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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-03-30 · Heft 14 (30.3.1875) · p. Seite 225

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 14 (30.3.1875)
Date
1875-03-30
Page
Seite 225 (sequence 13)
Language
German
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225 betrifft, gehören bei der geringen Anzahl von Israeliten doch drei Mitglieder zn den Stadtverordneten, und einer derselben, der Vorsteher der israelitischen Versammlung, Herr Hermann Wahren, Ritter des Wasa - Ordens, erhielt bei der Wahl zum Reichstagsabgeordneten beinahe die meisten Stimmen. Also ein Beweis, daß unsere Stadt nicht des alten Rischus beschuldigt werden kann. Wer aber könnte sagen, daß keine Spuren des Borurtheils gegen Juden zu finden wären? Doch der Correspondent von Stockholm sagt ja selbst, „daß er noch nicht gar so lange in Schweden gelebt", und danach ist auch sein allzusrühes Unheil zu bemeffen. Haben wir nun Ursache, uns mit den gegenwärtigen Verhältnissen freuen zu können, so wollen wir hoffen, daß in der Zukunst auch die sich noch findenden BoruNheile verschwinden werden. 8. Rußland. Alls Rußland, im Februar. Aus Podolien erzählt der „Kiew!." eine Schmuggelasfaire, die sowohl durch den blutigen Beginn, als durch die bedeutenden Folgen bemerkenswerth ist. Die Geschichte passirte im Flecken Gocodock, in der Nähe der österreichischen Grenze, wo schon seit langer Zeit ein eifriger Schmuggel hauptsächlich durch Juden betrieben wurde. Fast die ganze hebräische Bevölkerung ernährte sich ausschließlich durch Contrebande. Das war Allen bekannt, aber Niemand wagte bei der Verfolgung der Schmuggler behülslich zu sein, La man ihre Rache nicht nur in Form von Gewaltthat und Brandstiftung. sondern von Denunciationen fürchtete, deren Folgen alle Weitläufigkeiten des alten Gerichlsversahrens waren. Endlich brachte ein Zufall die Gelegenheit zu energischem Eingreifen. Zollwächter erreichten unter Führung eines Osstciers einige Führer mit Contrebande zwar nicht an der Grenze, wohl aber mitten im Städtchen. Sie wollten die Waare confisciren, aber eine Menge Juden leisteten offenen Widerstand. Obgleich die Zollwachter mit Sabeln und Revolvern bewaffnet waren, mußten sie verwundet der Ueberzahl weichen und die Wagen im Stiche laffen. Nach einiger Zeit erschien jedoch Militär ihnen zu Hilfe. Ein Jude wurde getödtet, mehrere verwundet. Die Folge des Kampfes war ein Maffenproceß, in welchem die Hauptschuldigen zur Zwangsarbeit und 40 andere zur Ansiedelung in Sibirien verurtheilt wurden. Biele Einwohner des Städtchens wunderten, von Furcht getrieben, nach Oesterreich aus. Der ganze Flecken ist ruinirt, zwei Compagnien Soldaten sind daselbst einquartiert und den Bewohnern wurde die Zahlung von 5600 Rubeln auserlegt. Das wichtigste Resultat aber dürfte sein, daß die Administration die Frage in Anregung gebracht, alle Bewohner, Mann für Mann, ihre Familien miteingerechnet, in Sibirien anzusieeeln. Diese Maßregel ist in Vorschlag gebracht, um das Schmugglernest ein für alle Male gründlich zu zerstören. Asien. Damaskus, 16. Februar. (Arch. isr.) Nachdem im vorigen Jahre unser Oberrabbiner verstorben ist, hat sich unsere Gemeinde in zwei Parteien gespalten, welche sich unablässig bekämpfen, so daß der Frieden, der in ihr seit fünfzig Jahren ungetrübt geherrscht, völlig gestört ist. Man glaube aber nicht, daß dies etwa aus religiösen Streitigkeiten entsprungen, vielmehr ist es eine reine Personenfrage, da der eine Theil den Rabbi Salomon Suhari, der andere den Rabbi Isaak Abulaffia verlangt. Der türkische Gouverneur schrieb nach Konstantinopel und verlangte von der Hohen Pforte, daß sie einen auswärtigen Oberrabbiner etwa aus Jerusalem senden möchte, den kurzer Hand Alle anzuerkennen hätten. Die Pforte hat dies abgeschlagen, weil ein solcher nur mit Zustimmung der Notabeln eingesetzt werden dürfe. Somit wird die Zwietracht noch lange hier heimisch sein. — Bor Kurzem wurde hier zum ersten Male ein einheimischer Israelit zum Consul einer fremden Macht erhoben, nämlick Herr Salomon Lewi zum dänischen Consul. Der Gouverneur wollte zuerst nichts Davon wißen; mußte sich aber fügen. — Jüngst bekehrte sich, was hier ein unerhörter Fall ist, ein Christ zum Judenthume. Die Rabbinen suchten vergebens, ihn davon abzubringen. Zweimal machte er die Reise nach Jerusalem, um seine Aufnahme in das Juventhum zu erwirken. Endlich überwand er jeden Widerstand und ertrug die Beschneidung mit bewunderungswürdiger Andacht. Er studirt das hebräische Schriftthum mit großem Erfolge. I e u i l Die Königin von Lada. Oper, Text von Mosenthal, Mnfik von Goldmark. In jüngster Zeit wurden in Wien eine neue Oper unter obigem Titel ausgeführt, bei welcher das eigenthümliche Zusammentreffen stattfand, daß Text und Musik von Juden verfaßt sind und der Gegenstand ein biblischer ist. Es liegt darüber nach der ersten Aufführung eine Beurtheilung des bekannten I e t o n. Kunstkritikers Hanslik vor. Nach diesem hat der Text freilich nichts Biblisches und nichts fpecifisch Jüdisches an sich. Vielmehr ist der ganze Charakter des Stückes den Erzeugnissen der Pariser Bühne ähnlich, und der Anachronismen gegen die Bibel sind genug darin vorhanden. So z. B. wird eine Trauung vom Hohenpriester im Tempel vollzogen, und die Königin von Saba eilt hinein, um die Ceremonie zu stören. Dagegen scheint die Musik dem Herrn Hanslik zu viel Jüdisches zu enthalten, und

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