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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-04-06 · Heft 15 (6.4.1875) · p. Seite 237

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 15 (6.4.1875)
Date
1875-04-06
Page
Seite 237 (sequence 7)
Language
German
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sein, die aus der Ferne zur schönen Sommerzeit hierherkommen, um Genesung und Erholung zu suchen. Küstrin, 21. März. Am heutigen Tage beging der Rentier Salomon Fürstenheim das Fest des 60-jährigen Bürgerjubiläums. Derselbe wurde Mittags von einer Deputation des Magistrats- und Stadtverordneten-Collegiums, an deren Spitze der Herr Bürgermeister Winchenbach erschien, auf's herzlichste und ehrenvollste beglückwünscht, Nächstvem überreichte der jür. Gemeindevorstand dem greisen Jubilar einen prachtvollen Pokal mit Dankesworten an denselben, Laß er die Küstriner jüdische Gemeinde gestiftet und immer danach gestrebt und gewirkt habe, für ein gutes Einvernehmen mit Andersgläubigen zu wirken, was ihm bis jetzt so vortrefflich gelungen. Der Jubilar ist einer der Ersten gewesen, die nach Einnahme der Festung Küstrin und Ausrückung der Franzosen sich dort niederließen. Der Jubilar erwähnte dies, als er bei dem fröhlichen Mahle, das sich der Feier anschloß, einen Toast auf unfern Heldenkaiser auSbrachte. Zahlreiche Toaste folgten, und verlief dieses für die Stadt Küstrin erwähnenswerthe Fest in heiterer und froher Stimmung, und wohnte der greise Jubilar trotz seiner 85 Jahre rüstig und munter dieser Feier bis zum Schluffe bei. Oesterreich-Ungarn. Pest, 26. März. (Privatmitth.) Der seit dreißig Jahren hier bestehende und segensreich wirkende israel. Handwerks- und Ackerbauverein veröffentlichte in diesen Tagen seinen Ausweis für das verftcffene Jahr 1874. Der Stand der Bereinszöglinge ist gegenwärtig 83 und zwar 11 Tischler, 9 Spengler, 8 Goldarbeiter, je 6 Drechsler und Tapezierer, je 5 Schloffer, Schmiede, Schildermaler, je 3 Uhrmacher und Gelbgießer, je 2 Kürschner, Kupferschmiede, Maschinenschloffer, Metalldrucker und Täschner, je 1 Bäcker, Bildhauer, Schriftsetzer, Pseisenschneicer, Porzellanmaler, Ledersärber, Handschuhmacher, 3 Ackerbauzöglinge und 1 Winzer. Ter Verein besitzt ein Vermögen von über 32,0 on ft., und ist ihm ein ferneres Wachsen und Gedeihen zu wünschen. Aus Siebenbürgen, im März. Die israelitische Gemeinde in Bözöd-Ujsalu «Siebenbürgen), deren Mitglieder zum größten Theile aus Familien constituirl sind, die vor beiläufig sechs Jahren von der Seele der Sabbathianer zum Judenthum überlraten, beabsichtigt einen Tempel zu bauen und hat zu diesem Ende vom k. ung. Ministerium die Erlaubniß erhalten, die Gemeindemitglieder David Kovücs und Josef Nes entsenden zu dürfen, damit sie in den Ländern der ungarischen Krone für Liesen Zweck milde Beiträge sammeln. Nach den bisherigen Ausweisen haben diese Sammlungen den besten Erfolg gehabt. Wien, im März. (Privatmitth.) Unter den Lehr- und wohlthäügen Anstalten innerhalb der hiesigen israel. Gemeinde, die ihre Wirksamkeit über den ganzen Kaiserstaat ausdehnen, ist gewiß an erster Stelle das „allgemeine österreichische Israelilische Taubftummeninstitut in Wien" zu nennen, das bereits über fünfundzwanzig Jahre besteht und jetzt feinen einundzwauzigsien Bericht für das Schuljahr 1873—1874 veröffentlicht har. Aus dem Borworte heben wir folgende bezeichnende Stelle hervor: „Sie werden bei einem Vergleiche mir den Ausweisen früherer Berwaltungsjahre sich der Wahrnehmung nicht verschließen können, daß sich die Anzahl der beitragenden Vereins- Mitglieder beträchtlich verringert hat, und daß in dieser Weise gegen looo fl. des fixen Jahreseinkommens entfallen sind." „Daß der Grund dieser Erscheinung nicht in einer Erkaltung der bisher ftetö unserer Anstalt entgegengebrachlen Sympathien zu suchen sei, bedarf wohl nicht erst der ausdrücklichen Erwähnung." „Tie Urtheile maßgebender Autoritäten über die Mustergiltigkeil des Institutes sind unverändert geblieben, noch immer erklären alle Besucher desselben sich wahrhaft erbaut und freudig erhoben von dem Geiste der Humanität, der das ganze Unternehmen beseelt, von den unstreitig glänzenden pädagogischen Erfolgen, die es erzielt, von den richtigen Mitteln der Erziehung und des Unterrichtes, die hier in rem Dienste des erhabensten philanrropifchen Zweckes verwendet werden." „Noch weniger darf angenommen werden, daß die angestammte iSpferbereirschaft und Neigung zur Wohlthätigkeit an Lebhaftigkeit und Eifer irgend eine Einbuße erlitten hätte. Noch immer sind die Hände offen und zum Geben bereit, sowie auch die Herzen warm schlagen, das Geschick der armen Geschöpfe zu verbessern. Wohl aber sind es die eingclretenen Verhältnisse, welche diese Ungunst der Zeit selbst solche Wohlrhängkeitsanstalten, wie die unsrige es ist, bei aller Theilnahme, die derselben zugewendet wird, in bedauerlicher Weise fühlbar macht." „Möge die Erkenntniß dieser Sachlage den Gönnern und Freunden der Anstalt zur Veranlassung gereichen, sich derselben umso eifriger anzunehmen und in stets weiteren Kreisen Propaganda für dieselbe zu machen." „Die Anstalt war auch Heuer in die peinliche Nothlage versetzt, ans Mangel an genügenden Subsidien über vierzig Aufnahmsbewerbuugen abschläglich bescheiden zu müssen und sind die noch immer andauernde THeuerung der Lebensmittel und Arbeitslöhne, welche selbstverständlich auch die Auögabsposten für das Lehr- und Dienstpersonal erhöhen, nur geeignet, unsere diesfälligen Bedenklichkeiten bei Aufnahme neuer Zöglinge zu steigern, und dieß umsomehr, als das im abgelaufenen Jahre sich ergebende Desicit von beinahe 3<»oo fl. — nur durch die im vorhergegangenen Jahre eingegangenen namhaft gemachten hochherzigen Widmungen und Spenden getilgt werden konnte." Durch die gedachten Spenden jedoch nahm das Vermögen des Institutes um mehr als 10,00<> fl. zu, und wurden in dem verstoßenen Jahre 99 Zöglinge im Institute erhalten, von denen 37 ganz unentgeltlich. Entlassen wurden o männliche und

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