Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 14 (30.3.1875)
- Date
- 1875-03-30
- Page
- Seite 222 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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222 Erlangen, im März. Das dem verstorbenen Universitäts- Professor und Ehrenbürger der Stadt Erlangen, Vr. I. Herz, zu errichtende, von Prof. Zumbusch in Wien entworfene, von Lenz in Nürnberg gegossene Denkmal wird am 5. Mai d. I. in Erlangen enthüllt werden. Man berichtet uns aus der genannten Stadt, daß die Einladungen zu ven aus diesem Anlasie zu veranstaltenden Festlichkeiten unter Mittheilung des Festprogramms demnächst ergehen werden. Clllm, 17. März. Zu den schmerzlichen Verlusten, die wir in letzter Zeit erlitten haben, habe ich Ihnen leider einen neuen zu melden. Mein Freund vr. Lewin, Rabbiner der benachbarten Gemeinde Schwetz, ist an diesem Sabbath im Gotteshause mitten im Gebete z^cr.^rza von einem Schlaganfalle betroffen worden, worauf nach wenigen Stunden der Tod erfolgte. Unsägliche Trauer erfüllt die ganze Gemeinde, die nicht erst jetzt, sondern immer den reinen biedern Charakter, die wahrhafte, bescheidene Frömmigkeit, das selbstlose, unermüdliche Wirken ihres Rabbiners geehrt hat. Sehr traurig ist die Lage der hinterlaffenen Familie. Dresden, 19. März. (Berichtigung.) In Ihrem ebenso würdigen wie ansprechenden Nekrologe des verstorbenen vr. Zacharias Frankel erwähnen Sie, daß Fr. in Teplitz die Orgel eingesührt habe; dem ist nicht so. Die Orgel hat erst einige Jahre nach Frankels Austritte sein Nachfolger, der jetzige Kreisrabbiner Vr. Pick, eingesührt. Wolfeubüttel, im März. iPrivatmilth.) Gestatten Sie mir an dieser Stelle des Hinscheidens einer Frau zu gedenken, deren treues, unermüdliches Wirken über den Kreis der Familie hinaus für zahlreiche Waisenkinder mütterlichen Segen verbreitete. Am 4. d. verstarb die Gattin des Herrn Stern, Frau Johanna geb. Benvix, des Inspeclors des Jacobsouschen Waisenhauses. Sie waltete wie ein Engel des Friedens viele Jahrzehnte für mehrere Generationen von Waisen mir mütterlicher Sorgfalt, vielbetrauert. Ihr Andenken zum Segen. Japhet. Oesterreich-Ungarn. Aus Oberuugaru, im März. (Privatmitth.) Die Zustände in Oberungarn bieten seit Kurzem das Bild einer dumpfen Ruhe, und nur unterbrechen hier und da einige hervorragende Rabbinen diese Stille. Das confessionelle Schulwesen, bisher von der Regierung total vernachlässtgt, bietet wenig Lichtpunkte, und das Synagogenwesen geht seinen alten Schlendrian. Seit die Säule des orthodoxen Judenthums Jeremias Löv in S. a. Ujhely yeimgegangen, haben die Chassidäer Oberungarns das Feld total erobert, und was von diesen Leutchen zu hoffen, brauche ich an dieser Stelle nicht zu erörtern. Wie wir vernehmen, hat der Munkücser Rabbi die Führerrolle zum oberungarischen Israel übernommen, und da dieser Oberrabbi seit Jahren mit den Chafsidaern liebäugelt, so ist von dieser Führerschaft nicht viel zu hoffen. Die Rabbiner Oberungarns, größtemheils der orthodoxen Richtung zugethan, folgen blindlings ihrer Fahne, und wenn auch hier und da ein aufgeklärter Vorstand, wie dermalen in S. a. Ujhely, die Zügel ergreift, so ändert dies im Ganzen und Großen nichts an den Verhältnissen. Es steht zu erwarten, daß das gegenwärtige Ministerium, sobald die Finanzsragen gelöst , der consessionellen Schule mehr Aufmerksamkeit zuwenden wird, da die Seele des gegenwärtigen Ministeriums Tisza, auS dem protestantischen Rom Ungarns (Debrezin), wo man die königlichen Schulinspectoren nur mit Widerwillen in die cvnfessionelle Schule laßt, gerade der Mann ist, sein System durchzusühren. Ew. Hochwürden hatten nur zu Recht, als dieselben in meinem jüngsten Berichte die Anmerkung machten, daß das Aufblühen des orthodoxen Rabbinerthums mit dem Emporbluhen der Schule nicht Hand in Hand gehe. Ja, es hat den Anschein, daß dort, wo das orthodoxe Rabbinerthum seinen Culminationspunkt erreicht hat, die confessionelle israelitische Schule total verstecht oder eine Simultanschule Platz greift. Was es aber bei uns zu Lande mit den Simultanfchulen für eine Bewandtniß hat, beweist die herrschende Ansicht, die Stellen dort, wo die Bevölkerung katholisch, die Schule mit katholischen Lehrern zu besetzen und als Ferien, trotz einer großen Anzahl jüdischer Zöglinge, die katholischen Feiertage und den Sonntag feftzusetzen. In Munkäcs, einer von Chassivim und Orthodoxen bewohnten Stadt, blüht die Nonnenschule und wird von israelitischen Kindern stark besucht. In S. a. Ujhely hat sich die jüdische Mädchenschule als solche total aufgelöst unv besuchen die jüdischen Mädchen die Klosterschule. Wenn Ihr geehrter Correspondent „Bon der Donau" in der Allgemeinen Zeitung des Judenthums 9!r. 10 die eingewanderten Deutschen zu den heißblütigen Magyaren zahlt und die Einführung der ungarischen Sprache über Hals und Kops in Schule und Synagoge tadelt, so ist dies uns unbegreiflich. Wenn die ungarische Sprache die diplomatische Sprache des Landes ist, und sie ist es, so hat die Volksschule in erster Linie die Pflicht, die vaterländische Sprache zu pflegen, dort wo die Muttersprache der Kinder der jüdisch-deutsche Dialekt ist, denselben zu verdrängen und die ungarische, vaterländische Sprache zur Unterrichtssprache zu machen. Daß die Mehrzahl der oberungarischen Juden ungarisch spricht unv die deutsche Sprache nur radbrechend, scheint Ihr sehr geehrter Herr Correspondent vergeben zu haben, und wenn ein großer Theil der Pester Israeliten nur deutsch spricht, so sollen die Kinder Magyaren sein. Das hindert nicht, die deutsche Sprache als zweite Unterrichtssprache zu pflegen und in der obersten Klaffe die eine oder andere Wiffenschaft in deutscher Sprache vorzutragen. In der unter Leitung des Gefertigten stehenden Massigen israelitischen Knaben- und Mädchenschule in Homanna ist die Unterrichtssprache die ungarische, wird aber der Bibelunterricht in deutscher Sprache gelehrt, in der Mittlern Klaffe aber auch die deutsche Sprache vorgettagen, und in der 6. Klaffe