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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-03-30 · Heft 14 (30.3.1875) · p. Seite 227

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 14 (30.3.1875)
Date
1875-03-30
Page
Seite 227 (sequence 15)
Language
German
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Composition fallen in diese Zeit. Die Production wäre vielleicht reichlicher gewesen, wenn Goldmark nicht immer mit Sorgen zu kämpfen gehabt hätte; bis auf den heutigen Tag bildete der sterile, das künstlerische Schaffen lähmende Musik-Unterricht die einzige Einnahmequelle des Künstlers. Allein sein Talent war endlich allgemein anerkannt, und dieser Umstand fand Ausdruck in der Thalsache, daß Goldmark ein Staatsstipendium erhielt, um an die Composition feiner „Königin von Saba" zu gehen. Mit Befriedigung können wir wohl die Thatsache verzeichnen, daß der geschätzte Musik-Kritiker unseres Blattes, Herr Professor Eduard Hanslik, derjenige war, auf dessen Vorschlag und warme Befürwortung Goldmark vom Unterrichtsministerium jenes Stipendium erhielt. Der drückendsten Sorgen überhoben, schritt der Componist nun an die Ausführung seines ersten großen Werkes, dessen Grundidee ebenfalls von ihm herrührt. Mosenthal schrieb das Libretto stückweise nach den Angaben und vielfachen Aenderungen Goldmark's. und als der dritte Act in die Hand des Componisten gelangte, war die Musik für die beiden ersten Acte bereits fertig. Im Jahre 1868 kehrte Dr. Goldmark aus Amerika nach Wien zurück und verblieb hier durch zwei Jahre, um das Ende seines Procesies abzuwarten. Nach zwanzigjähriger Trennung sahen sich die Brüder als gereifte Männer wieder, und es ist leicht begreiflich, daß unter den mannigfachen Aufregungen dieser Zeit die Composition der Oper nicht vorwärts schritt. Achtundvierziger Actenstaub und Rebellenproceßluft wollten schlecht stimmen zu den Liebes klagen Sulamith's und den weichen Romanzen des träumerischen Assav . . . Im Jahre 1871 end- . lich war die „Königin von Saba" vollständig fertig, und die Partitur wanderte in die Kanzlei unseres Hofoperntheaters. Directoren kamen und gingen, das Werk des österreichischen Componisten aber ruhte still im Pulte. Vor drei und zwei Jahren liefen zeitweilig Notizen durch die Journale, die Oper sei zur Aufführung angenommen, bald aber hieß es wieder, dieses glückliche Loos sei der Gounod'schen Oper „Königin von Saba" beschieden; der Krieg zwischen den zwei arabischen Herrscherinnen neigte sich endlich, nachdem Otto Deffoff dem Werke Goldmark's eine glänzende Beurtheilung angedeihen ließ, auf die Seite des Letzteren, und Director Herbeck gebühtt das Verdienst, dem heimischen Künstler zu einem großen Triumphe verholfen zu haben. Der bescheidene Tondichter ist wie erdrückt von den stürmischen Ovationen, mit welchen er durch drei Abende ausgezeichnet wurde. Bon Dankbarkeit erfüllt gegen das musikalische Wien, welches über die Schönheiten seines Werkes dessen Schwächen so nachsichtig vergißt, ist er nun, nachdem die sabaische Königin endlich flügge geworden, schon von hundert neuen Plänen für eine zweite Oper erfüllt. Möge der glückliche Stern, der über dem ersten Werke gewaltet, auch dem zweiten leuchten! 8—r. Vermischtes. Das „Ausland" bringt in Nr. 24 den ersten Artikel einer Abhandlung von 16. Adolph Klcinpaul in Rom, die, wie die Ueberschrift schon sonderbar klingt, auch viel Sonderbarkeiten enthält. Soweit wir diesen ersten Artikel übersehen, ist der eigentliche Zweck des Verfassers, nachzuweisen, daß der ganze christliche Gottesdienst seinen Ursprung dem jüdischen zu verdanken hat. Er möchte dies wohl auch vom mohammedanischen behaupten, aber dazu fehlt es ihm wohl an genauerer Sachkenntniß. Bei seiner ganzen Arbeit geht er von der Notiz aus, daß in Rom im April die Römer nach dem Ghetto gehen, um dort Artischocken zu essen und guten Wein zu trinken. Niemand als die Juden versiehe, die Artischocken so gut mit Oel in Pfannen und sehr locker zu backen. Dies ist allerdings kein wissenschaftliches Fundament; aber einen wissenschaftlichen Charakter hat auch der ganze Aufsatz nicht, und dazu kommen eine Menge Jrrthümer en detail. So läßt er z. B. das eherne Becken im Hose des Stistözelies dazu dienen, raß Jeder vom Volke, der in das Heiligthum kommt, sich darin wasche, während es nur für die Priester bestimmt war; die Thephillin schel Rosch läßt er aus schwarzem Taffet bestehen; den Gebetmantel umlegen, damit man beim Ausheben der Thora das Göttliche nicht sehe; den Hohenpriester am Versöhnungstag mit den Urim und Thummim vor die h. Lade treten u. s. w. Das Sonderbarste ist, daß er den Ursprung des Carnevals nicht auf Purim, sondern auf das Jobeljahr zurückmhren will. Das letztere ist offenbar falsch, und existirt gar kein Analogon zwischen beiden. Wir glauben aber auch nicht, daß der Carneval aus Purim entstanden; vielmehr verdankt er seinen Ursprung wohl den Saturnalien und vermischte sich, wie auch der Name bezeugt, mit christlichen Vorstellungen von der Zeit vor den großen Fasten. Anzeigen. Pensionat Sobernheim, Bingen a. Rhein. Referenzen: Dr. Le»p. Stein in Frankfurt a M; Dr IMiilippson in Bonn; Dr. Lands; berger in Darmsiadt; Ben Israel in Coblenz; Dr. Siisskind in Wiesbaden; Dr. Kothsehilrf in Alzey; M. Lehrecht in Bingen am Rhein. — Beginn des Sommer-Semesters am l. ÄKar — Prospekte auf Verlangen. iH 67 09.) G'esc/nc. Sobernheim.

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