Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 15 (6.4.1875)
- Date
- 1875-04-06
- Page
- Seite 236 (sequence 6)
- Language
- German
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236 Gestatten Sie es mir, zu bemerken, daß es hingegen eines Ihrer Verdienste war, gleich vom Beginne an, die Sache richtig erkannt, und als sie noch lange nicht so entschieden auftrat, das Wesen und das Ziel genau charakterisirt zu haben. Vielleicht vermochten Sie es leichter, als Sie damals an dem eigentlichen Ursprungsheerde verweilten. Das Zweite ist, daß die nach der Meinung des Redners ungeheure Zahl der Indifferenten, sich noch immer nicht bei Herrn Schäfer zur Mitgliedschaft meldet, und sogar ihre Kinder in Religion unterrichten läßt. — Ich übergehe noch viele derartige Aeußerungen, und bemerke nur: wenn eine Gemeinschaft sich trotz aller dieser durchsichtigen Zeichen nicht zur Erkenntniß ihres wirklichen Standpunktes kommt und noch immer einer unbeschränkten phantastischen Anmaßung huldigt, so kann man den Schluß des ganzen Procesies voraussehen und die Acten als geschloffen betrachten. Frankfurt a. M-, 25. März. t Privatmittheil.) Nach Ablauf des ersten Decenniums ihres Bestehens veröffentlicht die „Achawa, LerDerein zur Unterstützung israelitischer Lehrer, L ehrer-Wittwen und -Waisen in Deutschland den zehnten Rechenschaftsbericht. In dem Vorwort zu demselben wirft die Verwaltung zuerst einen Rückblick auf die segensvolle Wirksamkeit des Vereins während des ersten Jahrzehnts seines Bestandes, in welchem Zeitraum es ihr möglich war, die beträchtliche Summe von 13,757 sl. 13 kr. (23,583 Mark 50 Pf.» als Unterstützungen zu verausgaben. Mit Hülfe der auch ini verflossenen Jahre dem Vereine zugewendeten Geschenke war derselbe im Stande, bei Beginn dieses Jahres unter 30 Unterstützungsbedürftige (30 Theile) 4608 Mark zu vertheilen, nachdem im Laufe des Jahres noch 4 70 Mark verabreicht worden waren. In gleicher Weise hatte sich das Gesammtvermögen des Vereins, welches am Ende des Jahres 1805 sich nur auf 2330 fl. 15 kr. bezifferte, bereits auf die Höhe von 32,37 0 fl. 34 kr. i55,5u2 Mark OS Pf.» gehoben. Im Hinblick auf diese Zahlen, welche dem Verein ein sprechendes Zeugniß für die Dauerhaftigkeit seines Bestandes und die Kraft seiner Leistungen geben, sagt die Verwaltung ihren Dank Allen, welche dem Vereine bisher Wohlwollen bewiesen haben und spricht vertrauensvoll die Hoffnung aus, daß dieses auch fernerhin demselben zu dessen wachsendem Gedeihen gesichert bleiben möge. „Vielmehr — heißt es in dem Berichte — waren wir im Stande, bei Erkrankungen von Lehrern oder ihrer Familienglieder, in Fällen der Invalidität oder des Ablebens eines Mitglieds mit Unterstützungsgeldern, Pensionen, Wittwengehältern und Waisengeldern helfend und tröstend einzutreten. Waren indeß die Leistungen bis jetzt schon ziemlich beträchtlich, so müßten dieselben noch viel ansehnlicher werden, wenn dem Vereine eine allseitige Anerkennung und Kräftigung seitens der israelitischen Lehrer und Gemeinden Deutschlands zu Theil würde." In dem Jahresberichte wendet sich daher die Verwaltung mit dem Hinweis auf die immer mehr hervortretende wohlthätige Wirksamkeit der Leistungen des Vereins und unter der besondern Hervorhebung des allgemein gefühlten Bedürfnisses, an sammtliche israelit. Lehrer und Gemeinden in Deutschland mit der Aufmunterung zu verstärkter Betheiligung an der „Achawa". Dem Berichte liegt zugleich eine in diesem Sinne abgefaßte Aufforderung, bez. Bitte an die Vorstände der israelitischen Religionsgemeinden bei. Wir hoffen und wünschen, daß dieses Rundschreiben die geeignete Berücksichtigung finden und für die Achawa von erfreulichem Erfolge sein möge. Exemplare des Rechenschaftsberichtes sind auf gefällige Anftagen von dem Vorsitzenden der Achawa, Herrn Adolf Tebl«'-e, Lehrer a. d. israel. Realschule in Frankfurt a. M., zu erhalten, welcher auch zu jeder weiteren Auskunft, sowie zur Empfangnahme von Beitrittserklärungen und Gaben für den Verein jederzeit bereit ist. Bielefeld, 24. März. (Privatmittheilung.) Herr Elias Meyer in Aachen hat am Geburtstage seiner Frau, nachdem dieselbe im vorigen Jahre eine längere Krankheit glücklich überstanden, der „Unterstützungscaffe des Vereins israel. Elementarlehrer für Westphalen und die Rheinprovinz" die reiche Gabe von 500 Thalern zugewendet. Vor wenigen Jahren hatte die Caffe eines Geschenkes des Herrn Meyer in gleichem Betrage, anläßlich der Berheirathung seiner Tochter, sich zu erfreuen. Dem Biedermanne mit dem echt jüdischen Herzen sei inniger Dank! Das schöne Beispiel aber sei der Nachahmung warm empfohlen! Blumenau. Warmbrunrr, im März. Die schon längst projectirte Errichtung eines Hospitals für arme jüdische Badegäste hierfelbst scheint jetzt ihrer Verwirklichung näher zu rücken. Zur Erreichung dieses Zieles bildete sich bereits am 20. September 1871 ein Comitö. Die freiwilligen Zeichnungen, welche damals namentlich aus Breslau und Berlin, sodann aber auch aus Schweidnitz und anderen Städten dem Comitö zufloffen, betrugen gegen 11,000 Thaler, worauf schon im folgenden Jahre dem Comit*'; sich die günstige Gelegenheit bot, ein in schönster Gegend gelegenes, unmittelbar an den „Schäserhof" grenzendes geräumiges Grundstück für den Preis von 3000 Thlr. zu erwerben. Im vorigen Jahre aber ertheilte das (Somit*'; dem Privatbaumeister Herrn Eiffler in Hirschberg den Auftrag, eine Zeichnung nebst Kostenanschlag zur Ausführung eines der Sache würdigen Baues zu liefern. Diese Aufgabe hat Herr Eiffler in einer Weise gelöst, die nur den Wunsch Hervorrufen kann, daß auch die Mittel vollständig vorhanden sein möchten, den herrlichen, im byzantinisch-gothischen Style proponirten Bau nach Maßgabe der Zeichnung und des Anschlages in Ausführung zu bringen. Das Hospital soll nicht localer Wohlthätigkeit dienen, da für hiesige Arme in anderer Weise gesorgt wird, sondern es soll ein freundliches Asyl für arme jüdische Glaubensgenossen