Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 17 (20.4.1875)
- Date
- 1875-04-20
- Page
- Seite 265 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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265 Eine Äudenftaze im Ungarischen Äbgeordnetenhause. Pest, 8. April. Der nimmer rastende Judenhaß hat uns zum Pessachfeste eines seiner beliebtesten Geschenke gebracht — eine von Judenhaß strotzende Interpellation. Man braucht nur die vielen unrichtigen und unwahren Behauptungen, deren Diese Rede voll war, z. B. daß die Juden mit dem Ultramontanismus und der Internationalen Hand in Hano gingen, daß der Katholicismus loser Zusammenhalte und weniger organifin sei, als der Protestantismus u. f. w., in's Auge zu fassen, um sich ves faulen Fundaments bewußt zu werden, auf welches dieser ganze Angriff sich stützt. Uebrigens braucht man dem Vorgänge nicht allzu viel Bedeutung beizulegen, da die Regierung diese Interpellation unbeantwortet lassen wirb. Wir geben hier eine Skizze der Sache aus der heutigen Sitzung nach dem „Pester Lloyd" wörtlich: Victor Jstöczy erhebt sich, um seine bereits vor Wochen avisirte Interpellation in der Juden frage im Wege des Ministerpräsidenten an die Gesammtregierung zu richten. Mit Spannung hört das Haus der einstündigen Rede zu, in welcher Redner die unten im Wortlaute folgende Interpellation motivirt. Ungefahr zwei Drittel der Rede waren bereits gesprochen, als der Präsident den Redner darauf aufmerksam machte, daß wohl die Hausordnung keine Bestimmung betreffs der Ausdehnung einer Motivirung enthält, daß aber jedem Abgeordneten ras eigene Taktgefühl sagen muffe, wie lange er, angesichts der auf rer Tagesordnung befindlichen wichtigen Verhandlungen die Zeit res Hauses in Anspruch nehmen dürfe. Redner versicherte, daß er bisher die Aufmerksamkeit res Hauses gar nicht in Anspruch genommen habe (Rufe: So ist's!) und bittet deshalb, seine Rede bis zu Ende anzuhören. Wir wollen nun den Gedankengang der Motivirung, welche sich sehr genau an die vom Redner übersetzte Broschüre von Du Mesnil-Marigy anschließt, zu skizziren versuchen. Man ist allgemein — sagt Redner — von der irrigen Auffassung befangen, die Juden bilden blos eine besondere Confession, gehören aber in allen anderen Beziehungen zu rer Nation, in deren Mitte sie wohnen. Dem ist nicht so, die Juden bilden eine mächtige Kaste, einen mächtigen, die ganze Welt umfaffenden Bund, welcher nach nichts Geringerem strebt, als nach der Unterdrückung der übrigen Religionen, nach der Weltherrschaft, nach dem Panjuvaismus. Zu diesem Zwecke erwerben sie die geschicktesten, mächtigsten Vertreter, versuchen sie, die Staaten sich finanziell abhängig zu machen, um dadurch auch auf die Politik Einfluß zu nehmen unr sie ihren Zwecken dienstbar zu machen. Sie ziehen mit den ihnen eigenen Fähigkeiten und mit seltener Zähigkeit die größten Reichthümer an sich und vermehren dadurch die Ungleichheit in den Vermögensverhältnissen, um nur ein großes Proletariat zu schaffen. Denn der Judaismus verbindet sich mit der Internationale und mit dem Ultramontanismus zur Erreichung rer Wellherrschaftszwecke. Die Welt ahnt schon die Gefahr, welche die enggeschloffene Phalanx der Juden über sie bringen kann, und beginnt Schutzmaßregeln zu treffen. Die Juden sind äußerlich wohl in Neologen und Orthodoxe geschieden, aber beide verfolgen ein Ziel. Nur daß die Orthodoxen die Kaste rein erhalten wollen von fremder Beimischung, um dereinst das reine Judenlhum zur Herrschaft zu bringen, während die Neologen sich die Journalistik zu ihrer erfolgreichen Waffe ausersehen haben, in welcher jeder 'Angriff gegen den Judaismus oder gegen ein einzelnes Mitglied desselben in tausendstimmigem Chorus nievergeschrieen wird. Die Juden drängen sich in jede Gesellschaft ein, und wo sie sich eingenistet, da sind sie nicht mehr fortzubringen; sie wollen überall Zutritt haben, selbst aber sind sie ungeheuer exclusiv, umgeben sich mit einer chinesischen Mauer und bilden die furchtbarste aller Aristokratien, die Pluto-Aristokratie. Die Juden heucheln Liberalismus, sind aber sehr conservativ, sie schließen sich jeder siegenden Partei an, um dieselbe auszunützen. Die Gefahr, welche die enggeschlossene Phalanx der Juvenheil für die übrigen Confessionen, namentlich für den Katholicismus, welcher nicht so fest zusammenhälr wie der Protestantismus, in sich birgt, ist für Ungarn von höchster Bedeutung, und will man nicht, daß die Herrschaft des Judaismus sich hier zuerst entfalte, fo müsse man bald entschiedene Maßregeln gegen diese Gefahr treffen. Redner will keine Judenverfolgungen anempfehlen, denn die Geschichte lehrt, daß die Juden sich trotz aller Verfolgungen vermehrt haben und immer mächtiger geworden sind, ja, hätte man die Juden nicht verfolgt, so gäbe es heule gar keine Judenfrage mehr. Redner meint blos friedliche Maßregeln, welche die Gefahr abzuwenden im Stande wären. Er verliest nun die Interpellation, welche lautet: Interpellation an das Gesammtminisleriirm. In Anbetracht dessen, daß auch nach der vom sehr geehrten Herrn Cultus- und Unterrichtsminister in der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 4. Juli 1874 abgegebenen Erklärung, in ganz Europa kein Staat existirt, in welchem das jüdische Element einen größeren Einfluß und ein größeres Gewicht besitzt, als in Ungarn; in Anbetracht, daß dieses Element rm Lande selbst, besonders aber in Folge der Einwanderung sich sehr schnell vermehrt und die Uebersä'wemmung des Landes besonders durch eingewanderte Juden schon wiederholt Gegenstand verschiedener Discussion in der Presse aller Parteischattirungen bildete, und sich das Publikum mit dieser Frage feit Jahren lebhaft beschäftigt; in Anbetracht, daß dieses Element feinem Innern nach und auch den äußerlichen Erscheinungen gemäß nicht fo sehr eine Confession bildet, als vielmehr den Charakter des im Alterthume herrschenden und längst veralteten Kastensystems hat, als eine