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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-04-20 · Heft 17 (20.4.1875) · p. Seite 269

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 17 (20.4.1875)
Date
1875-04-20
Page
Seite 269 (sequence 7)
Language
German
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Da ist es eiue sehr wichtige Frage, die aber bis jetzt noch kaum aufgestellt worden: welche Bedeutung da der Meinungsäußerung eines einzelnen gegenüber der Anschauung der Gesammtheit zugestanden werden soll? Denn es giebt Zeiten, wo eine große Neigung vorhanden ist, sich Ansichten hinzugeben, welche den bisher gültigen sich geradezu entgegenstellen, es sind dies Zeiten, wo die Entwickelungskraft sehr lebendig ist, und deshalb Ausschreitungen am leichtesten eintreten. mit der Forderung der Gleichheit am ersten und entschiedensten austrat, war zugleich mit dem überschwänglichsten Selbstgefühl begabt. Unerschütterlich in den Folgerungen aus seinen Voraussetzungen, erscheint er sofort kleinlaut und schwankend, als ihm ein Freund die Wirkungen auseinandersetzte, die mit einem Versuche, seine Ideen auszusühren. verbunden sein würden. In seiner Ehrlichkeit gesteht er zu (2. Mai 1S4J, Leite 172), daß man erst in eine Periode des „Uebergangs" eintreten müsse, und stellt biersür Forderungen auf, die, so ernst er sie auch behauptet, doch fast kindischer Natur sind. Dieses Beispiel ist äußerst lehrreich. 2reituiicj äitoccßt^cßteii. Deutschland. Köln, 6. April. Ju Paris ist der bekannte rheinische Socialist Moritz Heß nach längeren Leiden heute gestorben; die Leiche wird auf Wunsch des Verstorbenen nach Köln übergeführt. (Nach vielen Wandlungen hatte Herr Moritz Heß eine Zeit, wo er sich mir seiner Gerstes- und Sprachgewandtheit auch dem Judenthume zuwandte und in einer lebhaft abgefaßten Schrift die Rückkehr nach und einstweilen die Colonisation in Palästina dringend empfahl. Da wäre nun nichts einzuwenden gewesen, wenn nicht Heß zugleich Alle, die seiner Meinung nicht waren, zu verketzern und ohne Beranlaffung zu schmähen begonnen hatte, was er eine Zeit lang fortsetzte, bis er einsah, daß man nicht daraus achtete.) Frankfurt a« Main, 6. April. sPrivatmittheilung.) In diesen Tagen wurde das diesmalige Schulprogramm der „Realunv Volksschule der israelitischen Gemeinde" von Director Dr. Baerwald ausgegeben. Dasselbe enthält den zweiten Theil der Abhandlung „Zur Geschichte der Schule", nämlicb über den sehr interessanten Zeitraum von 1804 bis 1822. Die Erlebnisse der Schule werben von der Geistesrichlung und den großen Ereignissen der Zeit mit ihrem so sehr verschiedenem Charakter beeinflußt, und geben so im Kleinen eine Abspiegelung des Ganzen. Die Schule selbst befindet sich in blühendem Zustande, und man kann sich aus dem ausfübrlichen Lecticnsplane überzeugen, wie gründlich in ihr gearbeitet wird. Sie ist daher auch gezwungen, zahlreiche Anmeldungen zurückzuweisen, und trotzdem steigert sich ihre Frequenz. Sie zählte am Schluffe des Schuljahres 822 Zöglinge, nämlich 478 in der Knaben- und 344 in der Mädchenschule. — In Frankfurt a. Main ist vor einigen Tagen der erste Jude an einer höheren Lehranstalt, dem dortigen Gymnasium, als. ordentlicher Lehrer angestellt worden. Berlin, 9. April. (Privatmilch/- Hiesige und auswärtige Zeitungen, namentlich die hiesige Bolkszeitung und die Köln. Zlg., haben in der jüngsten Zeit wieder viele Artikel über die Verfassung der jüdischen Gemeinden gegen die Beitragspflichr und zu Gunsten des freien Austritts gebracht. Es wäre sehr überflüssig, in diesem Blatte sich abermals über deren seichtes Raisonnement, die Entstellungen des geschichtlichen Verlaufs, und besonders über die Heuchelei auszulaffen, die darin liegt, immer nur „von confessionellen Bedenken" zu sprechen, und doch die Beitragspflicht, also die Geldfrage zum Angelpunkt zu machen. Nur das Eine wollen wir hervorheben, daß in diesen Artikeln immer von den außerordentlich vielen Petitionen die Rede ist, welche bei dem Abgeordnetenhause zu Gunsten des Austritts eiugelaufen seren, und die die Petitionscommission veranlaßt haben, nach dieser Richtung ihren bekannten Antrag zu stellen. Es scheint daher angemessen zu sein, die Lücke auszufüllen, die ich in Ihrem Blatte bemerke, da Sie von dem Berichte der Petitionscommission, der vom 20. Februar 1875 datirl, keine Erwähnung gethan. Außer der immer wiederholten Petition der Hirschischen Religionsgesellschaft zu Frankfurt a. Main sind folgende Petitionen eingelaufen: „Joseph Winter und 26 Genossen zu Markisch-Gladbach; Vorsteher der israelitischen Religionsgesellschast zu Wiesbaden; die Vorsteher der Culmsgemeinde zu Hosheim; die Vorsteher der Cultusgemeinde zu Biberich; die Vorsteher der Cultnsgemeinve zu BierstLdt; die Vorsteher der Cultusgemeinde zu Schierstein; R. H. Sander zu Moßbach petitioniren in derselben Weise. Ans diesen ähnlich begründeten Petitionen ist noch hervorzudeben, daß in Wiesbaden ein Fremder für eine gegen seinen Willen gehaltene Grabrede den nicht bestellten Geistlichen mit 30 Mark honoriren mußte; vaß ein Erlaß des Bezirksrabbinats, den die Petenten als eine Art mittelalterlichen Bannfluch bezeichnen, die zum Austritt nicht verstattelen übrigen Gemeindemitglieder in ein falsches Licht stellt und ihrer Würde nachteilig wirkt." „Herr C. A. Ja hl in Wiesbaden hat die Berwaltungsunv gerichtlichen Behörden in Wiesbaden um Steuerbefreiung, resp. einstweiligen Austritt aus der Gemeinde angegangen, was ihm in beiden Fällen nach der Lage der Gesetzgebung nicht gestattet werden konnte." „Der israelitische Prediger S. Mayer zu Wetzlar hat eine Petition eingereicht, um in derselben die von den Gegnern der Austrittsfteiheit erhobenen Bedenken zu widerlegen. Der

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