Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-03-02 · Heft 10 (2.3.1875) · p. Seite 151

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 10 (2.3.1875)
Date
1875-03-02
Page
Seite 151 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3224737-3227014-3227025--33341-3303124
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

151 ein Vater, der sie immer am liebsten seine Kinder, seine Erben genannt. Mit hinreißenden Worten entwarf er ein treffendes Bild des verewigten Meisters und ermahnte die verwaisten Schüler, treu zu bleiben dem Geiste Frankels und weiter zu arbeiten in seinem Sinne. Darauf trugen die Jünger die sterbliche Hülle des Dahingeschiedenen hinunter zum Leichenwagen, und eine unübersehbare Menschenmenge folgte der Leiche zur letzten Ruhestätte. An der Spitze des Zuges die Leidtragenden, darauf das Curatorium und das Lehrercollegium, dann die früheren und jetzigen Schüler des Verstorbenen, die Deputationen der hiesigen Gemeinde und aus der Fremde, und Männer jedes Standes und Berufes. Am Friedhof wurde die Bahre wiederum von den Schülern in die geräumige Halle getragen, die kaum die Hälfte der Leichenbegleitung zu fassen vermochte. Nachdem Cantor Deutsch das ■p-ir; pnx recitirt hatte, entwarf Dr. Joel, der Rabbiner der hiesigen Gemeinde, mit gewohnter Meisterschaft ein treffendes Charakterbild des Verewigten. Hinweisend auf den Tod Elijahus und die schöne, sinnige Sage, nach welcher Gott dem David verheißen, daß er am Sabbath sterben werde, und welche berichtet, daß der Todesengel keine Gewalt gehabt habe über David, weil die Gotteslehre stets lebendig war in seinem Munde, zeigte der Redner den Verlust, welcher die Anstalt, die der Verstorbene geleitet, die Wiffenschaft, das Judenthum durch den Tod dieses Großen getroffen. Nach ihm trat der Rabbiner der Wiener Gemeinde, lu. Güdemann, an die Bahre und beklagte, anknüpfend, wie sein Vorredner, an den Tod Elijahus, in den Worten, die Elischa dem scheidenden Meister nachgerufen, den Lehrer, den Bildner und Erzieher, der ein Vater war seiner Anstalt, ein Vater seinen Jüngern und ein väterlicher Freund und Beralher Allen, die einst zu seinen Füßen geseffen. Darauf ergriff I»r. Treuenfels, Rabb. in Stettin, das Wort, um als Mitglied und Abgesandter des Centralcomite's der Alliance israelite universelle die Verdienste des Mannes, der den Verband mit allen Kräften und nach allen Seiten hin aufopfernd gefördert, in kurzen und kräftigen Worten hervorzuheben. Nach einem Schlußwort des Rabb. lir. Ra hm er aus Magdeburg wurde die Bahre zum Erbbegräbniß getragen, wo der Verklärte an der Seite seiner ihm vor drei Jahren in die Ewigkeit vorausgegangenen edlen Gattin zur ewigen Ruhe gebettet wurde. nV) r2-. Seine Seele ruhe in Frieden, und sein Verdienst stehe uns bei und ganz Israel ewiglich! Die Verfassung -er jü-. Gemein-en im preußischen ^bgeor-netenhruse. Die Petitionscommission des preußischen Abgeordnetenhauses (S. Corresponbenz aus Berlin w. u.) hat zu beantragen beschlossen, die Staatsregierung aufzufordern, den Gesetzentwurf über den fteien Austritt aus der jüdischen Gemeinde noch in dieser Session vorzulegen. Es läßt sich voraussetzen, daß der Antrag, wie in der vorigen Session die Mehrheit für sich haben werde, wenn er auf die Tagesordnung kommt. Da aber der Regierungscommiffarius erklärt hat, das Gesetz über die Rechtsverhältnisse der „jüdischen Gemeinden" sei noch in der Vorbereitung, und könne in dieser Session nicht vorgelegt werden, so kann man ebenfalls voraussetzen, daß dem Verlangen der Petitionscommission keine Realisirung folgen werde. Wir überlassen es unserem Correspondenten, den Gegenstand selbst zu besprechen. Wir wollen hier nur noch kurz andeuten, waS nach unserer Meinung in dieser wichtigen Sache jetzt wohl zu thun sei. Nach den vielseitigen Kundgebungen der jüd. Gemeinden und vieler Privaten gegen die Laskersche Resolution an das Abgeordnetenhaus sind gegenwärtig bei diesem Hause weitere Schritte überflüssig. Wir haben nur zwei Momente in's Auge zu fassen. Zunächst, daß die königl. Staatsregierung von den Verhältnissen und Bedürfnissen unserer Gemeinden genau unterrichtet sei, weil wir dann einen Gesetzentwurf zu erwarten haben, durch dessen Bestimmungen der Bestand der Gemeinden nicht allzusehr gefährdet werden. Besagt dies doch schon der Titel, den der Regierungscommissarius dem Gesetzentwürfe giebt. „Ueber die Rechtsverhältnisse der jüdischen Gemeinden" kann doch wohl nicht gut bestimmt werden, wenn die Gemeinden nicht in einem Verhältnisse stehen, welches Rechte zu besitzen und auszuüben befähigt. Wir können daher alle diejenigen Gemeinden, die bis jetzt eine Petition an die Staatsregierung noch nicht eingesandt haben, auffordern, dies möglichst bald zu thun. Erst dann, wenn die königl. Staatsregierung einen desfallsigen Gesetzentwurf dem Landtage vorgelegt har. wird es an der Zeit fein, auch unsere Stimme bei dem Abgeordnetenhause nachdrücklich und im ganzen Umfange wieder zu erheben, theils um diesen Entwurf zu unterstützen und gegen Abänderungen im Hause zu bewahren, so weit seine Bestimmungen als zutreffend anzusehen sein werden, theils soweit dies nicht der Fall wäre, unumwunden unsere Wünsche auszusprechen. 5beituiicj Deutschland. diesmal das Abgeordnetenhaus mit Petitionen um ein Gesetz über die Verfassung der jüdischen Gemeinden im Lasker'schen Sinne bestürmen würden, um so mehr als, wie auch diese Zeitung berichtet hat, die Staatsregierung mit den Vorbereitungen Berlin, 16. Februar. (Privatmitth.) Es war vorauszusetzen, daß die Herren Hirsch, Hildesheimer und Genossen auch

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.