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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-03-30 · Heft 14 (30.3.1875) · p. Seite 224

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 14 (30.3.1875)
Date
1875-03-30
Page
Seite 224 (sequence 12)
Language
German
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224 ment enthält und dem Sir Moses am Ende seiner langen segensreichen Laufbahn ein Beweis der allgemeinen Belehrung werden soll. „Durch den Oberst Gawlor, der sich für sie sehr thätig interessirt, und dem sie auch ihren warmen Dank ausgesprochen haben, ist dieser Tage dem Lord Mayor eine kunstvoll ausgeführte Denkschrift von cen Juden in Safed in Palästina überreicht worden, worin das einflußreiche Haupt der Cityverwaltung um seine Verwendung zu gleichen Zwecken angegangen wird. Die Denkschrift ist in hebräischer Schrift aufgesetzt und recht geschmackvoll illuminirt. Italien. Rom, 11. März. (Privatmitth.) Die Italiener sind nach Anlage und durch ihre Geschichte eine sehr eigenthümliche Nation. Ergeben den höchsten Grundsätzen des modernen Lebens, vergeflen sie doch niemals, mit den gegebenen Berhältnisien zu rechnen und suchen selbst auf einem Nebenpfade dahin zu gelangen, was geraden Weges zu erreichen bedeutende Schwierigkeiten machen würde. Dies hat der Senat in den letzten Tagen wieder einmal bewiesen. Der §. 1 der italienischen Verfassung lautet: „Die katholische, apostolische und römische Religion ist die einzige Religion des Staates. Die übrigen jetzt bestehenden Culte sind nach Maßgabe der gesetzlichen Bestimmungen geduldet." Diesen Paragraph zu beseitigen, hat die Opposition im Parlament und die ganze liberale Partei im Lande seit Jahren gestrebt und scheiterte stets. Jetzt nun ist der ganze Paragraph auf fast unscheinbare Weise völlig werthlos geworden. Der §. 153 im neuen Strafgesetzbuch war vom Ministerium folgendermaßen in Vorschlag gebracht worden: „1) Wer durch Worte oder Handlungen sich öffentlich gegen die Staatsreligion oder gegen eine andere, deren Ausübung im Staate erlaubt ist, vergeht, wird mit Haft von vier Monaten bis zu einem Jahre und mit Geldstrafe bis zu 1000 Lire belegt. 2) Wenn das Vergehen mittels der Presie verübt worden ist, so kann die Haft drei Monate nicht überschreiten." Es entspann sich hierüber im Senate eine Debatte, die drei Tage andauerte, und schließlich wurde der Antrag der Commission in folgender Fassung angenommen: „1) Wer durch Worte oder Handlungen öffentlich eine Religion verunglimpft, deren Ausübung im Staate zugelaffen ist, wird mit Haft von vier Monaten bis zu einem Jahre und mit Geldstrafe bis zu 1000 Lire belegt. 2) Wie oben." Hiermit ist der römischkatholischen Kirche die Eigenschaft als „Staatsreligion" abgesprochen und jedem andern anerkannten Cultus daffelbe Recht erlheilt worden. Mit den Grundsätzen des Syllabus stimmt dies allerdings nicht überein, aber es zeigt sich eben auch hierin, wie demselben gar kein Werth beizulegen ist, da er eben nur ein Phantasiegebilde kirchlicher Intoleranz und hierarchischer Selbstüberhebung ist.— Die „K. Z." berichtet: „Der Municipal-Affeffor Samuel Alatri hatte in der letzten Sitzung mitzutheilen, daß der Vatican das durch die städtischen Aquäducte ihm zugeführte Waffer nicht wie jeder Andere bezahle. Principe Ruspoli spielte einen Trumpf darauf aus: er werde, geschehe eS nicht, die Herren im Vatican verdursten lasten. Wer hätte es vor fünf Jahren geglaubt, daß der Jude Alatri dem Papst Pius IX. vielleicht das Trinkwaster werde abschneiden können?" Wir fügen hinzu, daß der hochgeachtete Herr Alatri diese Mittheilung nicht als „Jude" und nicht im antipapstlichen Sinne, sondern einfach in seiner Pflicht als Mitglied des Municipiums gemacht. Sie hätte ebensogut von jedem anderen Municipalrathe ausgehen können. Aber richtig ist es, daß vor fünf Jahren noch kein Jude Mitglied des Municipiums hatte sein können.' Schweden. Stockholm, im März. (Privatmitth.) Der König hat jüngst in letzter Instanz entschieden, daß die auf dem Lande wohnhaften Israeliten die bisherigen Abgaben an die christliche Kirche, bekannt unter dem Namen jus siolae, nicht mehr zu entrichten Neben unserer israelitischen Volksschule, an welcher Herr Rabbiner Dr. Levysohn den Religionsunterricht ertheilt, ist vor einigen Monaten eine Schule gegründet worden, in welcher den jüdischen Kindern, die die verschiedenen christlichen Lehranstalten besuchen, den hebräischen Unterricht erhalten sollen. Dieselbe wird gut srequentirt und erfreut sich des besten Gedeihens. — Für Skandinavien wird ein neues Conversations - Lexikon herausgegeben; die Bearbeitung der jüdischen Artikel ist Herrn l)r. Levysohn übertragen worden. Letzterer hat bei Gelegenheit der Einweihung einer neuen Thorarolle einen so intereffanten Fund gemacht, daß wir nicht umhin können, ihn hier mitzutheilen, mit der Bemerkung jedoch, daß Stockholm jeder kabbalistischen Zahlendeuterei sehr fern steht. Die drei ersten Worte der Thora ergeben nach zwp -122:2 die Zahl 32, ebenso wie die drei letzten Worte derselben. Der Ausdruck Israel kommt zum ersten Male im 1. B. M. C. 32 vor. — nsi s'nan ns giebt wiederum die Zahl 33, genau wie die drei vorletzten Worte der Thora nr«v 772n -i«n; 32 und 33 nun zweimal genommen ist: bxo ri:i-insm mnos-in mvnsrr bo «ba ->2222 .23-1«-' b'2 Welch welterschütternde Ideen würden die Kabbalisten aus der so sonderbaren Zusammenstellung der Buchstaben herleiten! — R. Norköping, im März, l Privatmitth.) Nur um den Grundsatz zu huldigen?ans a-ibiarn nas“ habe ich meinen Bericht in Nr. 52 vorigen Jahrgangs zu bestätigen und glaube, daß die geneigten Leser sich schon ein selbstständiges Urtheil gebildet haben werden, sowie daß nicht nur hier, sondern auch in vielen andern Ländern die Spuren des Borurtheils gegen Juden und Judenthum noch vielfach zu finden sind. Was nun unsere Stadt

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