frankel im Jahre 1856 von Tcplitz nach Dresden berufen wurde, berichtete die Prager Stadlhauptmannschaft über denselben an die Hcskanzlei in Wien. In diesem Berichte heißt cs: „Es ist bekannt, daß Frankel kein Vermögen hat (es handelte sich um das Abzugsgeld), wohl aber in Bezug aus seine intellectuelle Bildung in seiner neuen Anstellung nur dazu beilragen werde, den Ruf der österreichischen Bildungsanstalien zu vermehren, besonders da Frankel auch in jeder andern Beziehung die besten politischen Gesinnungen und eine treue Anhänglichkeit für seine Regierung bewahrt." Ter Deputirte Ist-'-czy fand es angemessen, im ungarischen Landtage gegen die Juten zu donnern. Die gesummte Presse, mit Ausnahme der ultramontanen, nahm für die Juden und gegen den Depulirten Partei. Es haben sich denn doch die Zeiten gewaltig verändert. Sonst wüßte ich Ihnen von hier nichts interessantes mitzutheilen. Gestalten Sie mir mit smrvn:!*? zu schließen. Sie berichteten bereits über die neue Oper: „Die Königin von Saba" von Golrmark, welche im hiesigen Opernhause mit großem Beifalle aufgeführt wurde. Der Eomponist ist ein Jude und der Verfasser des Textes ist ein Jude und selbstverständlich wimmelt der Theaterzettel von jüdischen Namen: aber die Handlung ist unbedeutend. Da bemerkte Jemand: Lauter Juden, aber es wird nichts gehandelt. .1.1 vorem Theater will ich noch berichten, daß Herr Julius Sulzcr, Sohn unseres berühmten Obercantors, vor einiger Zeit zum Capellmeister des Hosburgthcaters ernannt wurde. Aus Böhmen, im April. (Privatmitth. > Die jüdische Vertretung in der Schulverwaltung von Böhmen. In Nr. 16 Ihres verehrten Blattes haben Sie, Herr Redacteur, eine Darstellung der Deputationsverhältnisse in der deutschen Schulverwaltung gegeben, die uns wieder klar beweist, wie weit die Juden in Deutschland noch von einer rationellen Gleichstellung in ihren wichtigsten Angelegenheiten entfernt sind. Erlauben Sie mir. Ihnen im Folgenden eine Schilderung der entsprechenden Zustände bei uns in Oesterreich zu geben und Sie werden sehen, daß auch hierin bei uns gründlicher mit altem Borurtheil aufgeräumt wird, als draußen im heiligen Reich, wenn es auch nicht mehr römisch ist. Die neue Schulgesetzgebung vom 14. Mai 1S6‘3 hat der Geistlichkeit, als solcher, die Oberaufsicht über die Schule genommen, und durch das Gesetz vom 24. Februar 1873 sind die Schulaussichtsverhältnisse bei uns, in Böhmen, endgiltig geregelt. Die Verwaltung und Aufsicht ist eine vollständig autonome, und