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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-03-02 · Heft 10 (2.3.1875) · p. Seite 157

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 10 (2.3.1875)
Date
1875-03-02
Page
Seite 157 (sequence 11)
Language
German
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157 angedeutet, nicht ohne Einfluß auf das Geschick der Juden in Diessen gewesen sein dürfte. Selbstverständlich kann von einer solchen Hypothese erst dann die Rede sein, wenn es feststeht, daß wir es hier, mit Wahrheit und nicht mit Dichtung zu thun haben. Bis jetzt ist' es mir aber noch nicht gelungen, in Len älteren zuverlässigen Quellen irgend Etwas ausfindig zu machen, was an unsere Erzählung anklingt. *) Historisch nachzuweisen ist nur, daß Herzog Bertholv eine hervorragende Rolle im dritten Kreuzzuge gespielt und auch in seine Heimath zurückgekehrl**), ferner, daß Herzog Leopold von Oesterreich sich in gleicher Weise am genannten Zuge betheiligt und einen jüdischen Finanzverwalter Namens Salomo hatte;-ß) dagegen wird weder ein Dietrich von Wasserburg (der angebliche Attentäter» als Kreuzritter genannt, noch von einer Feindschaft zwischen Wasserburg und Andechs berichtet. Es ist daher anzunehmen, daß unser Gewährsmann aus den späteren Quellen, dem mittelhochdeutschen Epos, geschöpft und keinen Anstand genommen, Dichtung als Geschichte darzustellcn. Räthselhaft bleibt es immerhin, wie eine solche Sage, die man leicht für eine jüdische Tendenzsage halten kann, ohne historischen Hintergrund unter den Epigonen entstehen und in genannter Literatur Aufnahme finden konnte. Vielleicht giebt uns der zu erwartende II. Band von Röhricht's Beiträge zur Geschichte der Kreuzzüge (der erste, im vorigen Jahre erschienene, reicht nur bis zur Belagerung Accons) einige Anhaltspunkte. llr. Engelbert. Aus der Leiseruappe l)r. H. Zirndorsi, Seminardirector. Pest vor sechszehu Jahren. (Fortsetzung u. Schluß.» Bei Gelegenheit der vertreibungslustigen Gemeinden dürfen wir jedenfalls das nordungarische Eperies nicht übergehen. Diese Stadt hat über zwei mir bekannte Gelehrte das Exil verhängt. Den einen, Dr. Schiller, lernte ich in England kennen; er hat inzwischen an der Cambridger Universität eine Wirksamkeit gefunden. Dem anderen, Dr. Bernhard Beck, ruckte ich während meines damaligen Wanderlebens näher, und ihm ist mehr als ein bedeutendes Blatt in meinen Erinnerungen geweiht. Der an Geist und Herz gleich hervorragende Mann hatte frühzeitig das Wort des Fabulisten beherzigt: -„Drum ist's gut. Mehr als eine Kunst zu wissen." *) Auch die beiden neueren trefflichen Arbeiten: Fischer, Geschichte des Kremzugs Friedrichs I., Leipzig 1S7<* und Riester, der Kreuzzug Kaiser Friedrichs I. (Forschungen zur dcuychcu Geichrchtc X. Bd.) enthalten Nichts, was hierüber einigen Aus»chluv geben konnte. **) cf. Ansbert, fontes rer. Austr. I, 5. Monum. Germ. rer. oo, XVII und XX u. m. A. Bertbold wird hier meist <iux de .Mair (Herzog v. Meran) betitelt. -s) Gratz, Geschichte der Juden, Bd. VI, S. 27 l. Neben dem Rif und Meharschal hatte er cs nicht versäumt, mit dem Trebonian und Gajus sich zu befreunden, und diese hohen Gönner, welche nach dem alten Denkvers ihrem Jünger zu Honores verhelfen, hatten ihm in dem reichen Pest ein freundliches Daheim und eine glänzende Clientel verschafft, in deren Besitze er seine unerkenntliche Diöcese längst verschmerzt hatte. Die spätere Rabbinatsgeschichte von Eperies aber ist in Dunkel gehüllt. Indessen fordert die Gerechtigkeit hinzuzufügen, daß nicht alle Gemeinden des Hunnenlandes so unverträglich sind wie beispielsweise das kleine Csaba, das eines schönen Tages aus seiner Dunkelheit hervortrat, um mit dem Schmerzensschrei seines exilirten Alexanderssohn die innersten Gauen des deutschen Landes zu erfüllen. Hier ist eine kleine und wahre Scene aus der Geschichte des Religionsfriedens und der gottseligen Gesinnung: den Hergang kann ich verbürgen, und die Namen sind echt und unfingirt. Der Rabbiner Löffler faß zu Börösvar und war beliebt bei Jung und Alt, bei Vornehm und Gering. Dies wußte man in Batorköz, und die letztere Gemeinde beschloß, den verehrten eelenhirten um jeden Preis zu gewinnen. Löffler blieb zuerst standhaft; als aber die Briefe und Deputationen gar kein Ende nehmen wollten, gab er zuletzt widerstrebend seine Zusage. Dieser Enschluß, kaum bekannt geworden, verbreitet das aufrichtigste Schmerzgefühl in Börösvar, und Alles dringt in den theuern Lehrer, sie nicht zu verlassen. Getheilten Sinnes und voll Reue über den verfrühten Entschluß, verspricht der wackere Rabbi, das neue Verhältniß womöglich zu lösen. Würde ihn die neue Gemeinde seiner Züsage nicht entbinden, so verpflichtet er sich freiwillig zu einer Buße von vierhundert Gulden an seinen bisherigen Sprengel. Batorköz aber weiß den Werth der gemachten Errungenschaft zu schätzen und dringt auf die Erfüllung des neuen Vertrages. Da öffnet der Rabbiner ohne Zaudern seine Schatulle, zahlt zweihundert Gulden an die Vörösvarer sogleich, läßt für den Rest eine Thora-Rolle als Pfand und zieht seinen neuen Penaten entgegen. Die neue Gemeinde hört von diesem Opfer und beschließt, den Rabbi zu entschädigen. Der erledigte Baarbetrag wird ihm sofort wieder zugestellt, und zugleich wendet man sich an die Gemeinde Börösvar um die Thora-Rolle einzulösen. Diese aber will an Goßmuth nicht zuweit hinter Batorköz Zurückbleiben: sie hält zwar das Geld mit beiden Händen fest, stellt aber die Rolle unentgeltlich ihrem Eigner wieder zu. Hier ist die artigste kleine Novelle aus dem wirklichen Leben, und unter dem Griffel eines Kompertz würde sie alsbald Leben und Rundung erhalten. Die eben verflossenen Herbstseiertage hatten auf den synagogalen Kanzeln links und rechts der Theiß viel Staub aufgewirbelt, und eine Blumenlese rabbinischer Beredsamkeit, die ich da und dort aufsammelte, war eben nicht geeignet, mir von dem örtlichen Stande dieser Literaturgattung einen sehr hohen Begriff zu geben. Am schlimmsten kamen die Frauen diesmal weg;

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