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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-03-30 · Heft 14 (30.3.1875) · p. Seite 217

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 14 (30.3.1875)
Date
1875-03-30
Page
Seite 217 (sequence 5)
Language
German
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217 gel über Den Deckel Hinbreitelen, ohne ihn zu berühren, daS Gesicht einander zugewendet und auf den Deckel niedergebeugt hatten. Weiteres wird über die Gestalt und Größe der Cherubim nicht mitgetheilt, und waren solche auch in den untersten Teppich des HeiligthumS und in die Vorhänge vor dem Heilisten und Allerheiligsten eingewebt. Zweck und Bedeutung der Lade an sich verstehen sich von selbst. In ihr sollten die beiden Tafeln mit dem Grundgesetze, dem Sinai selbst angehörig, diese Tafeln des Bundes, des Zeugnisses, aufbewahrt werden für alle zukünftigen Geschlechter Israels. Hiermit war die Lade der Ort der bereits geschehenen göttlichen Offenbarung. Schwieriger ist schon die Deutung des Deckels. Denn schon seine Benennung mca laßt eine zwiefache Erklärung zu, nämlich als NL2 „bedecken", also einfach Deckel, als welcher er symbolisch die Abgeschlossenheit der geschehenen Offenbarung, zu der nichts hinzugefügt und von der nichts hinweggenommen werden soll, bedeutet, und dann von ->22 „versöhnen", welche Bedeutung dieses Wort aus dem Cultus heraus „die Sünde bedecken" erhalten hat. Dieser Deckel der h. Lade sollte nämlich noch einem anderen Zwecke dienen. Am Bersöhnungstage sollte der Hohepriester zuerst mit der Raucherpfanne voll glühender Kohlen vom Altar vor diesen Deckel treten und durch Raucherwerk eine Rauchwolke um den Teckel breiten; als dann von dem Blute des Sühnopfers für sich und sein Haus dahin bringen und davon auf und vor den Deckel sprengen; endlich dasielbe mit dem Blute des Sühnopfers für das Volk vollziehen, um hierdurch für sich, sein Haus und das ganze Volk das Heiligthum von seinen, seines Hauses und des Volkes Unreinheiten und Verschuldungen zu sühnen und zu versöhnen (3 Mof. l 6). Diese Bedeutung liegt, wie wir gesehen, auch in dem Namen mcs, der daher nicht mehr den bloßen Deckel der Lade bedeutet, sondern als „Sühnplatte" gefaßt werden muß. Deshalb ist auch diese Sühnplatte nicht wie die Lade von Holz mit Gold überzogen, sondern von reinem Golde. *) Aber noch gedeutet werden, während der Deckel mit der Lade in keinem festen Zusammenhänge stand, demnach in seiner Bedeutung selbstständig, von der der Lade durchaus verschieden ist. Da sonst die Befestigung eines Theiles an den anderen genau angegeben wird v2 Mos. 25, 12. 14), hier aber fehlt; da ferner die Hörner am Altar ebenfalls aus der massiven Masse durch den Hammer herausgetrieben waren, und es V. 19 ausdrücklich rorn mssn 773 heißt, wo das -,73 als Gegensatz zu rrnxp 'no b* zu berücksichtigen ist, so kann über die obige Deutung kein Zweifel obwalten. *) Dies haben bereits die ältesten Uebersetzer Sept. llug TQtov, ebenso Philo, die Vuly. propiiiatorium, so Mid. Thanch. by n"i22?3 nrpfpo msa nno s-vp: nrab. Diese Ansicht wird ferner dadurch unterstützt, daß die v>-!22 immer unabhängig. und gesondert von der Lade noch aufgeführt wird, was sie als bloßer Deckel durchaus nicht verdiente, 26, 34. 31, 7. 35, 12. 39, 35 ja, daß ihr noch mehr Gewicht beigelegt wird, als der Lade selbst, wie Ahron verboten wird, nicht jeder Zeit vor die WN22 zu kommen, 3 Mos. 16, 2, so daß das Allereine drille Bestimmung hatte diese Sühnplatte. Sie sollte nämlich die Ställe aller zukünftigen Offenbarung (2 Mos. 25, 22) sein: „Daselbst werde ich mich zu Dir verfügen, und mit Dir reden von der Sühnplatte herab, alles was ich Dir gebieten werde an die Söhne Israels." Sie wird deshalb der Ort der Zusammenkunft Gottes mit Moses genannt (30, 6). Darum will Gott auf der Sühnplatte in einer Wolke in die Erscheinung treten «3 Mos. 16, 2), und wenn Moses in das Heiligthum tritt, vernimmt er die Stimme, die mit ihm spricht, von der Sühnplatte her. (4 Mos. 7, 59). Somit ist die Lade in Verbindung mit der Sühnplatte der Träger und Repräsentant, der Fokus der ganzen Offenbarung Gottes an Israel, wie diese theils in ewigen Fundamentalgesetzen bereits abgeschlossen ist, theils zu weiterer Ausführung immerfort sich gestalten wird; sie ist das ewige Zeugniß und das Instrument der fortdauernden Offenbarung des sich offenbarenden Gottes und in Folge dessen auch der Sühnaltar aller Vergehungen gegen das Heilige, d. i. gegen die Offenbarung Gottes und die immer gegenwärtige geistige Verbindung Gottes mit Israel. — Dies müssen wir festhalten, um von hier aus auch die richtige Deutung der eigenthümlichsten Erscheinung der Cherubim in diesem Heiligrhume zu finden. Bis jetzt ergab sich die symbolische Bedeutung, wie von selbst, und war in dem einfachen Schriftworte selbst ausgesprochen. Deshalb muß man genau an diese anknüpfen, um auch die dunkleren Partien nicht willkührlich auszulegen oder sich mystisch darin zu verlieren. (Fortsetzung folgt.» Literarischer Wochenbericht. Bonn, 16. März. Gesammelte Schriften von vr. Zunz. Herausgegeben vom Curatorium der „Zunzstistung". Erster Band. Berlin 1875. Louis Gerschel. Die wissenschaftlichen Arbeiten unsres verehrungswürdigen Di-. Leopold Zun; haben seit ungefähr 1840 einen gnnz eigenthümlichen Charakter. Bei Betrachtung derselben können wir uns des Bildes nicht entschlagen, wie ein Regiment aufmarschirt in Reih und Glied, Alles ist daran gezählt, geordnet und uniformirt, der einzelne Mann gilt nicht in seinem Werthe unv Charakter, sondern als wohlgefugtes Glied des Ganzen. Der Eindruck ist monoton, es ist kein Kunstwerk voll Lebens und Geistes. Nun aber lasset die Kriegermaffe mit klingendem Spiele und flatternden Fahnen zum Angriff auf den Feind, zu standhafter Vertheidigung und Abwehr gegen den Feind ziehen: welch' ein ergreifendes Schauspiel! Der Geist, der riese Männer so geschaart hat, so begeistert unv leitet, erregt heiligste 1 Chron. 28, 11 nicht ynsrr rna sondern issn n-a genannt wird, endlich, daß sie oft gar nicht mit der Lade, sondern mit den Tafeln in Verbindung gebracht wird -ic« mssn m-wr: b? 30, 6. 3 Mos. 16, 13.

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