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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-03-02 · Heft 10 (2.3.1875) · p. Seite 156

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 10 (2.3.1875)
Date
1875-03-02
Page
Seite 156 (sequence 10)
Language
German
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156 pactiren ist, wird dadurch ungemein gesteigert. Jetzt, wo die gesammte Nation zu großen Opfern sich herbeilasien muß, wo die allgemeine Unzufriedenheit solche gewaltige Dimensionen in allen Kreisen angenommen, jetzt ist es Zeit, die gemachten Fehler einzugestehen und dieselben so viel wie möglich gut zu machen. Wahrlich, wenn man den Moment nur recht benützen wollte, so könnte man vieles zur Versöhnung der Gemüther thun! Bor Allem aber muß man mit den Magyaromanen, Chauvinisten und Renegaten völlig brechen! Dies gilt im Allgemeinen vom Staatswie vom Gemeindeleben! Arbeit, Fleiß und Sparsamkeit sind die drei Zaubermittel, die allein Ungarn noch retten können. „Die Diagnose unserer Leiden," sagte Mor. Jokai, der genialste ungarische Schriftsteller, in seiner ausgezeichneten Rede in der Budgetdebatte, „lautet dahin, daß wir stets das Verlangen haben, Großmacht zu spielen. In allen Institutionen wollen wir stets als größere Herren erscheinen als es unsere Mittel erlauben." Der Sprachfanatismus der Ungarn entspringt auch dieser leidigen Großmannssucht. Jnsolange dieser vorherrscht, ist der innere Friede gefährdet und giebt es für das Land keine Rettung! Pest, 14. Februar. iPrivatmitth.) Der durch die Bemühungen des Herrn Dr. I. Hirschler im Jahre 1868 in's Leben gerufene Ungarisch-israelitische Landes-Stipendium- Berein hielt gestern seine diesjährige Generalversammlung ab. Diesem so wohlthätig wirkenden Vereine flosien auch im vergangenen Jahre mehrere namhafte Schenkungen und Legate zu, so das Fochs'sche Legat im Betrage von 5000 fl., eine Schenkung der Wittwe Adolph Pollak von 1000 fl., der Wittwe Regine Schoßberger de Tornya von 500 fl., der Herren Anton und Ignatz Steinfeld in Debreczin von 700 fl. u. a. m. Das Bereinsvermögen übersteigt bereits die Summe von 24,700 fl., so daß schon jetzt 15—16 Stipendien von 100, resp. 200 fl. alljährlich zur Vertheilung kommen. Frankreich. Paris, 15. Februar. Das Pariser Consistorium hat einen Bericht über den Erfolg seiner vor einem Jahre vollzogenen Begründung einer freiwilligen Gemeindekasie, um die Lücken auszusüllen, welche der vom Staate bewilligte Cultusetat und die von der Stadt gewährten Subventionen für die Cultus- und Unterrichtsanstalten lassen, ausgegeben. Ungefähr 500 Personen haben der Aufforderung theils durch Beiträge zum Fonds, theils durch Beitrage jährlicher Zeichnungen, genügt. Der Fonds hat bereits einen Ertrag von jährlich 16,000 Frcs. erreicht, und die Jahresbeiträge belaufen sich auf 49,000 Frcs., zusammen jährlich 65,000 Frcs. Man hofft, daß sich noch immer mehr Mitglieder der Gemeinde für die Kaffe thätig ioteressiren werden. Dies würde sich gewiß in noch umfassenderer Weise verwirklichen, wenn das Consistorium auch einen Plan über die regelmäßige Verwendung dieser Summen veröffentlichte, was bis jetzt noch nicht geschehen. Denn viele Personen eifert erst der Zweck an, wenn er ihnen speciell mitgetheilt worden, und Viele wollen überhaupt erst wissen, wozu ihr Geld verwendet werde. Man hofft, hierüber vom Consistorium bald eine Kundmachung zu erhalten. — Aus Oran (Algerien) berichtet man, daß bei den jüngsten Municipalwahlen viele Stimmzettel in hebräischen Lettern abgegeben und vom Prafeclurrath daselbst für ungiltig erklärt worden, so daß die Wahl vom 29. November annullirt werden mußte. Findet man dies an und für sich gerechtfertigt, nur daß der Präfecturrath vorher das Publicum hierüber wohl hättte unterrichten können, so begreift man doch die Auslastung der Arch.. isr. nicht, welche die dortigen Israeliten derb zurechtsetzen, daß, wer Franzose sein und die Rechte des ftanzösischen Bürgers ausüben wolle, auch französisch lesen und schreiben können müffe. Vergessen die Arch. isr., daß ein großer Procentsatz des französischen Volkes in Frankreich selbst weder lesen noch schreiben kann, daß dies in einem Departement bis zu 52 Procent steigt, während es in anderen, namentlich den östlichen, bis 10 °,o und 8 ° ’o sich herabmindert? Diese Juden in Oran können doch wenigstens lesen und schreiben, wenn auch nur in hebräischen Charakteren. Die ftanzöschen Analphabethisten werden darum auf ihre bürgerlichen Rechte nicht verzichten. — Der Großrabbiner von Paris, Herr Zadoc Kahn, warnt öffentlich vor Empfehlungs-, d. h. Bettelbriefen, die seine Unterschrift tragen, weil diese durchaus gefälscht ist. Türkei. Konstaulinopel, im Februar. Der Baron Hirsch hat der israelitischen Schule zu Salonichi eintausend Livres Sterling zum Geschenk gemacht. Möge sie die beste Verwendung davon machen. Ieililleton. Herzog Sertholvon Andechs und -er Jude Salomo«. Die von No. 5. d. Bl. unter obiger Aufschrift gebrachte Kreuzzugsepisode die ich vor Jahren in einem biographischen Merkchen*) vorgefunden und nach einigen Excerplen möglichst treu wiederzugeben versuchte, glaubte ich dem Grabe der Vergessenheit umsomehr entteißen zu sollen, weil sie, wie bereits *) Loren;, die Grafen von Scharding, Vormbach und Reuburg am Inn. Passau 1828.

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