Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 14 (30.3.1875)
- Date
- 1875-03-30
- Page
- Seite 216 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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216 Seite hi» bewirkt,*- und endlich der Götzendienst verhindert.**) Dieses eine Heiligthum, neben welchem kein Altar, keine Höhe, kein Hain geduldet werden sollte, in einem Lande von ungefähr 470 UU Meilen und für eine Nation von mehr als drei Millionen Seelen, stellte symbolisch aufs Nachdrücklichste die Einzigkeit des Gottes dar, den Israel erkennen und anbeten sollte. Als zweiter Grundsatz erscheint uns der, daß an dem zu errichtenden Heiligthume alle Israeliten ohne irgend welchen Unterschied den gleichen Antheil haben sollten, daß es deshalb theils aus einer mäßigen Abgabe, welche für seden Israeliten von 20 Jahren und darüber, ohne Berücksichtigung des Vermögens erhoben werde, theils aus freiwilligen Gaben, von Allen nach dem Antriebe ihres Herzens dargebracht, errichtet werden sollte. <2 Mos. 25, 1 ff. 30, 12 ff.). Ausdrücklich wird vorgeschrieben, daß von jedem, der über 20 Jahre alt, ein halber Schekel Silbers erhoben werden sollte, „vom Reichen nicht mehr, vom Armen nicht weniger" (Vers 15.) Alle Israeliten sollten also mit gleichem Antheil und Recht in das Heiligthum eintreten. Charakteristisch ist noch, daß gerade das Silber dieser Abgabe zu den Füßen des Zeltes und den Capitälern und Verzierungen des Hofes verwendet wurden. 2 Mos. 38, 25.» Indem also an diesem einzigen Nationalheiligthume jeder Israelit ohne Ausnahme und Unterschied und durch ein gleiche Abgabe betheiligt ward, wurde der Grundsatz der Gleichheit aller Israeliten symbolisch ausgedrückt. Der symbolische Charakter dieser Abgabe tritt umsomehr hervor, als im Grunde deren Ertrag nur einen geringfügigen Theil des für die Errichtung des ganzen Heilgchums erforderlichen Aufwandes ausmachte. Zugleich war hiermit das Heiligthum nicht als Eigenthum etwa der Priesterschaft oder des Stammes, in dessen Landschaft es dereinst stehen würde, sondern für das Besitzthum des gesammten Volkes in allen seinen nationalen Gliedern und in völlig gleichen Rechten und Pflichten symbolisch erklärt. Dieser Grundsatz findet sich denn auch in allen CultuSvorschriften bethätigt. Das mosaische Heiligthum bestand nun aus drei Abtheilungen, dem Hofe, dem Heiligen und dem Allerheiligsten. Während der Hof ein nur mit linnenen Umhängen versehener Raum war, mit dem Brandopferaltar und dem Becken, stand in demselben die eigentliche „Wohnung", die durch Bohlen, Vorhänge Teppiche einen vollständig abgeschlossenen Raum bildete. Diese *) Der nachdrücklichste Beweis für die Richtigkeit dieser Erklärung wird durch Jos- Cap. 22 gegeben, wo die drittehalb Stamme jenseits des Jordans einen Altar erbauen und deshalb von den übrigen Stammen gehalten und mit einem Angriff bedroht, antworteten, daß sie ihn nicht zum Opfern, sondern nur „zur Schau" (B. ll) errichtet hatten, um zum Zeugniß zu dienen, daß sie für alle Zeiten zum israelitischen Religionsdunde gehörten und an dem Cultus im einzigen Heiligthume vollberechtigten Antheil hätten. (B. 24 ff.) **) Maimonides (M. Neb. NI. 32) giebt als Grund an, daß der Opferdienst so viel wie möglich eingeschränkt werden sollte. Dieser einseitige, äußerliche Grund ist allerdings mit einzuschließen, ohne als wesentliches Motiv angesehen werden zu können. nun war durch einen Vorhang in einen Vorder- und Hinterraum getrennt, so zwar, daß der letztere zehn Ellen in Cubik maß, der erstere bei gleicher Breite und Höhe das Doppelte der Länge, nämlich 20 Eden. In dieser ersten Abtheilong „das Heilige" standen der Schanbrodtisch, der goldene Leuchter und zwischen beiden der Räucheraltar. In der zweiten Abtheilung „das Allerheiligste", stand nichts als die BundeSlade. Im Heiligen brannten die Lampen des Leuchters, im Allerheiligfien war es dunkel. Zu dem Heiligen hatten die Priester behufs der Versorgung des Leuchters und des Tisches und der Verrichtung des Räucherns Zutritt, zum Allerheiligsteu nur der Hohepriester am Versöhnungstage. Dies zur Anschaulichkeit, während wir die Einzelnheilen später bettachten werden. I. Die Lade mit dem Deckel und den Cherubim. Die Lade selbst, 2V2 Elle lang und l1/» Elle breit und hoch, aus Akazienholz (Acacia aral». Wild.), innwendig und auswendig mit reinem Golde überzogen*), mit einem Kranze von gediegenem Golce oben rings um die Lade**), mit vier goldenen Ringen an den vier Ecken, in welche Ringe zwei Stangen aus Akazienholz und mit Gold überzogen hineingesteckt wurden, um vermittelst ihrer die Lade zu tragend) war oben offen. In ihr lagen die zwei steinernen Tafeln mit den Zehn-Worten. Geschlossen ward die Lade durch einen aus massivem Golde bestehenden Deckel,Iss-) der auf den Wänden der Lade auflag. Aus den beiden entgegengesetzten Enden dieses Deckels waren zwei Cherubim in getriebener Arbeit ftt) herausgebildet, welch die Flü- *) Die Tradition Jom. 72, 2 läßt 3 Laden machen, eine goldene auswendig, eine hölzerne darin, und hierin wieder eine goldene, was jedoch dem rrEari völlig widerspricht. (2 Mos. 25, 11.) **) Dieser Kranz sollte ebenso zum Zusammenhalten der Wände der Lade, wie zur künstlerischen Abgrenzung der Form dienen. Fälschlich will ihn Bähr um die Mitte laufen lassen, was dem vbr im Gegensatz zu widerspricht. -f) Diese Stangen sollten niemals aus den Ringen entfernt werden, was nur bei der Lade befohlen wird, unv zwar, wie Abarbanel richtig aus 2 Sam. 6, 6 bemerkt, damit Niemand mit den Händen die Lade berühre. Es wird dies dadurch bestätigt, daß selbst im Tempel Salomo's diese Stangen in den Ringen der Lade blieben, 1 Kön. 8, 8. Wenn dem 4. Mos. 4, 0 1-"13 zu wiedersprechen scheint, so wird dies dadurch behoben, daß diese Worte B. 6, 8, 11, 15 bei jedem der heil. Gerüche hinzugfügt worden und es nun auch bei der Lade in dieser Gleichmäßigkeit geschehen ist. -ff) Lange und Breite des Deckels waren dieselben, wie die der Lade. Seine Dicke wird von der Schrift nicht angegeben, nach der Trad. 8uec. 5, 1 eine Hand breit. itt) Es soll damit die Unzertrennlichkeit der Cherubim und des Deckels als gar nicht von einander getteunt zu denken, an-