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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-03-23 · Heft 13 (23.3.1875) · p. Seite 203

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 13 (23.3.1875)
Date
1875-03-23
Page
Seite 203 (sequence 7)
Language
German
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203 die neubegründeten Gemeindeschulcn Nr. 10, 79, 80 und 81 zu Simultanschulen der Art einzurichten, daß die denselben zuzuweisenden evangelischen, katholischen und israelitischen Schulkinder gesonderten Religionsunterricht erhalten, in den übrigen Lehrgegenständen aber gemeinsam unterrichtet werden, ist die Anstellung von evangelischen, katholischen und israelitischen Lehrern an den genannten Schulen genehmigt worden. Dagegen hat der Unterrichtsminister die Entscheidung über den Confessionscharakter der gedachten Schulen noch Vorbehalten. Behufs Ueberwachung des evangelischen Religionsunterrichts, welcher für die evangelischen Kinder ebenso obligatorisch ist, wie der katholische für die katholischen und der israelitische für die israelitischen Kinder, werden evangel. Geistliche delegirt, welche jedoch keine selbstständigen Anordnungen zu treffen, sondern etwaige Ausstellungen nur der städtischen Schuldeputation zu berichten haben?' Man wird in dieser Mittheilung nur auffällig finden, daß für Schulen, wo der confessionslose Charakter in so vollständiger Weise ausgeprägt ist, der Cultusminister sich noch die Entscheidung über den „Confessionscharakter" derselben Vorbehalten soll. Dies muß wohl auf einem Mißverständniffe des Correspondenlen der „B. Z." beruhen. Als eine Anomalie ferner muffen wir es doch noch ansehen, wenn evangel. Geistlichen die Aussicht auch über den kathol. und jüd. Religionsunterricht übergeben ist. Vielleicht ist auch dies eine irrthümliche Angabe. Denn dieses Verfahren wäre geradezu versaffungswidrig, da die Leitung, d. i. doch die Beaufsichtigung des Religionsunterrichtes jeder betreffenden Religionsgenoffenschaft in der Verfaffung verbürgt ist. Jndeß sind wir weit davon entfernt, selbst wenn die Dinge sich wie angegeben verhalten, auf diese Aussetzungen vorläufig großes Gewicht zu legen. Zunächst spricht die Thatsache als von großer Bedeutung für sich selbst. Die kleineren Mängel werden schon mit der Zeit noch verschwinden. Wir Juden haben dreifaches gelernt: das Gute annehmen ohne zu zögern, wenn wir auch nicht Alles auf einmal bekommen, abwarten und aufmerken. — Der Streit zwischen der „Adaß Jisroel" des Hrn. Hildesheimer und der freilich erst auf dem Papiere vorhandenen „Kehal Jisroel" des Herrn Lipschütz ist auf der ganzen Schlachtlinic entbrannt. Die erstere überschüttet die letztere mit Inseraten, die vor ihr warnen. Sie fürchtet also die Concurrenz der letztern, und Eon currenten geben meist die erbittertsten Gegner ab. Die „Adaß Jisroel" fürchtet die Zersplitterung, der sie doch sonst das Werl redet. Dies ist eine frühzeitige Nemesis. Tie Schriftstücke des „Kehal Jisroel" werden wohl nun nicht lange mehr das Lob des Herrn Hildesheimer singen und ihn aus der Liste der talmudischen Autoritäten streichen, in die er niemals gehört hat. — Die Leser werden sich erinnern, daß sich hier ein Comitö „Zur Errichtung jüdischer Waisenhäuser in Palästina" gebildet hat, welches im vorigen Jahre einen desfallsigen Ausruf erließ. Soeben kommt uns eine abermalige Kundmachung desselben zu, welche ein erstes Gabenverzeichniß bringt und in einfacher, warmer Weise zu weitern einmaligen oder jährl. Spenden auffordert. Es sind bis jetzt, nach Abzug von 188 Thlrn. Ausgaben, 8136 Thaler eingegangen, immerhin ein guter Anfang, aber selbstverständlich für den Zweck ungenügend. Tie Bedürfnißfrage muß entschieden bejaht werden. Denn wie das Comit«'; berichtet, hat die Sephardische Gemeinde in Jerusalem allein 7 0 hülfsbedürftige Waisen, die bei der dortigen Armuth einer traurigen Verlaffcnheit anheimsallen. Auch ist es bei solchen Unternehmungen niemals gerathen, zu warten, bis die Mittel zu einer umfaffenden Abhülfe vorhanden sind. Denn einerseits wachsen solche Veranstaltungen am besten, wenn der Anfang schon wirklich gemacht ist, andererseits ist auch ein weniges Gute, das gerade für Waisen geschieht, auch schon gut, und jedes gerettete Kind wiegt für sich selbst ein Verdienst. Auch hat das deutsche Consulat in Jerusalem sich für das Unternehmen ausgesprochen, und der Arzt im Roihschild'schen Hospital, Herr Dr. Schwarz, seine Mitwirkung zugesagt. Dennoch können wir unsre Zweifel über die Ausführbarkeit und die richtige Verwirklichung des an sich so hochherzigen Unternehmens bis jetzt noch nicht beseitigen. Wer die Zustände der jüdischen Bevölkerung in Jerusalem genauer kennt, bedarf doch noch ganz anderer Garantien für das zweckmäßige Gelingen, diese Waisen „zu religiös-sittlichen und erwerbsfähigen Menschen" heranzubilden. Die ganze sittliche und gewerbliche Atmosphäre daselbst paßt wenig hierzu. Wir würden es vorziehen, Veranstaltungen in Europa zu treffen und diese Waisenkinder aus Jerusalem dahin zu bringen, was, da sie keine Eltern haben, von dieser Seite keine Schwierigkeiten haben würde. Sendet man Lehrer und Erzieher von Europa dorthin, so würden diese bald den größten Anfeindungen unterworfen sein. Wir bitten dringend das Comite, diesen Gedanken in Erwägung zu ziehen. Sicherlich würden dann die Beiträge in reichlicherm Maße fließen. Jedenfalls wollten wir hiermit auch unsrerseits die Aufmerksamkeit des Publikums auf diesen Verein lenken und ihm Sympathien erwecken. Sendungen sind an Herrn Banquier Eduard Mende in Berlin «Spandauerstraße 7) zu richten. Leipzig, 11. März. «Privatmitth.» Der Ausschuß des „deutsch-israelitischen Gemeindebundes" erließ unter dem 5. d. ein Einladungscirculär auf Sonntag 11. April d. I. zum zweiten ordentlichen Gemeindetage in Leipzig. Die Tagesordnung ist eine reichhaltige, und es ist zu wünschen, daß die dem Bunde angehörenden Gemeinden sich recht zahlreich durch Deputirte vertreten lasten. Jeder Deputirte muß mit einer schriftlichen Vollmacht versehen sein. — Im vorigen Jahre wurde, wie man sich erinnern wird, an der hiesigen Universität, an welcher sämmtliche Stipendien stiftungsmäßig nur Studirenden christlichen Glaubens verliehen werden, von Studirenden jüdischer Religion ein Verein zur gegenseitigen Unterstützung unter dem Namen „Humanitas" gegründet. In diesen Tagen feierte dieser Verein sein Stiftungsfest, das nach einem geistvollen Vortrage des Rabb. Or. Goldschmidt über Moses Mendelssohn und dem Jahresberichte

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