Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 14 (30.3.1875)
- Date
- 1875-03-30
- Page
- Seite 219 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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219 wieder abgedruckt hat, was nur noch literär-historisch von Wichtigkeit ist, fällt jenes Bedenken hinweg. — Neuhebräisches und chaldäisches Wörterbuch über die Talmudim und Midraschim von Rabbiner vr. I. Levy. Erste Lieferung. Leipzig. Brockhaus 1875. In Nr. 44 des vorigen Jahrgangs (vom 27. October 1874) hatten wir in dem Aufsatze: „Etwas über den gegenwärtigen Standpunkt der talmudischen Wiffenschaft" die Klage vorangestellt, daß die wissenschaftliche Bearbeitung des talmudischen Sprachschatzes in lexikographischer und grammatikalischer Beziehung gar keinen Schritt vorwärts gethan. Solche Aussprüche geben dem tiefgefühlten Bedürfniß Ausdruck, und finden daher oft schneller eine Befriedigung als es selbst gehofft wurde. Wir haben hier die erste Lieferung eines Wörterbuches über Talmud und Midrasch in Händen, das auf 3 Bände zu ungefähr 20V Bogen Quart berechnet ist. Der Verfasser ist kein Neuling auf diesem Gebiete, da er 1867 das chaldäische Wörterbuch über die Targumim herausgegeben hat, in welchem er bereits vielen Wörtern einen Zusatz über deren Gebrauch im Talmud hinzugefügt auszusprechen, daß dies gerade für die talmudische Lexikographie, wie sie heute noch steht, ein Glück ist. Die Herren verstehen darunter eine Methode, nach welcher jedes Wort zunächst ganz speciell und dann mit dem mannichfalligsten Heranziehen aus allen anderen Sprachen betrachtet und behandelt wird. Sehr häufig wird dadurch die Bedeutung des Wortes sehr verwirrt, statt geklärt zu werden, und wie oft dabei die Herren auf sehr sonderbare Resultate kommen, kann man aus vielen Beispielen in monographischen Arbeiten erfahren. Nein, hierzu ist für die talmudische Lexikographie noch lange nicht die Zeit gekommen. Hier gilt es zunächst das ungeheure Material sammeln, sichten und übersichtlich machen. Hier gilt es vor Allem, den Talmud selbst befragen, und die Bedeutung besonders aus dem Geiste der Halacha finden und erklären, der hinwiederum nicht durch eine formale Methode, sondern aus einem innigen Umgang mit ihm von Kindesbeinen an erfaßt wird. Und hierzu besitzt Herr l)r. I. Levy eine tüchtige Belesenheit und Berttautheit. Erst wenn auf diese Weise die talmudische Lexikographie über ein großes hat. Dem neuen Werke hat Herr Prof. Dr. Fleischer Zusätze, und geordnetes Material zu gebieten hat, werden die Ausfüllung namentlich über die persischen und arabischen Sprachelemente im von Lücken und die Specialitäten nach streng wissenschaftlicher Talmud verheißen. Wer die außerordentlichen Schwierigkeiten• Methode ihren Platz haben, die dann selbst wieder Correctiv kennt, welche mit der Abfassung eines solchen Werkes verbunden! gegen Ausschreitungen in der vorhandenen Bearbeitung des Masind, der wird die Energie und die Arbeitstüchtigkeit des Herrn j terials haben werden. So lehrt uns die Geschichte der Lexikcllr. I. Levy mit großem Danke anerkennen. Wir wissen, daß i graphie auch der klassischen Sprachen den richtigen und gesunden auch dem früheren Werke Levy's gegenüber sich manche Herren' Fortgang, Wir wünschen daher Herrn llr. Levy aus ganzem Gelehrten vornehm und kühl, in mancher Beziehung auch abi Herzen Gluck zu seinem Unternehmen, und glauben wir ihm, sprechend verhielten. Es wird dies wohl auch für dieses neue j wenn auch nicht gleich, doch mit der Zeit, auch einen äußern Unternehmen Vorkommen, obgleich es gerade für dieses viel un- (tüchtigen Erfolg verheißen zu können. Denn sein Werk wird für angemessener sein würde. Denn hier ist nach Jahrhunderten i lange Zeiten unentbehrlich werden für Alle, welche sich im Talmud zum ersten Male wieder ein festes und umfassendes Fundament; auch nur umsehen wollen. Dies im Allgemeinen. In Einzelnes zu legen, auf welchem es sich dann leichter wird weiter bauen j werden wir eingehen, wenn erst eine größere Partie des Werkes lassen. Man wirft Herrn Levy vor, daß er nicht nach streng vorliegt, wissenschaftlichen Grundsätzen arbeite. Wir scheuen es nicht,! 2beitiuicj 6n(xc&t^c&tcii. Deutschland. Bonn, 18. März. (Privatmitth.) Das soeben ausgegebene Februarheft des „Centralblattes für die gesammte Unterrichts- Verwaltung in Preußen" enthält eine Uebersicht der im Jahre 1873 bei den Gymnasien des preußischen Staates geprüften Abiturienten. In der Tabelle wird auch angegeben, was diese studiren. Hier ist natürlich die Theologie eine Rubrik, welche in drei Unterrubriken getheilt ist, nämlich die katholische, evangelische und jüdische Theologie, und die letztere ist — gänzlich leer. Es geht daraus hervor, daß obgleich die jüdische Theologie auf den preußischen Universitäten gar nicht docirl wird, man doch solche, welche sich dazu anmelden würden, hierzu inscribiren würde — wir haben das Factum schon mehrere Male gemeldet — daß sich aber die jüdischen Jünglinge, welche jüdische Theologie studiren, in die philosophische Facultät einschreiben lassen. — Nr. 41 in diesem Hefte enthält folgendes Ministerialrescript: 44) Dispensationen von dem Religionsunterricht an höheren Unterrichtsanstalten. (Centrbl. pro 1872 Seite 138. Nr. 64.) Berlin, den 26. Januar 1875. Auf den Bericht vom 14. d. M. erwiedere ich, daß die Auffassung des Königlichen Provinzial-Schulcollegiums, wonach die Circularverfügung vom 20. Februar 1872 sich nur auf den thassächlich zum Lehrplan der betreffenden Schule gehörenden obligatorischen Religionsunterricht bezieht, die richtige ist. Dem-