Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 11 (9.3.1875)
- Date
- 1875-03-09
- Page
- Seite 173 (sequence 9)
- Language
- German
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173 Theiluahmsvoll meinte Se. Excellenz, welche Abhilfe der Herr Rabbiner von ihm erwarte? Der Rabbiner ging nun auf die StaatSsubvention über, hinweisend auf die Subvention, die die Geistlichen aller Confesfionen vom Staate erhalten. Ferner, daß auch in Bayern und Würtemberg die Rabbiner eine solche vom Staate erhallen. Se. Excellenz bedauerte, daß diese Angelegenheit nicht in sein Ressort, sondern in den des Herrn CulMsministers gehört, fügte jedoch wohlwollend rathend bei: Wenden Sie sich zur Abhilfe an den Herrn CultuSminister, gelingt es Ihnen Se. Excellenz, so wie mich zu überzeugen, wird Ihrem Verlangen sicher entsprochen werden. Durch diese Zustimmung ermuthigt, begab sich derselbe mit gehöriger Empfehlung im October 1873 nach Wien zum Herrn CultuSminister und trug demselben seine Angelegenheit kräftig und überzeugend vor. Se. Excellenz ward wie ganz ergriffen, erbat sich über so Vieles Aufschluß und entließ denselben nicht ohne Hoffnung, indem er zugleich eine schriftliche Aufzeichnung von dieser Unterredung sich erbat. Dem wurde auch des andern Tags freudig entsprochen. Auch Herr Rabbiner vr. Güdemann billigte diesen Plan und die unternommenen Schritte, empfahl den Tachauer Rabbiner an den Herrn Reichstagsabgeordneten l>r. Kuranda. Dieser nahm ihn freundlich auf, theilie demselben sogar mit, daß auch er, und mit ihm andere Deputirte, schon lange sich mit diesem Gedanken beschäftigte. Er freue sich, daß diese Angelegenheit endlich in Fluß gekommen sei. Sein Beistand wird sicherlich nicht fehlen, so dieser Gegenstand öffentlich zur Berathung gelangen wird. Hoffnungsreich kehrte der Rabbiner nach Haufe zurück, mit der Illusion, den Gemeinden und leidenden Herren Ccllegen gedient zu haben. Jedoch Menschen denken und Minister lenken! Mitte December d. I. bekam der Tachauer Rabbiner von der Statthalterei den ministeriellen Bescheid zugestellt: Se. Excellenz hat befunden, auf Ihre Eingabe nicht einzugehen! Finis Poloniae! Nun galt es erst, sich zusammenzuraffen. Eine kräftige Petition wurde ausgearLeitet, zugleich ein Bittgesuch an Herrn Deputirten vr. Kuranda abgeschickt, mit dem Ansuchen, ob derselbe sich freundlichst bestimmen wollte, die Petition dem Reichsrath zn überreichen. Die Nichtbeantwortung bewies ebenfalls, daß Herr Vr. Kurandr befunden habe, auf das Ansuchen nicht einzugehen. Nun wurde für die Sache der liberale und sehr humane Herr Bürgermeister von Tachau gewonnen, der mit Leib und Seele versprach, Alles aufzubieten, damit dieser gerechten Forderung entsprochen werde. Der sehr fteundliche Herr Bürgermeister übergab die Petition dem Herrn Abgeordneten D,-. Bareuther (ein Israelit), der dieselbe sogleich überreichte und zugleich versprach, derselben Freunde zu erwerben. Nachdem der ehrenwerthe Herr vr. Bareuther mit dem Referenten Herrn Vr. Stadler Rücksprache genommen, wurde dem Rabbiner die freudige Nachricht ertheilt, daß auch der Herr Referent für diesen Gegenstand einstehen zu wollen feurig zugesagt habe. Der Herr Referent hielt auch Wort. Er theilte nämlich dem Rabbiner mit, daß bereits der Cultusminister und Herr Vr. Herbet ihre Zustimmung demselben gaben. Der ehrenwerthe Herr Referent vr. Stadler wollte sogar in der Commission, als diese Petition zu Berathung gelangte, den Anttag stellen: Die k. k. Regierung werde aufgefordert, eine Subvention für die Landrabbiner im folgendem Jahre einzustellen! und hätten nicht Glaubensgenosien ihm begreifiich zu machen gesucht, daß in dieser Form es zweifelhaft sei, den Antrag durchzubringen, Herr vr. Stadler hätte, wie er den Herrn Rabbiner berichtete, den Antrag so gestellt. Nun liegt die Berücksichtigung in der Hand der Regierung. Nun wären erst geeignete Schritte nothwendig, Schritte, die een Herren Rabbinern vorgezeichnet wurden, sind von demselben Herrn Referenten. Den Herren Collegen dürfte es angezeigt sein, sich mit dem Tachauer Rabbiner zu verständigen, um gemeinschaftlich das Nöthige weiter kräftig zu veranlaßen. I e u r i Eugen-Melchior de Vogue und die Inden in Syrien. In diesen Tagen blätterten wir das erste Februarheft der vevue deux mondes durch, und stießen Seite 529 auf eine Anmerkung, die unsere Aufmerksamkeit auf sich zog. Sie lautet in treuer Uebersetzung: „Muß ich hinzufügen, daß diese Schilderungen und Bemerkungen, welche, durch die Eigenthümlichkeit der Juden Palästinas hervorgerufen, alle Reisenden machen, gar nicht die zahlreichen Israeliten berühren können, welche sich durch Thätigkeit, Intelligenz und Patriotismus eine ehrenhafte Stellung in unseren europäischen Gesellschaften geschaffen haben? Die meisten unter ihnen waren die ersten, den moralischen und materiellen Verfall zu betrauern, in welchem ihre syrischen Glauf C I 0 n. bensgenofsen sich zu gefallen scheinen, und eine Kaste zu beklagen, welche sich freiwillig von der übrigen Menschheit getrennt hat." — Diese Erklärung veranlaßre uns, wie man sich denken kann, die ganze Abhandlung zu lesen, welche die Ueberschrift trägt: „Reise in Syrien", und die zur ersten Hälfte in der Lieferung vom 15. Januar, zur zweiten in der vom 1. Februar enthalten ist. Der Verfasser hat einen gewandten und reichen, oft nur zu überreichen Styl. Seine Stärke besitzt er in lanvschaft- | lichen Zeichnungen, mit welchen er Rückblicke auf alle Zeiten der j Vergangenheit, auf die Bibel, die griechische unv römische Herrj schuft, die Aera der Kreuzzüge und die mohammedanische Periode j in vollem Maße zu verbinden liebt. Dies Alles läßt sich an- : genehm lesen, wenn wir auch wenig daraus erfahren und noch l l