Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 13 (23.3.1875)
- Date
- 1875-03-23
- Page
- Seite 201 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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201 Literarischer Wochenbericht. Bonn, 8. März. Am 7. August 1868 verstarb in Hannover der Privatgelehrte Herr L. Rosenthal, der eine lange Reihe von Jahren mit Fleiß, Umsicht und großen Opfern eine überaus reiche Zahl von Schriften der jüdischen Literatur sammelte, so daß diese Bibliothek schon lange als eine der bedeutendsten für diese umfängliche Disciplin galt. Nach dem Tode desielben kam diese Büchersammlung nach Amsterdam in den Besitz deS Sohnes, des Herrn Banquiers George Rosenthal. Der letztere hat Pietät für seinen verewigten Vater und Liebe für die jüdische Literatur genug, um eine solche Schöpfung eines ganzen Lebens in ihrer Integrität zu erhalten. Wir drücken nur den Wunsch aus, daß die Rosenthal'sche Bibliothek der Benutzung auch genügend zugänglich gemacht sei, ohne freilich zu wissen, ob nicht dieser Wunsch bereits befriedigt werde. Herr George Rosenthal that noch mehr: er ließ von Herrn M. Roest einen sorgfältig ausgearbeiteten Catalog verfertigen und in äußerst schöner Ausstattung auf seine Kosten drucken. Die beiden stattlichen Bande liegen vor uns, 12LS Seiten in lateinischer und 504 Seiten in hebräischer Schrift Lexikon-Format fassend, ein ehrenvolles Monument für den Urheber, wie für den jetzigen Besitzer der Bibliothek, eine bedeutende Bereicherung der jüdischen Bibliographie, die sich andern derartigen Caialogen angemeffen anreiht. Der hebräische Catalog ist vom sel. Rosenthal selbst versaßt. Die alphabetarische Ordnung ist nach gesunden Grundsätzen getroffen, was bekanntlich für die jüd. Autoren früherer Zeit keine leichte Sache, und z. B. in der Biblintlieea jmlaica von Fürst nicht befriedigend gelöst ist. Die Sammlung selbst ist sehr reichhaltig und erstreckt sich mit gleicher Sorgfalt über alle Zeitalter und Zweige der jüdischen Literatur. Wie es in der Natur der Sache liegt, ist sie nur für einige Autoren und Zweige vollständig. Der Manuscriptentheil ist von keiner Erheblichkeit. Die Sammlung, auch die der Sammelwerke, bricht mit dem Jahre 1868 ab. Wie wünschenswerlh wäre es, daß diese Bibliothek stiftungsmäßig für immer zusammenbliebe und schließlich auch die Mittel erhielte, in demselben Geiste fortgeführt zu werden. Wo ein solcher Grundstock vorhanden, sind diese hierzu erforderlichen Mittel nicht allzugroß.*) Berlin, im Marz. 8. Jonnnis Buxlorfii P-Lexicon chaltlaicum, lalnuidicnm et ra bb ini cnm denuo edidit et annotatis auxil Bernardus Fischer. Lipsiae 187 5, impensis Mauriti i Schaden Dieses Werk liegt uns nun vollständig vor und sind wir in *) Bei dieser Gelegenheit gestatte ich mir die Bemerkung, daß in den be;. Bibliographien, z. B. bei Fürst und ebenso im vorliegenden Werke, meinem sel. Vater Moses Phi li p pson irrlbümlich zwei Schriften zugeschrieben werden, deren Verfasser denselben Namen fiibrte, nämlich: die Verbesserung des Judencides, Neustrelitz l 7'.>7 und Leben Benedikts von Spinoza, Braunfchwcrg!79t). Mein Baker war erst 1775 geboren. L. PH. der Lage, unser über dasselbe nach Erscheinen des ersten Bandes bereits abgegebenes Urtheil hiermit zu ergänzen und zu begründen. Wir dürfen es uns sagen und müssen zum Lobe des Herausgebers gestehen, daß er, wie dies dem im aufrichtigen Dienste der Wissenschaft stehenden Manne zukommt, sonder Selbstsucht und Eigendünkel, manchen von uns gegebenen Wink weise und sorgfältig, zur Vermeidung mancher von uns gerügten Fehler benutzt, bis auf eine gewiffenhaste und sorgfältige Correctur, die, wie ehedem im ersten Bande, durch das ganze 167 Bogen starke Werk eine höchst mangelhafte bleibt. Auch ist die Arbeit keine gleichmäßige, indem der Herausgeber oft eine Wortgruppe, welche der Erklärung und Erweiterung dringend bedarf, ganz unverändert hinstellt, wie sie Buxtorf vor dritthalb hundert Jahren gegeben, während er bei einem anderen, minder wichtigen Sprachtheile weitläufig wird; ein Umstand, der darauf schließen läßt, der Autor sei bei seiner Arbeit entweder von der Laune, oder aber von gewisien äußeren Zufälligkeiten abhängig gewesen, daß, so zu sagen, das Manuscript naß in den Druck gekommen ist; ein Umstand, der bei jeder noch so geistreichen und noch so werthvollen Arbeit sich auf die unangenehmste Weise fühlbar macht. Diese Laune und die sonst auf den Autor einwirkenden Nebenumstände machen sich aus unangenehme, ja hier und da höchst unpassende Weise fühlbar, selbst wo die Arbeit eine lobenswerthe und überaus verdienstvolle ist. So zwar ist 9lota 07, Seite 1026, wie jeder Fachmann gestehen wird, in sprachlicher wie in sachlicher Beziehung eine vorzügliche zu nennen. Zum Schluffe dieser Nota bemerkt jedoch der Bersasser, zu welchen Jrrthümern es geführt habe, daß man das von ihm als echt aramäisch nachgewiesene Wort bisher als Fremdwort behandelte; ja sogar seien mehrere Jünger der Breslauer Schule aus die gar sonderbare Idee geralhen, dasselbe auf das griechische v.vfov, xwog, was Hund bedeutet, zurückzuführen. Dieser Bemerkung schließt sich also die Paranthese an: „Geiern,n mm esl cur riileas, Lectnr benigne, eam elymologiam. I'sus «ptippe eonfirmat regulain, et hnml dnhie apm! linmes hiijnsce scbolae, rabbinicac Vralislaviensis, in nsn est per > anem jwrare, veluti tliseipuli priscarum scholarum, qni in nonien lionorennpie magistroruin snorum jurare solebanl“ —. Ebenso ist nota 262 pag. 112 eine gute zu nennen und müssen wir dem Autor danken, daß er in derselben vor einem großen Jrrlhum bewahrt, in welchen wir, da er von einem der hervorragendsten Sprachforscher der Neuzeit herrührl, leicht hätten gerathen können. Wie widerlegt aber Fischer diese von Pani de Lagarde herrührende irrige Meinung? Jedes Wort ist Ironie und jede Zeile geeignet, den Urheber der Meinung lächerlich zu machen. In diotct 11 Seile 334 gratulirt der Autor wieder Bernstein von ganzen, Herzen ..intinn» ex pectore“, daß ihm Lagarde seine Meinung gestohlen, denn sie sei eine grundirrige. Diese und ähnliche Angriffe haben ihren Grund in einer persönlichen Gehässigkeit, durchaus aber nicht die Berechtigung, in einem gelehrten Werke