Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 16 (13.4.1875)
- Date
- 1875-04-13
- Page
- Seite 249 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3227014-3227031--33445-3303240- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
249 stärkere Kampfeswuth abgehoben, und durch einzelne Führer zur Befriedigung ihres Ehrgeizes gebildet worden. Dem ist nicht so. Die Zelotenpartei ist so alt, wie sich die Herrschaft der Römer durch schweren Druck fühlbar machte. Sie entstand, als Augustus dem Gouverneur von Syrien Cyrenius befahl, eine genaue Schätzung alles vorhandenen Gutes in Judäa vorzunehmen, selbstverständlich um daraus das Abgabenv. h. das Ausfaugesystem für Juväa zu entwerfen. Hierin sahen alle nationalen Juden, besonders in Galiläa, den Stempel der Knechtschaft und den Anfang schmählichster Bedrückung. Tie Partei entstand schon damals und organisirte sich sofort. An ihrer Spitze stand Juda. Sohn des Ezekias, als Führer im Kampfe, dem sich der Pharisäer Zadok aus dem Gelehrtenstande anschloß, wie spater Akibr dem Barkochba, so erweisend, daß sich zu Vieser Partei die verschiedenen Elemente des Volkes vereinigten. Wer in die geschlossene Reihe dieser Partei eintrat, mußte einen Eid leisten, sich und die Seinigen jedem Qpfer zu unterwerfen, Martern und Tod zu erdulden. Und ebenso ging diese Zelotenpartei mit dem Brande des Tempels nicht unter. Sie fachte in Cyrene einen Aufstand der Juden schon wieder an, als die Trümmer der' h. Stadl noch rauchten, sie erhob sich zu einer ausgedehnten Empörung unter Trajan in Babylon, Egypten, Cyrene und auf der Insel Cypros; sie erstand noch einmal, sechzig Jahre nach dem Falle Jerusalems unter Hadrian, zu dem Anfangs so glücklichen Aufstande des Barkochba, um in diesem unterzugehen. Eine Partei, die so viele nationale Elemente, so große und edle Geister umschloß und über anderthalb Jahrhunderte die Seele des Volkes beherrschte, die zugleich die höchsten Güter der Nation ihnen bereite Mittel, um ihre Gegner zu beseitigen.*) Aber schließlich muß man zugeben, daß sie doch nur consequent aussührten, was ihnen von Kindheit an eingeflößr worden, „daß Nichts über das väterliche Gesetz gehen dürfe, daß die Hoffnung, Gott werde die Feinde Israels vernichten und den verheißenen Erretter senden, Kampf und Tod zur heiligsten Pflicht jedes Israeliten mache" unv ihren Heldenmuth und ihre Standhaftigkeit bewundern. **» Einen weil breiteren Boden noch nahm die Partei der Gemäßigten und Besonnenen im Volke ein. Außerhalb Paläsiina's wissen wir aus der Zeit des Krieges von keinem einzigen jüd. Aufstande. Bange mochten die Juden in allen Ländern aus die Entwickelung im Lande der Väter blicken und den Nachrichten von dort entgegenharren. Aber sie wußten zu gut, daß jede Erhebung an einem Orte in den fremden Ländern nur das Signal zu ihrer Nievermetzelung sein würde, und hatten genug selbst von jedem Siege der Palästinenser und von der darauffolgenden Rache der Römer und der übrigen Bewohner zu fürchten. Es war sogar ruhiger um sie während des Krieges als vor ihm. In Palästina selbst flüchteten die Eiferer unv .Kämpfer, sobald eine Landschaft von den Römern besetzt ward, nach Jerusalem hinein, während das übrige Volk sich unterwarf und still verhielt. Wir erfahren nicht, daß hinter dem Rücken der Römer sich irgendwo der Brand noch einmal entzündete. Auch an den spätern Aufständen berheiligten sich große Massen des Volkes nicht, und in Palästina selbst wohnten die Juden in zahlreichen Mengen bis ins vierte Jahrhundert hinein, wo allerdings cer unerträgliche -Druck harte Kämpfe, wie um Sephoris erwirkte. Endlich in die Freiheit und die Religion, mir ihrem Herzbluke vertheidigte,! Jerusalem selbst gab es eine große Partei, welche den nutzlosen kann weder als ein Erzeugniß des Augenblicks und des Conflicts, I Kamps aufzugeben geneigt war. Und hierzu gehörten die geistig noch selbst bei den traurigsten Ergebniffen als unberechtigt I hervorragendsten Männer. Sie waren von dem Bewußtsein durchdrungen, daß das Judenthum erhalten und für die große Maste es Volkes, welche den Krieg überstehen würde, geistig gesorgt werden müßte. So war einer der angesehensten Gelehrten. Girtin 5, 6., wonach während des römischen Krieges der Kam eines geraubten Feldes von einem Liearier nicht für ungültig erklärt wurde, weil der Eigentbümcr sein Feld gern hingegeben, um nur sein Leben und verschuldet angesehen werden. Sie als „Räuber, Plünderer, Herrschsüchtige, Wahnwitzige" zu brandmarken, konnte nur aus der trüben Quelle des Parteihastes und der persönlichen Feindschaft stießen und später aus dem Borurrheil und Haß gegen die Juden überhaupt genährt werden. Patriotismus und Religionseifer gehören zu den edelsten Motiven des Menschengeistes, wenn sie auch aus allgemeinem Gesichtspunkte als beschränkt erj ,u reiten. scheinen können und sehr oft in ihrer Leidenschaftlichkeit zu verj *, tterfe nur einen vergleichenden Blick aus den Enlwtcke werflichen Ausschreitungen führen. In das reine Feuer mischen i luugsgang der französischen Revolution in der Schreckenszeil. Der sich die rochen und bläulichen Flammen anderer Leidenschaften,! unparteiische Geschichtsforscher beurchcilt die Parteien und die Männer bis sie zu einer verzehrenden Brandfackel geworden. Eiferer,!^"vents doch anders als der Parreigeist, und ohne die geschehenen °..ch° helvenmüthig gegen den Nutzern Feine .ä-pjen nne * j XSSSgMütm‘jSÄT * ttn Innern von Gemäßigten unv Friedensfreunden beschränkt und i ...; . .. , M _ ' **) Dieses Unbeil ,p«cht aucb Grrorer rn ,einem Borworr zum bedroht zehen, gerathen m Wuch und überschreiten, dw Grenzen ^iege von Josephus aus, und wir summen dem parteilosen Urtbcii zwischen Recht und Gewaltthat. Von letzterem hat sich die Zeloten-! ricses Gelehrten bei, wenn er sich auch in demselben Vorworte man Partei sowenig frei gehalten, wie dies irgendwo in solch' aufge-! cbcrlci einzelner Irrthiimer schuldig macht. So verwechselt er den wühlten Stürmen geschehen ist. Sie schalteten nach Belieben!älteren £iUcl mil tem foätercn «nicht mit Hillcl dem jiingcrn. der er,': .rfe* illad> :{5° blühere., welcher etwa um 32» behauptete, dasi der Messias über Leben unv Eigenthum;*) Kerker und Hinrichtung waren *) Wir wollen nur einen kleinen Zug aus dem Talmud ansübren: i Nero mit Kaliguta. schon mit König Hiskijah dagewesen: nock mein:, er verwechselt aueb