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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-04-13 · Heft 16 (13.4.1875) · p. Seite 251

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 16 (13.4.1875)
Date
1875-04-13
Page
Seite 251 (sequence 5)
Language
German
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251 2rettuiicj diKxclat/tcßt eu. Deutschland. Berlin, 3. März. «Privatmilth.j Es ist eine schöne UNO verdienstvolle Aufgabe, welche sich die „A. Z. d. I." gesetzt bat, von den wohlthätigen und gemeinnützigen Werken, Einrichtungen und Anstalten in den jüdischen Gemeinden aller Orten, die sich wirklich bewähren und das Jnteresie aller denkenden und fühlenden Menschen beanspruchen. Bericht zu erstatten. Es wird dadurch der Zusammenhang zwischen Liesen Anstalten und den Bekennern des Judenthums lebendig erhalten; es werden Vorbilder zur Nacheiferung ausgestellt; es finden dadurch diese Anstalten und die Personen, welche sich darum bemühen und verdient machen, eine gerechte Anerkennung; endlich wird aus diesem Wege jene große Lehre unsrer Religion, daß es eine Verpflichtung der Besitzenden ist, für die Hülssbedürstigen zu sorgen und jedmögliches Opfer zu bringen, in den Geistern immer wieder erneuert und bekräftigt. Doch noch dies lasten Sie mich hinzusügen, daß hierdurch das Publikum zwischen den reellen wohlthätigen Werken und jener Projectenmacherei zu unterscheiden lernt, welche in unsrer Zeit sich allzuoft breit macht, und alle Augenblicke mit einem neuen Aufruf für irgend einen entlegenen, oft gar nicht ausführbaren Zweck austritt. — Ich füge diesen allgemeinen Sätzen den Bericht über ein specielles Institut hinzu: Die hiesige jüdische Alterversorgungsanstatt versendet jetzt ihren Jahresbericht pro 1874. Wir entnehmen demselben: die regelmäßigen Einnahmen betrugen 13,089 Thlr. l l Sgr., die Ausgaben 13,108 Thlr. 24 Sgr. 8 Pf. Die Zahl der Hofpitaliten, welche im Jan. 58 betrug, war im Dee. auf 65 gestiegen. Der Ttiflungsfond wurde im vorigen Jahre durch eine Stiftung res Herrn Siegfried Beschütz vermehrt und beträgt jetzt 45,500 Thlr. Der Wunsch, in die Anstalt ausgenommen zu werden, ist ein so allgemeiner, daß die Meldungsliste weit über 10<> Namen trägt. Trotzdem in dem neuen Erweiterungsbau noch Platz für ungefähr 35 Hofpitaliten vorhanden ist, gestatten die beschränkten Mittel keine neuen Ausnahmen. Die Alterversorgungsanstalt verbindet daher mit dem Jahresberichte die Bitte um neue jährliche und einmalige Beiträge. Möge diese Bitte nicht ungehörr verhallen und durch reiche Spenden ein Institut gefördert werden, welches sich die höchste und schönste Aufgabe gestellt: dem hilflosen Alter eine freundliche Zufluchtsstätte zu gewahren. Berlin, 31. März. 'K. Z.) Bezüglich der Rechtsverhältnisse der Juden, worüber, wie allseitig feststeht, im nächsten Jahre dem Landtage eine Vorlage gemacht werden soll, sind ganz besonders in den letzten Wochen, sowohl bei dem Abgeordnetenhause als bei der Staatsregierung, zahlreiche Petitionen und zwar nach den verschiedensten Richtungen, sowohl rer Aufhebung als der Beibehaltung des Beilragszwanges für die Mitglieder der Synagogengemeinden, eingegangen. Die Regierung will zunächst das gesammte Material Zusammentragen lasten und dann erst einen bezüglichen Entwurf einer Commission von sachverständigen Jntereffenten vorlegen lasten. Bonn, 2. April. > Privatminheilung.) Bekanntlich sind nach den bisherigen Gesetzen die Geistlichen beider christlichen Consessionen die geborenen Mitglieder rer städtischen Schuldeputalion. Es kommt daher daraus an, an Orten, wo eine bedeutende jüdische Bevölkerung, also auch eine solche jüdische Schuljugend vorhanden ist, der Grundsatz der Parität auch in diesem Verhältniste zu verwirklichen, so daß auch die jüdische Einwohnerschaft m der städtischen Tchulr-eputation ihren Vertreter habe, sei es durch den Rabbiner, sei es durch eine Intelligenz aus deren Mitte. Wir wissen sehr wohl, welchen Einwänden dies zu begegnen pflegt. Von der einen Seite will man den christlichen Consessionen so lange wie möglich gewiste Vorrechte bewahren. Von der anderen strebt man darnach, die Geistlichen und Vertreter von Consessionen überhaupt aus den Schuldeputationen zu entfernen, und will die bisherige Einrichtung nicht noch dadurch stärken, daß man auch Vertreter des Judenlhums in dieselben einläßr. Ohne über dieses Ziel der rem Forschritt huldigenden Partei streiten zu wollen, lieg: es doch nah, daraus hinzuweisen, daß, so lange der gegenwärtige Zustand dauert, vor Allem der Grundsatz der Parität Lurchzusühren ist, und wir sehen nicht ab, wie man gerade aus Kosten der Juden einer noch nicht verwirklichten Idee dienen will. Tie Erfahrung hat aber auch gelehrt, daß, um zur Consessionslosizkeit eines Instituts zu gelangen, vor Allem die Parität der Consessionen vollständig hergestellr werden muß; renn diese ist die Voraussetzung jener, und man kann den Schluß nicht haben, ohne daß die Prämisse vorangegangen. Vertröstet man nun immer wieder aus das zu erwartende Unterrichtsgesetz, so weiß man noch heute nicht, mann es eingebracht und wann es bis zur gesetzlichen Geltung gelangen wird. Was nun für diese Angelegenheit im Werke ist, kann heule noch nicht besprochen werden. Auch lag ein Tpecialfall vor. Es kam daraus an, sich von der gegenwärtigen Lage zu unterrichten. Wir erließen deshalb in Nr. 10 und 11 ein desfallsiges Gesuch und erhielten zahlreiche Mittheilungen, für welche wir den Einsendern unsren Tank sagen. Aus ihnen mögen hier folgende Notizen entnommen sein. Die Mittheilungen ergaben eine dreifache Kategorie. Die erste, zahlreichste, befaßt Männer jüdischer Religion, welche nur aus persönlicher Berücksichtigung, nicht aber als Vertreter ihrer Religionsparrei in die städtische Schuldeputation ihres Wohnorts gewählt worden. So Herr l»r. »lock. Jacoby in Bromberg. In Jnowraclaw sind seil mehr als 20 Jahren Juden Mitglieder der städtischen Schuldeputation. Zuerst war es der jetzige Ttadrralh, Kaufmann Schlesinger, sodann nach Ablauf der Wahlperiode der Rabbiner L. Pollak und nach desien Abgänge von hier der gegenwärtige

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