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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-02-23 · Heft 9 (23.2.1875) · p. Seite 136

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 9 (23.2.1875)
Date
1875-02-23
Page
Seite 136 (sequence 6)
Language
German
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136 des Kaisers Hadrian wieder aufgebaut unter dem veränderten Namen Aelia Capitolina, und zum Gedächlniß seines Sieges über die Juden und des Umsturzes ihrer Religion, errichtete er einen großen Tempel aus dem Moriah - Berge. welchen er dem Jupiter weihte, und in dem er eine prächtige Marmorstatue seiner selbst aufstellte. Jüngst ist ein armer Landmann, welcher unter den Trümmern eines alten Walls gerade außerhalb des Damaskusthores nahe bei dem Grab der Könige arbeitete, auf etwas gestoßen, was der Kopf dieser berühmten Statue zu sein scheint. Die Physiognomie Hadrian's ist eine auffallende, und es ist nicht schwer, seine Statue durch die mehr niedrige Stirn, die römische Nase, den krausen Bart, die gekrümmten Lider, den starren Blick und den gekräuselten Schnurrbart zu identificiren, die sich deutlich in diesem Gesichte vorfinden. Herr Gasneau und andere Archäologen halten diesen Kopf für denjenigen eben der Statue des großen Kaisers, die im Tempel des Jupiter Capitolinus auf dem Moriah stand. Als man ihn fand, lag er unter der Landstraße, mit dem Gesichte nach unten, wo er seit Jahrhunderten in den Staub getreten war von jedem Pferd, Kameel und Pilger, welche die Thore Zions betraten. ituu cj 6ii<xc&UyC&teu. Deutschland. Berlin, 10. Februar. (Privatmittheil.) Daß durch das preußische Gesetz über die Führung der Standesbücher der Taufzwang aufgehoben worden ist, hat auch einen zwar seltenen doch aber vorgekommenen skandalösen Vorgang beseitigt, der einigermaßen das Judenthum berührt. Nachdem A. L. R. sollten bei unehelichen Geburten die Mädchen der Religion der Mutter, die Knaben der des Vaters folgen, nur nicht wenn die Mutter eine Jüdin war; in diesem Falle sollten die Kinder Christen sein. Es ist daher mehrere Male vorgekommen, daß solche jüd. Mütter ihre Kinder, deren Ernährung und Erziehung ihnen doch zufiel, durchaus im Judenthume erhalten wollten, und die betr. Väter damit auch einverstanden waren. Die christliche Ortsgeistlichkeit beruhigte sich aber dabei nicht und sind uns zwei Fälle aus der Prov. Preußen erinnerlich, wo die Säuglinge durch Gensdarmen der sich widersetzenden Mutter entrissen und zur Taufe gebracht wurden. Solche Fälle sind jetzt nicht mehr möglich, da die staatlichen Behörden nicht mehr befugt sind, irgend eine Taufe zu erzwingen. — Bon dem bekannten Romanschriftsteller Max Ring (Jude) ist vor einiger Zeit ein Tendenzroman unter dem Titel „Unfehlbar" erschienen. Der Verfasser erweist sich hierin als zu jener jetzt veralteten Art neumodischer Juden gehörig, welche einst in Berlin ganz besonders geblüht hat, und die nach außen hin stark „christelte", die Culturkraft des „reinen evangel. Christenthums" (?) in den Himmel erhob, mit „dem göttlichen Dulder"' coquettirte, das orthodoxe Judenthum nur als eine Summe verknöcherter Ceremonien und den aufgeklärten Juden für nichts als einen Deisten erklärte. Alles Dies wird in dem Romane in oberflächlichen Phrasen, in hohlen, klingenden Sentenzen vorgetragen, wobei das Schimpfen auf den Klerus eine pikante Würze abgeben soll. Ueber diesen Standpunkt Der Ansichten sind wir Gott sei Dank hinaus, und zwar in jedem dieser aufgeführten Momente, und Herr Ring hat nichts als einen verhallenden Nachklang einer verflossenen Periode geliefert. Weder fehlt es dem orthodoxen Judenthum an noch pulsirendem Leben, an lebendiger Befriedigung des religiösen Bedürfnisses, an nachhaltiger Nahrung für den religiösen Geist, noch ist das aufgeklärte Judenthum mit dem einfachen Deismus identisch, der ohne die positive Unterlage der geschichtlichen Religion nur in der Luft schwebt; ebenso aber ist es bis heute nicht gelungen, zu bestimmen, was das „reine evangelische Christenthum" eigentlich sei, wo es zu finden und wo es in der Geschichte zur Wirksamkeit gekommen. Solches Zwitterwesen, wie Herr Ring zu Tage bringt, ist am wenigsten geeignet, in unsrer Zeit des Ringens und Kämpfens irgend eine Rolle zu spielen. — Im Aufträge des Ministers der geistlichen, Unterrichts- und Medicinal-Augelegenheiten giebt der Leiter des preuß. höheren Schulwesens, der Geheime Oberregierungsrath vr. Wiese, eine historisch-statistische Darstellung desselben heraus, von der soeben der lll. Bd. erschienen ist. Diese Publicationen erfolgen immer für einen Zettraum von 5 Jahren, und so umfaßt der soeben herausgekommene UI. Band die Jahre 1869—1873 (1874). Wir heben aus diesem Werke folgende Stelle heraus: „Höchst beachtenswerth ist die außerordentliche Zunahme jüd. Schüler. Sie betrug am Friedrich-Wllhelms-Gymnasium zu Posen über die Hälfte, an einzelnen Breslauer und an fast fämmtlichen städtischen Gymnasien Berlins weit über ein Viertel der Gesammtzahl. In Berlin ist die Zahl der jüd. Schüler, welche höhere Schulen besuchen, so gestiegen, daß sie etwa den vierten Theil der Gesammtzahl betrug. In Schlesien werden die höheren Schulen von den Evangelischen wohl mehr benutzt, als von den Katholiken, von den Juden aber mehr, als von den Christen. Charakteristisch ist noch, daß die jüdische Bevölkerung die Gymnasialbilvung der Realschulbildung vorzieht." Letzterer Umstand ist ein Beweis, daß die jüdischen Eltern für ihre Sohne eine gründliche wissenschaftliche Bildung erzielen, und spricht zugleich gegen jene Behauptung, daß das große Berhältniß der jüdischen Schüler gegen die christlichen aus rem Umstande zu erklären sei, daß die Juden zum großen Theile Stadtbewohner

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