Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 12 (16.3.1875)
- Date
- 1875-03-16
- Page
- Seite 189 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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189 der Hälfte der gezahlten Beiträge, sowie in die Kosten. Wie man hört, ist in dem einen Falle Appell angemeldet. Wohlweislich haben die Deutschen nicht auf ihre Wiedereinsetzung in die Mitgliedschaft angetragen, denn sie hätten sich doch nicht in einer Gesellschaft wohl gefühlt, die so brutal alle Forderungen des Rechts, der Menschlichkeir und rer Religionsgenosienschast aus den Augen setzte. — Wie man hört, soll der zweite neue Tempel zum Tischri vollendet sein. Die schwebenden Finanzangelegenheiten zwischen dem Consistorium und der Stadt sind jetzt völlig geordnet. Bekanntlich sind die beiden Tempel aus vier Millionen angeschlagen und tragen die Stadt und die israelitische Gemeinde je die Hälfte davon. Marokko. Aus Marokko, im Februar. Das Februar-Bulletin der Alliance israelite enthält wieder betrübende Mittheilungen aus diesem Lande. Die Unsicherheit in diesem halbbarbarischen Staate unter dem neuen Sultan ist sehr groß, und es kann daher nicht verwundern, daß auch Juden allzuhäufig Opfer dieser Zustände werden. Es sind jüngst mehrere Fälle vorgekommen, wo Juden nnter dem Borwande von Handelsgeschäften aus ihrer Stadt nach gar nicht entfernten Dörfern uud Orten gelocll und daselbst geplündert und ermordet wurden. Der Gouverneur des Bezirks kümmerte sich darum gar nicht, und machte nicht die geringste Anstalt, die Mörder zu bestrafen, sei es aus Gleichgültigkeit, sei es aus Schwäche. Daß unter diesen Umständen auch die Agenten der fremden Mächte beim besten Willen nichts auszurichten vermögen, ist einsichtlich. Asien. Smyrna, im Februar. Wir gestalten uns hier, den Verdiensten zweier Glaubensgenossen im Dienste der Wissenschaft gerecht zu werden, indem wir folgenden Artikel der „N. fr. Pr." wiedergeben: Der durch seine Reisen in Griechenland und Anatolien rühmlich bekannte deutsche Archäolog, vr. Gustav Hirschselv, welcher in letzterer Zeit im Auftrag der deusschen Regierung den noch so wenig bekannten Theil des südwestlichen Kleinasien zu archäologischen und geographischen Zwecken mit großem Erfolge durchwanderte, hat von Stragom seine Rückreise nach der Heimarh angetreten. Die ergiebige Ausbeute Hirschfelv's dürfte die deutsche Regierung veranlassen, aus dem für die archäologische Forschung noch so lohnenden Boden Kleinasiens weitere Untersuchungen anstelle» zu lassen. Bei dieser Gelegenheit sei auch erwähnt und gebührend anerkannt, wie sehr sich der hiesige schwedische Viceconsul, Herr Spiegelthal, dadurch verdient gemacht hat, Laß derselbe deutsche Forscher, welche Kleinasien besuchen, durch seine Stellung, seine Localkenntnisse und seinen Einfluß stets auf die zuvorkommendste und uneigennützigste Weise unterstützt und ihre Bestrebungen und Zwecke eisrigst fördern hilft. Aus Persien, im Januar. Das Februar-Bulletin der Alliance israelite bringt über die Zustände der Juden in Persien folgenden betrübenden Bericht. „Tie persische Regierung ist sehr schwach und oft ohnmächtig. Der Grund der traurigen Lage der Juden liegt in einer gewissen „Abgabe" der Juden, deren Wirkung auf die jüd. Bevölkerung eine sehr traurige ist und sich auf einen Text im Koran stützt. Nur die Juden allein und nicht die übrige Bevölkerung sind ihr unterworfen. Während einiger Zeit verringert, ist sie neuerdings wieder vermehrt und verschärft worden. Jedenfalls besteht die Härte dieser und ähnlicher Taxen weniger in dem vemüthigenden Charakter, als in der Art, wie sie eingetrieben werden. Die Regierung erhebt sie nicht selbst: sie überläßt dies einem Muselmann oder Armenier, die sich die willkürlichsten Handlungen und schrecklichsten Erpressungen erlauben. So geschah es, daß ein Gouverneur Namens Mousa eines Tages an einem Orte einlras, die Vorsteher der jüdischen Gemeinde berufen ließ und sie zu einer erdrückenden Summe verurrheilte, indem er ihnen voller Ironie sagte: „Ihr habt einst meinen Namensbruder Moses sehr geplagt, heute werde ich ihn rächen!" Keine Hülfe ist gegen solche Quälereien möglich, jede Klage zieht ihrem Urheber die grausamsten Verfolgungen zu. Ein Israelit aus irgend einer Stadt, der in Folge einer solchen Plünderung sich zum Dolmetsch seiner Gemeinde gemacht hatte, mußte die Strafe der Bastonnare und die schrecklichste Verstümmelung erdulden. Noch eine andere Ursache der durch die Judentaxe entstehenden Demoralisation der Juden besteht darin, daß die ganze Gemeinde für die Zahlung haftbar ist. Jeder Wohnungswechsel, jede Auswanderung ist dadurch unmöglich, weil die Gemeinde keines ihrer Mitglieder ziehen läßt. Fügen Sie hierzu noch andere Plackereien. Zu Schiras darf ein Israelit den Kopf in Gegenwart eines Mohammedaners nicht aufrecht tragen; selbst in seinem Laden muß der Jude sich niedriger halten als der Muselmann. Ein Mohammedaner, aus ressen Felde eine Wittwe mit ihren beiden Söhnen Aehren gelesen, rödtete deren Kinder. Der englische Consul, der die Sache untersuchte, ließ den Mörder vor Gericht citiren, derselbe erschien und warf verächtlich 24 „tomans", den Preis für das vergossene Blut von zwei Juden, hin. Und als der Consul verlangte, daß die Gerechtigkeit ihren Laus habe, wollten die Juden ihn daran hindern, da sie die daraus entstehenden Verfolgungen fürchteten. Das vorzüglichste Ziel, das jeder Versuch zur Verbesserung rer Lage rer persischen Juden anstreben muß, ist die Abschaffung der Judentaxe, denn die Pächter dieser Abgabe sind zugleich Richter und Partei. Das sind Blutsauger, die, wenn die Regierung die Abgabe vecretirt, die Ziffer um hundert Procenr verdoppeln. Die Aufhebung dieser Geißel würde den Gemeinden 12