Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 13 (23.3.1875)
- Date
- 1875-03-23
- Page
- Seite 202 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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L02 auf so hämische Weise an den Tag zu treten. Ebenso ist die Latinität eine sehr ungleiche, man möchte sagen, launenhafte, an Stellen nämlich mit classischer Feinheit, hier und da aber auch nicht selten grammatikalisch falsch. Freilich sind wir nicht gewohnt, gelehrte Werke in gutem Latein zu lesen; Fehler aber, wie Herr Dr. Fischer sie bietet, finden wir selbst in seinem Vorarbeiter und Vorbilde, dem wegen Küchenlateins bekannten Buxtorf, Neueren und neuesten Sprachforschungen trägt die Fifcher'sche Arbeit wenig oder gar keine Rechnung. Diesen scheint der Autor sehr abhold zu sein, citirt gewöhnlich, wo ihm alte und neue Sprachbelege zu Gebote stehen, die ersteren und scheuet es nicht (in der kraelaeio pag. XII), wo er über Bochart spricht, es offen auszusprechen: „licet enim eonteinlaut quidarn Bochartum nihil fere nisi etymologias compilasse, (Act. Erud. T. V. p. 449) non vereor dicere nomen ejus aetalem esse laturum“. Trotz aller dieser Eigenthümlichkeiten, Lücken und Mängel jedoch, muffen wir gestehen, bleibt das Werk eine der größten und hervorragendsten Leistungen auf dem Gebiete der Sprachforschung , und giebt Pape Smith, der größte Lexicograph des Jahrhunderts, dem Buche das beste Zeugniß der Brauchbarkeit und der Nützlichkeit, indem er es in seinem „Thesaurus Syriacus“ häufig mit aller Anerkennung citirt, häufig sogar die von Fischer manchem syrischen Worte beigegebene Bedeutung gegen die bisher bestehende syrische Lexicographie ausrecht erhalt. Nebst den von Fürst (l'raefacio pag. XIII) aufgezählten Stellen, könnten wir noch eine Reihe Noten als wesentliche und dankenswerthe Leistungen namhaft machen, begnügen uns aber damit, nur einige geringe zu bezeichnen, die geeignet sind, den Leser von dem Werthe des Buches zu überzeugen. Es sind dies die Noten 97, 50, 80, 30, und 66 auf den Seiten 550, 589, 644, 851 und 864, welche in etymologischer Beziehung vorzüglich zu nennen sind; Nota 33 Seite 1160 vermahnt uns vor einem durch Jahrhunderte von Commentatoren und Lexikographen begangenem Jrrthume. wahrend Nota 31 Seite 1093 als talmudisch-rabbinische Psychologie den neuesten Forschungen auf diesem Gebiete sich würdig zur Seite stellen kann. Ferner müffen wir eine zwei Bogen starke Abhandlung über das Tetragrammaton (Nota 75 S. 1205) hervorheben, welche wir dem geneigten Leser als eine ebenso geistreiche, wie auch gründlich gelehrte Arbeit empfehlen können, hoffend, daß er sie als das beste, was je auf diesem Gebiete geleistet worden ist, bezeichnen wird; und dürfen wir es aussprechen, daß, wenn Dr. Fischer nichts als die eine Note geschrieben hätte, er der Wiffenschaft genug geleistet haben würde, weil sie wenigstens dazu beigetragen haben dürfte, eine dem bisherigen ebenso zahlreichen als werthlosen Scribeleien über dieses Thema ein Ende zu machen. Endlich sei auch zum Lobe des Werkes erwähnt, daß es sich nicht damit begnügt, die aramäischen Idiome in ihren Beziehungen zur griechischen, persischen und arabischen Sprache zu kennzeichnen, sondern auch in weiteren Excursionen die Wichtigkeit des aramäischen Sprachschatzes und der jüd. Archäologie für das Verständniß classischer Stellen nachweist. So zwar gelang es (Seite 1671) dem Herausgeber, die noch nicht verstandene Horaz'sche Satire „de tricesima Sabbata“ auf eine höchst sinnreiche Weise zu erklären, und ist diese Erklärung, wie Fritzsche in seiner neuesten Horaz-Ausgabe es bekennt, die einzig richtige von all' dem, was durch zwei Tausend Jahre über diese Satire geschrieben worden ist. Der Preis des Werkes, 21 Thaler, ist ein etwas hoher, doch kein zu hoher den reichhaltigen und werthvollen Leistungen gegenüber, welche in demselben uns geboten sind. 2r>ei£ima 6u<xcßictc&fceit. Deutschland. Frankfurt a. M. (Privatmitth.) Am fünfzehnten Februar verschied hier in hohem Alter der durch seine Schriften in deutscher, französischer und hebräischer Sprache, sowie durch seine Sammlung seltener Bücher und Manuscripte rühmlichst bekannte Gelehrte L. Eljakim Carm oly. In den dreißiger Jahren war er belgischer Großrabbiner in Brüffel, gab aber dieses Amt auf, da er geringen Beruf für geistliche Thätigkeit in sich fühlte. Sein Hauptwerk ist die von ihm herausgegebene Revue Orientale, Brüffel 1841—46, welche eine lange Reihe wichtiger Abhandlungen aus der Geschichte der jüdischen Literatur enthält. Seine Ansichten gingen oft auf das Seltsame hinaus, haben sich jedoch in mehrfachen Fällen später als richtig erwiesen. Berlin, 11. März. (Privatmitth.) Die hiesigen Blatter stimmen über den Verlauf, welchen das Gesetz über die Rechtsverhältnisse der jüdischen Gemeinden nimmt, mit dem überein, was dieses Blatt bereits gemeldet hat. So schreibt die Tribüne: „Das Gesetz über die Berhältniffe der Synagogengemeinden soll jedenfalls in der nächsten Landtagssession vorgelegt werden. Dasselbe wird die Beziehungen der Mitglieder zu den Gemeinden, bezw. den Austritt aus denselben regeln. Es bestätigt sich auch, daß der Cultusminister beabsichtigt, Männer aus den betheiligten Kreisen zur Berathung über die Frage zu berufen. Wie wir hören, ist ein bezüglicher Entwurf schon für diese Session bestimmt gewesen und nur wegen anderweiter Ueberbürdung des Landtages mit Vorlagen zurückgestellt worden, und sollen die Borberathungen denn auch an der Hand dieses Entwurfes statt- Die „Boff. Ztg." schreibt: „Auf den Antrag.des Magistrat-,