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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-04-20 · Heft 17 (20.4.1875) · p. Seite 271

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 17 (20.4.1875)
Date
1875-04-20
Page
Seite 271 (sequence 9)
Language
German
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271 wie er gestellt ist, einigermaßen genügen zu könne». Nr. Vlil. giebt den Cafsenbestand des Gemeindebundes am 20. Marz an, nämlich 7329 M. 80 Pf. (nicht 4329 M., wie durch einen Druckfehler in den Mittheilungen steht», wozu 387 M. 50 Pf. Zinsen kommen, also zusammen 7717 M. 30 Pf. Den Schluß macht das Einladungscircular zum zweiten ordentlichen Gemeindelag. Leipzig, 11. April. Der heute hier abgehaltene deutschisraelitische Gemeindetag beschloß, dem preußischen Ministerium und dem preußischen Landtag eine Resolution mitzutheilen, welche ausspricht, daß es im Judenthume verschiedene Confessionen nicht gebe, darum die auf Trennung der Gemeinden wegen confessioneller Bedenken gerichteten Bestrebungen ungerechtfertigt und nur ein Borwand seien für Indifferente, sich von der Gemeinde zu trennen. Die gesetzliche Sanction der Trennung würde den Ruin der Gemeinden herbeiführen, und das etwaige Vergehen Preußens nach dieser Richtung würde für alle deutsche Staaten maßgebend sein. Die Aufhebung des Gemeindezwanges sei eine Verletzung der Gleichberechtigung der Confession, so lange der Parochialzwang aufrecht erhalten werde. Die Einheit der Gemeinden sei in jedem Falle aufrecht zu erhalten und den berechtigten Bestrebungen der Minoritäten Rechnung zu tragen durch Ueberlaffung entsprechender Quoten ihrer Gemeinvebeiträge zu ihrem besonderen Ritus. (Wir freuen uns dieser Resolution, da sie gedrängt ausspricht, was wir seit so langer Zeit predigen, erwiesen und empfohlen haben. Redaction.) Colberg, im April. (Privatmitth.) Wir haben seiner Zeit in diesem Blatte die glücklichen Erfolge besprochen, welche die angestrengten Bemühungen, ein jüdisches Kurhospital im hiesigen Bade zu errichten, erlangt haben. Herr N. Oppenheim in Berlin kaufte ein Haus für 12,800 Thaler, und übergab es dem Vereine nach Abzahlung von 580» Thalern zur zins- und miethsfteien Benutzung. Das Hospital wurde für seine Zwecke umgebaut und eingerichtet, was zusammen einen Aufwand von 3439 Thalern erforderte. So wurde die Anstalt am 26. Juli 1874 eröffnet, und zwar mit zehn Betten, die, weil erst versuchsweise, diesmal nur einmal belegt wurden, während sie zukünftig in jeder Saison dreimal belegt werden sollen, also für dreißig Kranke genügen. Herr N. Oppenheim zahlte 2400 Thlr., wofür zwei Betten auf des Geschenkgebers Namen eingeschrieben werden sollten. Das gegenwärtige Vermögen der Anstalt beträgt 6191 Thlr. 9 Sgr. 6 Pf., hiervon sind 5800 Thlr. auf daS Grundstück angezahlt und 391 Thlr. 9 Sgr. 6 Pf. Kaffenbestand. Unter diesen Umständen kann die Aufforderung des Vorstandes, die junge Anstalt nachdrücklich zu unterstützen, nicht dringend genug empfohlen werden. Es kann dem jüdischen Bewußtsein nur zur Beftiedigung dienen, neben den Kurplätzen in Teplitz, Karlsbad und Warmbrunn auch im Norden des deutschen Vaterlandes für die leidenden Glaubensgenossen eine in ihrer Wirksamkeit anerkannte Heilquelle eröffnet zu wisien. Kempen (Posen), 9. April. (Eingesandt.) Dieses Blatt berichtet oft von Fällen, in denen den jüd. Geistlichen die Gleichstellung mit anderen, christl. Confession, verweigert wird. Heute habe ich den — gewiß seltenen — Fall zu berichten, daß Juden sich in öffentlicher Stadtverordnetensitzung gegen die Gleichstellung ihres Geistlichen ausgesprochen haben. Es wurde nämlich von dem Rabbiner der hiesigen Gemeinde bei der Stadtverordnetenversammlung der Anlag gestellt, ihn von der Gemeinde-Einkommensteuer zu befreien, da er hierin eine Anerkennung der jüd. Religionsgenoffenschaft erblicken würde, insofern auch der evang. und kathol. Geistliche davon befreit sind. Der Vorsitzende, Herr Rechtsanwalt Ur. Chafferkiewicz (Christ), leitete die Sache so ein, daß er vom Standpunkte der Humanität den Antrag für gerechtfertigt halte. Und siehe da, orthodoxe Juden, die sich mit den Polen vereinigt hatten, sprangen auf und bekämpften den Antrag mit allen nur erdenklichen Mitteln. Der Grund dafür ist, weil der Rabbiner nicht von der orthodoxen Sippe, sondern vom Vorstande und den Repräsentanten gewählt ist, die den elenden Zuständen der Gemeinde, die so erklärlich sind, daß sie jeder Beschreibung spotten, ein Ende zu machen bestrebt sind. Der Antrag fiel in Folge dessen, da die Christen, als sie sahen, daß jüd. Mitglieder unter ganz gemeinen Vorwänden sich dagegen aussprachen, keine Veranlassung halten dafür zu stimmen. So geschehen zu Kempen, einer Stadt im deutschen Reiche und in Preußen, freilich nahe der Polakei. — Welcher aan bibn! Holland. Amsterdam, 7. April. (Privatmiltheil.) Ich habe Ihnen über die jüngsten Vorgänge allhier geschrieben, nichts über die Wahlen des vr. Dymer zum Oberrabbiner von Amsterdam und über dessen Installation. Was sollte dies auch das allgemeine Publikum interessiren? Bedeutet es doch nur die Fortsetzung der bisherigen Berhältniffe und Zustände, und schließlich wird es nur von Wenigen anders gewünscht. Wenn in den letzten Jahrzehnten hierorts Veränderungen vorgegangen, so bestehen diese darin, daß die Zahl der sogenannten gebildeten Juden sich in der reichen Claffe vermehrt, an religiösem Sinne aber sehr vermindert hat, und daß das jüngere Geschlecht eine sittliche Richtung genommen, welche nur erschrecken kann. Wir haben hier unter den reichen Juden eine jeuues^ cWec. die sich mit der irgend einer der größten Weltstädte messen kann. Der von den Eltern erworbene Reichthum wird in schlimmster Weise vergeudet. Daher auch die betrübende Erscheinung, daß aus der jüdischen Jugend sich nur wenige tüchtige Männer herausbilken, wie sie aus dem vorhergegangenen Geschlechte in verhälmißmäßig großer Zahl entsprungen sind, und als Avvocaten, Aerzte, 17

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