Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 11 (9.3.1875)
- Date
- 1875-03-09
- Page
- Seite 170 (sequence 6)
- Language
- German
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170 Das mosaische Heiligthum bestand ungefähr süns Jahrhunderte. David erneuerte es aus Zion. Salomo ersetzte es durch seinen Tempelbau, in welchem die h. Gerälhe deffelben aufbewahrt und zum Theil in Function erhalten wurden. Mit der Zerstörung Jerusalems durch Nebuchadnezar gingen auch diese verloren. War aber nun die mosaische Symbolik zu einer Zeit entstanden, die bereits an der Grenzscheide zwischen Erkenntniß und Symbolik stand, so starb während des folgenden halben Jahrtausends die Symbolik schon allmälig ab, ihr rechtes Verstandniß fing an, sich zu verlieren. Deshalb traf es sich, theils daß die Symbole in ihrer Gestalt verändert wurden, theils daß ihnen eine andere Bedeutung beigelegt ward. So, um nur zwei Beispiele anzuführen, wurden im Salomonischen Tempel, obschon dieser im Ganzen die Einrichtung des mosaischen Heiligthums beibehielt, die symbolischen Zahlen außer Betracht gelaffen, und Verzierungen z. B. am ehernen Meer angebracht, welche in das symbolische Ganze nicht hinein paffen und eben nur zu Schmuck und Pracht gereichen sollten; so erscheinen bei Ezechiel die Cherubim in völlig anderer Gestalt, nicht blos in seiner Vision, sondern auch in seinen Vorschriften über den zukünftigen Tempel. Diese Veränderungen ließ man unberücksichtigt und nahm die späteren Formen zur Hülfe, um die mosaischen zu erklären. Alles dies muß gewiffenhast vermieden werden. Man muß Selbstbeschränkung genug besitzen, um Las, was man aus der h. Schrift selbst nicht zu erklären vermag, auch nicht erklären zu wollen. Sowie man Fremdartiges in die Deutung hineinträgt, hat man der Symbolik einen größern Schaden zugefügt, als man ihr nützen kann. Und doch darf die Forschung hier nicht ermüden. Jede sichergestellte Deutung auch des kleinsten Symbols liefert uns einen Gedanken aus dem innersten Leben des großen prophetischen Geistes und aus dem Leben jener Zeit. Die Gestaltung der mosaischen Lehre in der symbolischen Darstellung mußte bedeutende Gedanken, überaus wichtige Vorstellungen, die im biblischen Worte kaum ausgedrückt sind, zur Darstellung bringen, und so gehen uns hier neue Offenbarungen auf, deren Werth zunimmt, je unzweideutiger sie in den Symbolen nachgewiesen werden. Wir haben uns daher in unsrem Bibelwerke redlich bemüht, die Auslegung der mosaischen Symbolik möglichst weiter zu fördern, nachdem aus diesem Gebiete soeben einige gute, aber oft allzukühne Fortschritte gemacht worden waren. Sind wir aber dort streng wiffenschaftlich und ausführlich zu Werke gegangen, und ist das gedachte Werk Vielen nicht zugänglich, so muß es uns doch daraus ankommen, die Ergebniffe allgemeiner bekannt und populär zu machen, und wollen wir dies in einer Reihe von Artikeln zu thun versuchen. Der Weg, den wir hierbei gehen, ist nicht der, den Gesammtgedanken des Heiligthums voranzustellen, und dann in deffen einzelnen Theilen zu verfolgen — auf diese Weise schaffte man sich ein Vorausurtheil, das leicht irre führen kann — sondern man muß die Bedeutung der einzelnen Theile zu ergründen und sicher zu stellen suchen, um daraus in natürlicher Folge sich das Ganze zusammensetzen zu laffen. ^r>ci£uuq buccc&xAA&m;. Deutschland. Berlin, 24. Februar. «Privatmiltheil.) Wir haben den diesjährigen Eratsentwurs für das Ministerium der geistlichen und Unterrichtsanzelegenheiten wiederholt durchgelesen, aber während für die katholische, altkatholische und evangelische Kirche mit allen den ihnen zugehörigen Anstalten die Positionen theils in bisheder keine Gemeinde hat, nach einem großen Orte geht und sich daselbst eine Gemeinde zu bilden sucht, wozu dann alle möglichen Mittelchen in Bewegung gesetzt werden. Dieses Schicksal scheint jetzt auch Berlin zu treffen, daß schiffbrüchige Rabbiner hier einen neuen Ankergrund suchen und sich hierzu eine Untiefe des Waffers ausspähen. Wir hätten hiergegen an sich gar nichts einzuwenden; sucht doch Jeder sein Stückchen Brod. Wir wissen rigem, theils in erhöhtem Maße die Forderungen ausgestellt sind,; Aehnliches aus anderen großen Gemeinden, z. B. Prag, wohin hat das Judenthum noch keine Erwähnung in demselben erhallen, j etliche Rabbiner vom Lande, deren Gemeinden durch Wegzug Doch ist es bekannt, daß der Herr Minister nicht allein dem j zusammengeschrumpft sind, sich begaben, um sich ein Stückchen jüdischen Seminar zu Münster eine jährliche Unterstützung von! Feld der Thätigkeit zu erobern. Heute liegen mir aber einige 2000 Thalern zukommen läßt, sondern auch 0000 Mark zur! Schriftstücke vor, die denn doch etwas Anderes bedeuten. Daß Aufbesserung der Gehälter der israelitischen Schullehrer in der Provinz. Hessen-Nassau bestimmt hat. Wir hätten es wohl gern sehen müssen, wenn Liese Positionen auch im Etat aufgestellt wären, weil sie dadurch die Festigkeit eines Gesetzes erhalten es 0r. Hildesheimer gelungen ist, etwa 300 Personen zu einer Gemeinde, die sich „Adaß Jisrael" nennt, für sich zu vereinigen, ist ein lockendes Beispiel für l>r. B. I. Lipschütz geworden, denselben Versuch zu machen. Bekanntlich ist dieser Herr einst hätten. — Bis jetzt war es Brauch, daß, wenn eine Gemeinde, Rabbiner zu Landsberg a. W. gewesen, und als er aus dieser die entweder längst besteht, oder die sich gebildet hat, das Bedürfniß fühlt, sie sich einen Rabbiner sucht und wählt. Jetzt scheint ein anderer Brauch aufzukommen, nämlich, daß ein Rabbiner, Gemeinde geschieden, Großherzoglich-Mecklenburgischer Landesrabbiner in Schwerin, und als er auch aus dieser Stelle geschieden, einige Jahre in Hamburg privatisirte, wo er eine kleine