Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 16 (13.4.1875)
- Date
- 1875-04-13
- Page
- Seite 253 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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253 Angelegenheit nicht weiter verfolgt, weil ich glaube, daß in dem zu erwartenden Unterrichtsgesetz auch in dieser Beziehung die volle Parität der Confefsionen gewahrt sein wird. Dr. Jac. Cohn, Rabbiner. Endlich kommen wir zur dritten Kategorie, die uns principiell hier am meisten interessirt. In Sieg bürg (bei Bonn) enthält das von der Kgl. Regierung zu Köln unter dem 6. April 1872 genehmigte Statut rer höhern Töchterschule in § 3 die Bestimmung, daß das Curatorium dieser Schule immer ein Mitglied der israelitischen Confession haben müsse. Aus Neuwied (Rheinprovinz» schreibt man: In hiesiger Stadt besteht eine sogenannte städtische höhere Bürgerschule simultanen Charakters; das Curatorium dieser Anstalt, stets von rer Stadtverordetenversammlung gewählt, zählte bis gegen Ende 1873 nur kathol. und evangel. Mitglieder und zwar im Berhältniß zur - Bevölkerungsziffer gedachter Confefsionen unsrer Stadt. Zu vorangegebener Zeit war die Amtsdauer einiger Mitglieder abgelaufen und des paritätischen Charakters der Anstalt wohl eingedenk, wählte mich die Stadtverordnetenversammlung, zu welcher ich feit acht Jahren zähle, einstimmig qua Jude in das diesbezügliche städtische Schulcuratorium. A. Rein ach. In Lissa ist Rabb. l)r. Bäck, Mitglied der städtischen Schuldeputalion, und zwar als Vertreter der hierorkigen jüd. Elementarschule. Ebenso Herr Rabbiner l)r. F. Cohn in Oels. Aus Dt. Crone theilt man uns mit: „In der für das hiesige Schulwesen bestehenden gemischten Schulbeputation befindet sich ein jüdisches Mitglied in der Person des Herrn M. Apolank, welcher von der Gemeindevertretung hierzu gewählt worden ist. Don einigem Jnteresie dürste noch die Mittheilung sein, daß seil dem Jahre 1873 die beiden jüdischen Lehrer an der Gemeindeschule aus Staatsmitteln außer den üblichen Alterszulagen eine jährliche Gehaltszulage von 90 Thlr. resp. 40 Thlr. erhalten. Diese Zuschüffe wurden jedoch erst durch eine Entscheidung des Herrn Cultusministers geleistet, nachdem die Lehrer mit ihrem Gesuche von der König!. Regierung zu Marienwercer dreimal unter allerlei Ausflüchten zurückgewiesen worden waren. Endlich aus Homburg v. d. Höhe, daß der hiesige Gemeinderath, Herr W. Ackermann, in seiner Eigenschaft als Jude, der „Ortsschulcommission" angehört, welche die der Communalschule („Allgemeine Bürgerschule") Vorgesetzte Behörde bildet. In G r ä tz ist ein Jude Mitglied der städtischen Schuldeputation und zwar als Vertreter der jüdischen Bevölkerung. Es besieht nämlich seit 1845 in Grätz ein Uebereinkommen, daß von jeder Confession ein Drittel der Stadtverordneten gewählt werde und von diesen wird je ein Mitglied aus jeder Confession zur Schuldeputation gewählt. Wreschen, 1. April. «Privatmittheil.) Seit acht Jahren besteht in hiesiger Gemeinde unter der umsichtigen Leitung des Herrn H. Zabinski ein Armenverein, welcher auch hier erwiesen hat, daß durch einen solchen Verein der Bettelei, besonders der gewohnheitsmäßigen, nachdrücklich vorgebcugl wird, so daß, wenn alle Gemeinden oder auch nur die Mehrzahl in gleicher Weise verführen, das Ziel bald erreicht werden würde. Allerdings muß man einen solchen Verein, wie es auch hier geschieht, pflegen. Jährlicher Rechenschaftsbericht und Generalversammlung mit feierlicher Ansprache res Rabbiners, wie Herr Dr. Holländer in ergreisender Weise thut, sind erforderlich, um Theilnahme und Eifer zu erhalten. Ter hiesige Armenverein har im vorigen Jahre 2117 Mark ausgegeben gegen 2904 Mark Einnahme. Leipzig, 3. April. (Privatmitth., Wie wir bereits in Nr. 13. gemeldet, sinder Sonntag den I I. April der zweite statutenmäßige Gemeindetrg statt. Die Tagesordnung ist folgendermaßen ausgestellt: „1. Berichterstattung des Ausschußes und des Vorortes. 2. Juftisicalion der von dem Vororte abzulegenden Rechnung auf Grund des von dem Ausschüße zu erstattenden Revisionsberichles. 3. Grunczüge zu einem Musterstatut für Gemeinden. 4. Resolution in Angelegenheit der zunächst in Preußen schwebenden Gemeinde-Verfaßnngsfrage. 5. Die Einordnung des israelitischen Religionsunterrichts (Beschluß des ersten Gemeindeiags). a) in die Volksschule, I>) in die höheren Lehranstalten. 6. Resolution in Angelegenheit der Beschaffung eines Beamlen-Pensionsfonds «wozu bereits 1000 Thlr. vorhanden sind). 7. Resolution in Angelegenheit der Bildung von Bezirksverbänden zur wirksamen Förderung rer Armenpflege unter Beseitigung ccr gewerbsmäßigen Wanrer- und Hausbettelei. 8. Resolution zur Förderung der Stiftung für sebstständigen Erwerb anstrebende, hülfsbedürftige jür. Wittwen und Mädchen. 9. Streichung der Worte: einschließlich der deutsch-österreichischen Gemeinden, itz I und 2 des Gemeindebund- Status.) 10. Neuwahl res Ausschußes und Vorortes. 11. Bestimmung res Ortes zum nächsten Gemeindetage. 12. Eventuelle Anträge laut $ S letztes Alinea." Wie man sieht, ist die Tagesordnung sehr reichhaltig, und wird die Versammlung Mühe haben, sie ganz zu bewältigen. Wir werden über den Verlaus berichten. Trier, 3 l. März. (Privatm.) Der Correspondent .4. 0. Berlin, 5. März in Nr. 12 dieses geschätzten Blattes will die Staatsregierung, daß sie im Etat keine Subvention für ren jüdischen Cultus ausgenommen hat, damit entschuldigen, daß die Juden noch mit keiner bestimmten Forderung an die Slaatsregierung oder Vas Abgeordnetenhaus herangelreten sind. Der-