Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 17 (20.4.1875)
- Date
- 1875-04-20
- Page
- Seite 266 (sequence 4)
- Language
- German
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266 selbstständige sociale Macht mit ihrem einheitlichen Auftreten, sowie mit den von ihnen verschafften, unter den jetzigen Verhältnissen unwiderstehlichen Waffen sowohl auf politischem als aus socialem und volkswirthschaftlichem Gebiete von Tag zu Tag in größeren Dimensionen Errungenschaften macht und die nichtjüdischen Elemente nicht nur überflügelt, sondern sogar zu unterdrücken droht; in Anbetracht ferner dessen, daß die Judenschaft einen unter der Führung einer internationalen Leitung stehenden, sich über Ute Interessen des Staates und der Nationalität erhebenden kosmopolitischen Organismus bildet, welcher, wie er es auch bei uns in den fünfziger Jahren zur Genüge bewiesen hat, zur nationalen Sache nur so lange Anhänglichkeit zu bezeugen pflegt, als die vorhandenen oder bevorstehenden politischen Verhältnisse derselben die Macht oder die Aussicht der Macht sichern und auf diese Weise dieselbe zu den Zwecken der eigenen Kaste ausin Anbetracht, daß es nicht der Beruf Ungarns sein kann, noch auch nach den in jüngster Vergangenheit gemachten Erfahrungen in seinem Interesse liegen kann, als Versuchsterritorium für diese wirthschaftliche Oligarchie und für die durch dieselbe zur Feststellung ihrer politischen Herrschaft strebende Kaste zu dienen, und in Anbetracht jenes analogen Standpunktes, welchen nach dem Beispiele der übrigen europäischen Regierungen auch unsere Regierungen dem wenigstens bei uns relativ weniger gefährlichen Ultramontanismus und der Internationale, respective der Socialdemokratie gegenüber einnehmen, frage ich das geehrte Ministerium: 1. Hat es die Absicht, durch Einbringung des von den bisherigen Regierungen bei mehreren Gelegenheiten versprochenen, dis jetzt aber noch immer nicht eingeführten, das Jnkolat regelnden Gesetzentwurfes der Einwanderung der vom Auslande kommenden, Ungarn überschwemmenden Juden einen Damm entgegenzusetzen? 2. Würde die Regierung einer aus socialem Gebiete gegen diese aggressive Kaste seitens der nichtjüdischen Elemente eventuell zu unternehmenden friedlichen Bewegung zur Selbstvertheidigung Hindernisse in den Weg legen? 3. Gedenkt sie überhaupt dieser Frage gegenüber einen entschiedenen Standpunkt einzunehmen, oder ihre, bisher durch die seit Ertheilung der Emancipation im Staatsleben und auf dem Gebiete der öffentlichen Verwaltung aufgetauchten Erscheinungen nicht gerechtfertigte vollständige Neutralität und gleichgilrige Politik auch fortzusetzen? Die Interpellation wird der Regierung zugestellt werden. Soweit die Interpellation. Wir unsrerseits vermögen hierbei nichts Besseres zu thun. alseinen vortrefflichen, aus christlicher Feder geflossenen Artikel des.,.Pester Lloyd" vom 9. d. hier wiederzugeben.- Sehen mußte man ihn. den schwärmerischen Jünger walachischer Weltanschauung, unfern braven Abgeordneten Jstöczy, wie er in den feierlicheren Augenblicken seiner Kreuzpredigt die rechte Hand unter die Hüften legte, gleichsam um nach alttestamentarischer Sitte der Erzväter Abraham, Isaak und Jakob zu schwören, daß er es ehrlich meine, wie er die Linke entsetzt zur Abwehr ausstreckte, um einen offenbar nur ihm sichtbaren Feind von sich fernzuhalten und wie der junge Mann mit den eingefallenen bleichen Wangen, stieren Blickes hineinstärrte in die Luft, als träte ihm ein Gespenst vor die geängstigte Seele — sehen mußte man ihn in dem ganzen Habitus, um zu begreifen, was in ihm vorging. Vielleicht wissen dies die Wenigsten im Parlamente; wir wissen es, denn uns hat innige Sympathie das Auge geschärft für das namenlose Weh, von welchem unser Jstüczy geplagt ist. Der arme Mann sah den Panjudaismus, aber nicht als wesenloses Schemen, sondern als einen leibhaftigen polnischen Rabbi mit Schmachtlocken und Judenbart und in der Hand hatte die Gestalt ein blinkendes, fatales Messer, rituell präparirt und geschärft, wie Heine in der „Disputation" es beschrieben, und nah' und immer näher rückte ihm der Schreckliche an den Leib — und da sollte einem Manne, der noch etwas zu verlieren hat, nicht angst und bange werben? Ja, wir haben diesen Schmerz sehr wohl begriffen, aber nimmer hätten wir geglaubt, daß auch die Väter Patay und Majoros, die dem Redner leivvoll zunickten, noch Berständniß besitzen sollen für die Qual Jstöczy's. Kann denn wirklich auch diesen Wackeren eine Gefahr drohen? Angesichts solcher Gemüthsstimmung, in welcher Herr Jstüczy sich befand, wäre es ein grausames Beginnen, an seine Rede und Interpellation den Maßstab kritischen Urtheils zu legen. Er sprach, wie er sprechen mußte und wie er sich seine Vorstellungen aus der Lectüre schlechtverstandencr auswärtiger Schriften, wohlbegriffener Tractärlein des heimischen Volksvichters, Tatür Pvter und unseres geehrten Collegen „Magyar ^llam" gebildet. Das ist eben der unberechenbare Nachtbeil, den ras Vertiefen in die romantische Literatur für empfängliche Gemüther hat. Die Leidensgeschichte Don Quixote's ist ein ewig warnendes Exempel. Der Ritter von der traurigen Gestalt hätte seine Tage in Frohsinn und Heiterkeit beschließen können, wäre er nicht in die Hexenküche der Romantik gerathen, aber da sog er sich voll unsterblicher Narrethei und zog dann aus, um gegen Windmühlen zu kämpfen. Und unserem armen Jstüczy geht es nicht besser. Er sieht, gleich dem Fürsten Windischgrätz — große Geister begegnen sich — eine ganze „verjudete" Welt vor sich, ganz Europa und die umliegenden Welttheile sind in Staat und Gesellschaft vom Judaismus durchdrungen, das Capital, die Presse, die Volkswirrhschaft sind unter den Bann des Jubenrhums gebracht — darf er, Don Jstöczy, diese Verjudung noch weiter um sich greifen laffen? Hat er. als christkatholischer Mensch, nicht die heilige Pflicht, die christliche Gesellschaft zu retten, und ist es nicht das gelindeste Verfahren, wenn er von der Regierung verlangt, sie möge ihm nicht hinderlich sein, das Judenthum auf friedlichem