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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-03-16 · Heft 12 (16.3.1875) · p. Seite 183

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 12 (16.3.1875)
Date
1875-03-16
Page
Seite 183 (sequence 3)
Language
German
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Schwierigkeiten sind zweierlei Art: die einen entstehen aus der Verschiedenheit der religiösen Richtung, die anderen aus der immensen Ausdehnung dieser Städte. Diese Schwierigkeiten bestehen allerdings sür die erste von uns erwähnte Kategorie nicht. In Amerika u. s. w. constituiren sich conservative und reformistische Synagogen in allen Graden und in allen Stadtvierteln, wo sich Juden finden, die sich hierzu vereinigen. In der zweiten Classe, wie in Paris, stände dem auch nichts entgegen, da die polizeiliche Erlaubniß wohl leicht erlangt werden könnte, sobald das Consistorium seine Zustimmung und Mitwirkung gewährte, und warum sollte es diese nicht ertheilcn? Dennoch geschieht es nicht, oder nur nach kleinstem Maßstabe, oder provisorisch, wie etwa Betlocale zu den Feiertagen auch in Berlin und Wien, oft in der unpassendsten Weise. Wo eben eine Organisation besteht, da müssen die Maßnahmen von dieser auszehen, weil die Anschauung, die sich in dem Satze spiegelt: „Hilf Dir selbst und Gott wird Dir beistehen" in den Geistern nicht lebendig ist. Wie nun in Liesen großen Gemeinden den gedachten Schwierigkeiten abhelsen? Wir halten es bei vorausgesetztem guten Willen nicht für allzuschwer. Es muß nur der Grundsatz anerkannt werden, daß es Pflicht der Gemeinde ist, sür alle vorhandenen wirklichen Bedürfnisse ihres Gebietes zu sorgen, und zwar nicht als eine bloße kalte Pflicht, sondern als eine warme Begeisterung, daß daS Interesse des Iudenthums und das Heil vieler Individuen in ganzen Generationen die treue Erfüllung erheischt. Und auf diesem Grundsätze muß ein umsichtiger Plan entworfen und mit Ausdauer ausgeführt werden. — Was die Verschiedenheit der religiösen Richtung betrifft, so haben die preußischen Gemeinden in ihren Petitionen schon den richtigen Weg angegeben. Sind in einer Gemeinde eine oder mehrere Minoritäten vorhanden, sei es nach orthodoxer, sei es nach reformistischer Seite hin, welche einen von dem Gemeindegottesdienft abweichenden Cultus für sich Herstellen wollen, so erhalten die Anhänger des letzteren den Theil ihrer Gemeindesteuern zurück, welcher auf den Specialetat sür Len Cultus fällt. Diesen Theil gesetzlich füralle Gemeinden normiren zu wollen, wäre durchaus ungerecht, da die Ausgaben für den Cultus in den verschiedenen Gemeinden sehr verschieden sich bemessen. Ein anderes Berhältniß würde sich - nicht rechtfertigen lassen, La man Niemandem zumuthen kann, für Diffentirenre milbezahlen zu sollen. — Was aber die pocalitäten betrifft, sc müssen in einer großen Stadt nach Maßgabe der Entfernungen vom Centrum oder von dem Biertel, in welchem bisher ein großer Theil der Judenschast wohnte, und deshalb die Synagogen und Schulen sich befinden, Bezirke abgegrenzt werden, in welchen das Bedürsniß eines eigenen Gotteshauses und Religionsunterrichtes wegen der Entlegenheit und nach Maßgabe der jüdischen Bevölkerung daselbst unentbehrlich nothwendig geworden. Da in den Gemeindelisten die Wohnung jedes Mitgliedes verzeichnet steht, so kann eS nicht schwer fallen, diese Bezirke zu erkennen und festzusteUen. Man braucht ja auch nicht von vornherein große Baulichkeiten aufzuführen, sondern bis zur Consolidirung solcher Bezirke die passenden Räumlichkeiten ermiethen, nur Laß sie eben den Charakter einer gewissen Dauerhaftigkeit und genügenden Angemessenheit besitzen. Hierin liegt die Berpflichtung der Gemeinden, und obschon wir wissen, daß die Ausführung mit beträchtlichen Schwierigkeiten verbunden ist, so liegt cs doch im höchsten Interesse der Religion und der Genieinde selbst, dieser Berpflichtung nachzukommen. Es gab eine Zeit, wo den jüdischen Gemeinden noch so dringlich das, was Roth thut, nachgew-esen und an's Her; gelegt werden konnte, ohne daß irgend eine Berücksichtigung erfolgte. Wir glauben, Laß diese Zeit vorüber ist, und eine größere Energie nach dieser Seite hin Platz gegriffen hat. Mögen daher unsre Auseinandersetzungen beachtet werden, und sind wir bereit, angemessene Besprechungen über diesen wichtigen und schwierigen Gegenstand in die Spalten dieses Blattes auszunehmen. Literarischer Wochenbericht. Neuer Zeitungö - Catalog nebst Jnsertions Tarif von Rudolf Mosse. Die trotz der erzielten großen Ausdehnung unverändert rührige Annoncen - Expedition von Rudolf Al o s s e, die nunmehr an jedem nur irgend wichtigen Platze Deutschlands durch eigene Filialen oder durch Agenturen vertreten ist, hat soeben ihren neuen Zeitnngs-Catalog nebst Insertions-Tarif in 12. Auflage erscheinen lassen. Dieses wichtige Nachschlagebuch, 7 Qnartbcgen stark, enthält eine genaue und sorgfältig zusammengcstellle Liste aller jetzt erscheinenden Zeitungen und Journale, Angabe der durch Einführung der neuen Reichswährung vielfach veränderten Jnsertionspreise. Während die politischen Zeitungen nach Staaten und Provinzen geordnet sind, erscheinen die Fachzeitschriften je nach ihrer Tendenz und ihrem Inhalt in besonderen Rubriken verzeichnet, so daß man sich in diesem Werkchen über die in- und auslänrische Journalistik rasch und sicher orientiren kann. Die Ausstattung ist, wie wir dies bisher stets beifällig bemerkt haben, auch diesmal eine höchst geschmackvolle. Da die Berabreichung des Catalogs an Interessenten gratis erfolgt, so ist die Herausgabe eines so reichhaltigen und nützlichen Handbuches sowohl seitens der Presse als auch des inserirenden Publikums in ihrer vollen, nicht zu unterschätzenden Bedeutung entsprechend zu würdigen. 12*

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