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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-03-30 · Heft 14 (30.3.1875) · p. Seite 226

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 14 (30.3.1875)
Date
1875-03-30
Page
Seite 226 (sequence 14)
Language
German
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er meint: „Mit solchen Melodien lockt man die frommen Juden in die Synagoge, nicht aber einen Liebhaber zum Rendez-vous. Der alte Sulzer im Sopranschlüssel!" Allein die Oper scheint doch einen viel höhern Werth zu haben, der sich in den nachfolgenden Aufführungen immer mehr herausstellte und den Beifall des Publicums gewann. Dies ergiebt sich aus einem Berichte in demselben Blatte, in welchem Hanslik's Besprechung gestanden, in der „N. fr. Pr.", dem eine Biographie des Componisten, des Herrn Karl Goldmark, beigesügt ist, welche genugsam interessiren wird, um hier wiedergegeben zu werden. Vieler Bericht lautet: Der glänzende Erfolg, welchen „Die Königin von Saba" bei ihren bisherigen Aufführungen im Hofoperntheater errungen hat, rückt auck die Person des Componisten aus dem Dunkel bescheidener Zurückgezogenheit in den Vordergrund des allgemeinen Jntereffes. Ganz besonders in jenen Kreisen, welche eine patriotische Freude darüber empfinden, daß nach manchen mißlungenen Versuchen gerade das Werk eines vaterländischen Tondichters sich die ungetheilte Gunst des Publicums errungen hat, wird man die nähere Bekanntschaft mit dem Lebensgange Karl Goldmarks willkommen heißen. Wir wollen in Nachstehendem das einfache Bild dieses Kunstlerwallens mit jenen wenigen Zügen entwerfen, welche uns bekannt geworden sind. Goldmark wurde im Jahre 1832 zu Keszthely in Ungarn geboren, wo sein Vater die karg besoldete Stelle eines Vorbeters in der jüdischen Gemeinde bekleidete; Armuth ohne Ende und Lieder ohne Zahl sind die frühesten Erinnerungen, die Goldmark aus seiner Kinderzeit bewahrt. In seinem sechsten Lebensjahre übersiedelten die Eltern nach Deutsch-Kreutz bei Oedenburg, und hier war es, wo die musikalische Neigung des Knaben zuerst sich offenbarte. Eine kleine Rohrpseife, wie sie wandernde Slovaken allerorten in Ungarn feilbieten, fiel dem Kinde in die Hand, und mit freier Phantasie entlockte es dem primitiven Instrumente wohlgerunvete Melodien. Nun rief natürlich das ganze Dorf, der Junge müffe Musiker werden, und ausnahmswise ist aus dem Wunderkind wirklich etwas geworden, Nach kurzer Zeit wanverte Goldmark nach dem benachbarten Oedenburg, um im dortigen Musikverein bei Eipeldauer das Geigenspiel zu erlernen. Nach zwei Jahren waren die Studien so weit vorgeschritten, daß ein selstständiges Concert gewagt werden konnte; in seinem achten Jahre stand Goldmark zum erstenmale vor dem hundertköpfigen Kritiker, Publicum, genannt, welches ihm die aufmunterndste Recension, den stürmischesten Applaus, spendete. Nun zog es den Kunstjünger, wie Jeden, der im Reiche was Rechtes werden will, magnetisch nach Wien, nach der alten Musikstadt, um hier seine Ausbildung zu erlangen. Jansa und Joseph Böhm, deffen Jubiläum wir erst jüngst gefeiert, waren am Conservatorium seine Lehrer; mit unermüdlichem Eifer widmete sich Goldmark unter großen Entbehrungen seinen musikalischen Studien. Unter den ersten Sturmwehen der Revolution nahm er noch Unterricht im Contrapunkt, angeeifert durch die sorgsame Liebe seines Bruders, der bald durch die politischen Ereignisse einem bewegten Schicksale entgegenging. Die Betheiligung des Ur. Goldmark an der Bewegung des Jahres 1848, die fälschliche Verknüpfung desselben mir der Ermordung des Grafen Latour, seine Flucht nach Amerika, sind aus den Acten des Rehabilitirungsproceffes, zu deffen Durchführung vr. Goldmark nach der Wiederkehr besserer Zeitläufte direct aus Amerika nach der Heimath kam, allgemein bekannt. Auf die Entwicklung unseres Componisten waren diese traurigen Ereignisse insofern von Einfluß, als sie ihm einen treuen Berather, eine helfende Stütze entzogen. Er mußte das schützende Dach des Elternhauses wieder aufsuchen und oblag dort den allgemeinen Studien, um die vom Bruder gewünschte strenge Gymnasialprüfung bestehen zu können. An dieses Examen, welches in Wiener-Neustadt an einem dortigen Institute startfinden sollte, knüpft sich eine kleine Reminiscenz. In etwas dürftiger Kleidung erschien der junge Candidat vor der Thür des gestrengen Herrn Directors, und schüchtern zog er die Klingel; eine unwirsche Magd steckte den Kopf zur Thür hinaus, und als sie des Jünglings in der fadenscheinigen Gewandung ansichtig wurde, griff sie tief in den Sack und reichte dem Wartenden — ein Groschenstück! Mit dem Zeugnisse eines glücklich bestandenen Examens, aber ohne viel andere Werthpapiere in der Tasche, wanderte nun Goldmark nach Wien; die Wünsche des älteren Bruders wiesen ihn auf einen „bürgerlichen" Erwerb, die eigene Neigung zog ihn unwiderstehlich zurück in's Conservatorium. In diesem Widerstreite siegte die allmächtigte Kunst, und alsbald zählte Goldmark wieder zu den Schülern des Confervatoriums. Spatere zwei harte Jahre hindurch saß er dann als Geiger im Orchester deS Leopoldstädter Theaters, um die nöthigsten Bedürfnisse kümmerlich genug zu befriedigen. Inzwischen hatte er bereits einige Compositionen geschrieben, und im Jahre 1858 veranstaltete Goldmark sein erstes selbstständiges Concert, in welchem ausschließlich Produkte seiner Muse das Programm ausfüllten. Das Concert fand eine wohlwollende Aufnahme, ebenso wie jenes, welches er ein Jahr spater in Pest veranstaltete. Dort schien dem ernsten Streben Goldmark's kein günstiges Terrain gegeben, denn nach kurzer Frist sehen wir ihn abermals nach Wien zurückkehren. 1560 gab er ein sehr gut besuchtes Concert, in welchem seine Schülerin, Caroline Bettelheim, zum erstenmale als Clavierspielerin in die Oeffentlichkeit trat; für Lehrer und Schülerin ward dieses Concert von großer Bedeutung. Die Compositionen Goldmark's fanden durch den Erfolg desselben Eingang in die großen Concert-Jnstitute Wiens, wie des Auslandes, und fein Name zahlte seither zu den geschätzten Componisten gediegener Kammermusik; Caroline Bettelheim aber erntete ihre ersten Lorbeern, welche spater auf der Bühne sich reichlich vermehren sollten. Ein Streichquartett, eine Suite für Clavier, die allbekannte Suite für Clavier und Violine, die „Sakuntala"-Ouver- . tüte, ein Scherzo für Orchester, viele Lieder und manche andere

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